KTG Agrar
von Markus Horntrich - Chefredakteur

KTG Agrar: Profiteur der Rallye bei Agrarrohstoffen?

Dürre und Unwetter hatten in den USA massive Ernteausfälle zur Folge. Über die aktuelle Lage bei Agrarrohstoffen und die weitere Entwicklung des Agrarsektors sprach DER AKTIONÄR mit Siegfried Hofreiter, Vorstandschef der KTG Agrar AG.

Wegen Dürre und Unwetter muss der Agrarsektor in den USA massive Ernteeinbußen hinnehmen. Wie sieht es bei KTG Agrar aus, sind bei Ihnen auch Teile der Ernte vernichtet?

Siegfried Hofreiter: Von den Ernteeinbußen ist Mitteleuropa nicht betroffen. Im Gegenteil, wir erwarten in diesem Jahr sogar eine zwischen 5 und 10 Prozent höhere Ernte als 2011. 

Die Witterungsverhältnisse und Ernteausfälle hatten zuletzt wieder eine Rallye bei Agrarrohstoffen zur Folge. Wie lange werden wir mit den ausfallbedingt hohen Preisen leben müssen?

Sollte sich die Lage in Osteuropa, beispielsweise durch einen Exportstopp in Russland, auch noch verschärfen, könnten die Preise in den kommenden Wochen sogar noch weiter zulegen. Eine wirkliche Trendumkehr kann erst eintreten, wenn eine stabile Ernte für 2013 absehbar ist. Die Preise werden also mittelfristig auf hohem Niveau bleiben. Insbesondere in den USA wird jetzt selbst Regen nicht mehr viel an der Situation ändern. Die Früchte sind bereits weitestgehend vertrocknet. Da kann man nur auf die nächste Ernte hoffen. 

Wenn etwa mehr Ackerfläche bewirtschaftet würde, weil sich das bei den hohen Preisen lohnt, muss man davon ausgehen, dass die Preise im nächsten Jahr entsprechend sinken werden, da das Angebot steigt? Oder verändert sich das Angebot mit Preisschwankungen eher nicht?

Hohe Preise ziehen auch mehr Angebot nach sich. Dies ist auch dringend nötig. So wächst die Weltbevölkerung deutlich schneller als die landwirtschaftliche Anbaufläche. Selbst unter Berücksichtigung des züchterischen- und technologischen Fortschritts hält das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt. Sind die Agrarrohstoffpreise hoch kommen mehr Flächen in die Produktion. Diese sind natürlich nicht sehr produktiv und benötigen daher zwingend hohe Preise. Denn der Anbau erfordert einen hohen Einsatz von Düngemitteln. Darüber hinaus dauert es mindestens eine Saison bis auf brachliegenden Flächen wieder eine gute Ernte eingefahren werden kann. Wir sind also erst am Anfang eines Zyklus.  

Hat KTG Agrar als Produzent etwas von den hohen Agrarrohstoffpreisen oder haben Sie die Ernte bereits vorverkauft?

Wir sind Unternehmer und keine Spekulanten. Daher haben wir im Frühjahr etwa 60 Prozent der Ernte mit einer guten Marge verkauft. Aufgrund der guten klimatischen Bedingungen der letzten Wochen dürften es nur noch 50 Prozent der zu erwartenden Ernte sein. Wir profitieren also noch mit 50 Prozent von der aktuellen Ernte. Aufgrund der beschriebenen Marktzyklen werden wir auch in der kommenden Saison von den hohen Preisen profitieren. 

Die hohen Preise bescheren vielen Agrarbetrieben eine Sonderkonjunktur. Kann man davon ausgehen, dass dann in diesen Betrieben auch mehr investiert wird, z.B. in Maschinen, Düngemittel et cetera?

Natürlich ist der Landwirt nach einer guten Ernte mit guten Preisen eher bereit in einen neuen Traktor zu investieren oder einen höheren Düngemittelpreis zu akzeptieren. Anbieter von Landmaschinen und Düngemitteln werden aber insbesondere von der Aktivierung der brachliegenden Flächen profitieren. Dort benötigt man das beste Saatgut, viel Dünger und neue Maschinen. 

Was unternimmt die KTG Agrar AG mit den Erlösen aus dem Börsengang der KTG Energie AG, haben Sie schon potenzielle Investitionsobjekte im Blick? Wenn ja, in welche Richtung wird es gehen, Ackerfläche, Erweiterung der Wertschöpfungskette, Wettbewerber?

Ackerland ist unsere Geschäftsgrundlage, daher werden wir unsere Anbaufläche weiter vergrößern. Bisher sind wir ja in Ostdeutschland und Litauen aktiv und konnten hier von den deutlichen Preissteigerungen je Hektar profitieren. Da wir zu Anschaffungspreisen bilanzieren, haben wir inzwischen stille Reserven von deutlich mehr als 30 Mio. Euro geschaffen. Wir werden in unseren Kernregionen weiter wachsen, doch wir schauen uns auch neue Regionen an. Im Bereich Farmmanagement sammeln wir ja bereits seit Jahren Erfahrungen in Rumänien und Russland. Unsere Wertschöpfungskette werden wir nur ganz gezielt erweitern. 

Die 2011 erworbene Ölmühle Anklam ist seit April in Betrieb. Läuft alles wie geplant? 

Die Produktion ist gut angelaufen. Darüber hinaus haben wir die Lebensmittel- und Biozertifizierung erhalten, denn künftig werden wir uns auf hochwertige Öle konzentrieren. 

Welchen Umsatzbeitrag erwarten Sie von der Ölmühle im laufenden Jahr und 2013? Arbeitet die Mühle bereits profitabel?

Im laufenden Jahr erwarten wir einen niedrigen zweistelligen Millionenumsatz und bereits den Break-even. 2013 wollen wir eine ordentliche Marge erzielen.

Mit Frenzel Tiefkühlkost hat KTG zuletzt die Wertschöpfungskette erweitert. Wie stellen sich hier die operativen Kennzahlen für 2012 dar?

Frenzel entwickelt sich hervorragend. Wir haben Anfang 2012 zahlreiche neue konventionelle und ökologische Produkte vorgestellt. Daher wird sich der Umsatz im laufenden Jahr auf mehr als 16 Mio. Euro verdoppeln. 

Wie sieht nach dem Börsengang von KTG Energie der Businessplan von KTG Agrar für 2012 und 2013 aus, welchen Umsatz und Gewinn erwarten Sie?

Die Rahmenbindungen in der Landwirtschaft und der Energieproduktion sind hervorragend. 2012 und 2013 werden wir beginnen die Früchte der massiven Investitionen der vergangenen Jahre zu ernten. Für 2012 erwarten die Analysten ein EBIT-Anstieg auf rund 20 Millionen. Euro und 2013 soll es dann Richtung 30 Mio. Euro gehen. Damit fühlen wir uns wohl. 

| Markus Horntrich | 0 Kommentare

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