- DER AKTIONÄR

Kosten runter, Kurs hoch?

Der Versicherungssoftware-Spezialist FJH reißt das Ruder herum. Nach einem Verlust von über 122,5 Millionen Euro in 2004 sollen 2006 wieder Gewinne erzielt werden.

Der Versicherungssoftware-Spezialist FJH reißt das Ruder herum. Nach einem Verlust von über 122,5 Millionen Euro in 2004 sollen 2006 wieder Gewinne erzielt werden.

Von Florian Söllner

Zumindest eines kann man der FJH AG nicht nachsagen: Dass es seine Aktionäre langweilt. Während andere Softwareaktien in der Masse untergehen, ist FJH, früher FJA, den meisten Aktionären ein Begriff. Bekanntheit erlangte der Spezialsoftwareanbieter für die Finanz- und Versicherungsbranche jedoch weniger durch seine Marktführerschaft und namhaften Kunden wie Allianz, DEVK und UBS sondern durch einen "Bilanzskandal".

So wurden ab 2002 verstärkt "unfakturierte", also noch nicht in Rechnung gestellte, Forderungen gebucht. FJH wurde zwar rechtlich entlastet, ein fader Beigeschmack blieb jedoch. Im Jahr 2004 wurde diese strittige und die Gewinne erhöhende Bilanzposition endlich nahezu komplett abgeschrieben. Das Vertrauen in das alte FJH-Management blieb, auch aufgrund wiederholt schlechter Zahlen, dennoch auf dem Tiefpunkt.

Erst seit März dieses Jahres wittert die Aktie wieder Morgenluft. Denn der FJH-Boss Manfred Feilmeier gab den Vorstandsvorsitz und die Verantwortung für die Finanzen ab. Nicht freiwillig. Dem Vernehmen nach musste er auf Druck des neuen FJH-Investors Karl-Friederich Kalmund gehen. Neuer FJH-Chef ist seitdem Ulrich Korff. Der musste zunächst die Katastrophen-Bilanz für das Jahr 2004 vorlegen: Ein fast halbierter Umsatz von 67,7 Millionen Euro und ein Verlust von 122,5 Millionen Euro.

Gewinne ab 2006

Zugleich verordnete er eine Rosskur, die unter anderem den Verkauf der Tochter Heubeck für rund zehn Millionen Euro (Kaufpreis 22 Millionen Euro) und diverse Kapitalmaßnahmen umfasste. Dennoch wird auch 2005 noch ein Verlust anfallen. Die Mitarbeiteranzahl von 570 (2004: 939 Angestellte) wird voraussichtlich noch einmal um bis zu 170 reduziert. Ab 2006 sollen jedoch wieder erste Gewinne sprudeln.

Es kann davon ausgegangen werden, dass FJH den Umschwung schafft. Nebenwirkung der Kapitalmaßnahmen ist jedoch die deutliche Erhöhung der Aktienanzahl, die Marktkapitalisierung beläuft sich dann auf rund 47 Millionen Euro. In Konsequenz daraus ist FJH bereits mit einem KUV von 0,9 bewertet. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis 2006 von Softwareunternehmen wie Beta Systems, GFT oder Brain Force liegt im Bereich von 0,4.

Vorschusslorbeeren

FJH hat die Vorraussetzungen für das Erreichen der Gewinnzone im nächsten Jahr geschaffen. Dies ist im jetzigen Kurs jedoch bereits zu großen Teilen eingepreist.

 

FJH

 

ISIN DE0005130108
Kurs am 21.07.2005 3,08€
Kurs am Tag der Analyse 3,03€
Empfehlung Halten
KGV 06e 52
Chance/Risiko 5/5

Artikel aus DER AKTIONÄR (30/05).

 

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