Kontron
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Kontron: "Wir sind eine Wachstumsstory"

Zählte die Aktie des Entwicklers von Embedded-Computer-Technologien Anfang 2011 zu den Top-Performern im TecDAX, sorgten enttäuschende Vorabzahlen anschließend für eine Korrektur. DER AKTIONÄR sprach mit Kontron-Vorstandschef Ulrich Gehrmann über verschwundene Millionen, steigende Preise und konservative Prognosen.

DER AKTIONÄR: Herr Gehrmann, bevor wir über die Zahlen sprechen, ein Satz zu den  veruntreuten 34 Millionen Euro. Lässt sich das Geld zurückholen?

Ulrich Gehrmann: Wir können hierzu noch immer keine konkreten Aussagen treffen. Die Gerichte haben wichtige Termine auf das erste Quartal verschoben, um sich ein besseres Bild machen zu können. Das ärgert uns, ändern können wir es nicht.

Gibt es denn  Fortschritte?
Ja, die gibt es. Kontron ist jetzt per Gerichtsbeschluss in der Lage, Vermögenswerte der Schuldner einzufrieren, sofern wir ihrer habhaft werden.

Wurden bereits Konten eingefroren?
Nein. Wir haben es versucht, aber ohne Erfolg. Offenbar hatte die Gegenseite mit einem solchen Schritt gerechnet und die Gelder transferiert.

Welche Strategie verfolgt Kontron?
Wir versuchen den Druck auf den Schuldner so weit zu erhöhen, dass er sich im Gegenzug für seine Freiheit freiwillig mit uns vergleicht. 

Kontron hat zuletzt Vorabzahlen für das vierte Quartal 2010 gemeldet. Wie haben sich die Design Wins entwickelt?
Die Design Wins haben wir bislang nicht veröffentlicht und offen gesagt, habe ich sie mir im Detail auch noch nicht angesehen. Was ich nach einem ersten Überblick sagen kann: Sie befinden sich für 2010 auf einem Niveau, dass man sagen kann, Kontron wächst organisch deutlich weiter.

Kontron hat in Q4 160 Millionen Euro umgesetzt, im Gesamtjahr 2010 um die 500 Millionen Euro. Obwohl damit Ihre eigenen Prognosen übertroffen wurden, halten Sie am negativen EBIT fest.
Wir haben mit Hochdruck umstrukturiert und uns als globales Unternehmen aufgestellt. Die Maßnahmen haben viel Geld gekostet, das wurde jetzt verbucht. Für uns kam diese Entwicklung aber keineswegs überraschend.

Für 2011 haben Sie Erlöse von 540 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Den Wegfall der Restrukturierungskosten berücksichtigt, klingt der  Zielkorridor für die EBIT-Marge von 8 bis 9 Prozent konservativ.
Das stimmt und ich würde mich unter normalen Umständen zu einer höheren Prognose hinreißen lassen. Das Problem besteht darin, dass wir – und das gilt für die gesamte Elektronikbranche – noch keine rückläufige Preiskurve sehen. Bei einzelnen Bauteilen, beispielsweise Tantal-Kondensatoren, sind die Preise sogar in kurzer Zeit um 300 Prozent gestiegen – mal eben so. Hinzu kommen die steigenden Löhne in China und die mögliche Verknappung bei bestimmten Rohstoffen wie Seltenen Erden und Seltenen Metallen. Wir können die Situation momentan nicht einschätzen, daher die Vorsicht.

Analysten bemängelten zuletzt vor allem Kontrons Ergebnisqualität. Offenbar wird das Unternehmen nicht so sehr als Wachstumsstory wahrgenommen. 
Ich glaube absolut, dass Kontron eine Wachstumsstory ist. Wir haben die 70 bis 80 Millionen Euro aus dem aufgegebenen EMS-Geschäft kompensiert. Das zeigt doch, dass wir in unserem Kerngeschäft außerordentlich stark gewachsen sind. Richtig ist aber auch, dass wir nicht um jeden Preis wachsen wollen, sondern auch Wert auf die Ergebnisqualität legen.

Das komplette Interview ist in Ausgabe 06/11 von DER AKTIONÄR erschienen, den Sie hier als E-Paper abrufen können.

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| Maximilian Völkl | 0 Kommentare

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