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Knurrhahn statt Brathuhn

Vor dem Hintergrund einer drohenden Vogelgrippen-Pandemie dürfte Fisch bald des Öfteren auf dem Speiseplan stehen - Fischverarbeiter haben Hochkonjunktur.

Vor dem Hintergrund einer drohenden Vogelgrippen-Pandemie dürfte Fisch bald des Öfteren auf dem Speiseplan stehen - Fischverarbeiter haben Hochkonjunktur.

Von Sascha Grundmann

Fisch ist enorm gesund, unter anderem wegen des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren. Dass dem so ist, ist nicht nur unter Ernährungswissenschaftlern längst bekannt. Und daher ist diese Erkenntnis auch nicht allein dafür verantwortlich, dass der Aktienkurs des spanischen Fischverarbeiters Pescanova vor zwei Wochen plötzlich nach oben geschossen ist. Hauptauslöser war vielmehr die Nachricht, dass die Vogelgrippe mit Griechenland das erste EU-Land erreicht habe. Die Börse nahm das prompt zum Anlass, vermehrt Aktien von Fischfabriken nachzufragen. Die Argumentation auf dem Parkett: Wer kein Huhn mehr will, kauft jetzt halt Fisch.

Huhn? Nein danke!

Nahrungsmittelexperten weisen zwar darauf hin, dass gekochtes Geflügel keine Gefahr für die Gesundheit darstelle, allerdings muss man kein Psychologe sein, um sich auszumalen, dass viele Verbraucher in den kommenden Monaten ein eher mulmiges Gefühl beschleichen dürfte, wenn Hähnchen auf den Teller kommt. Und wem nicht nachRind und Schwein ist, der weicht auf Fisch und Meeresfrüchte aus.

Niedrig bewertet

Nach Ansicht der Börsianer profitieren davon Unternehmen wie Pescanova. Das Unternehmen aus Galizien bietet allerdings mehr als die reine "Vogelgrippen-Kursfantasie", die Aussichten sind tatsächlich gut: Nachdem der Pescanova-Gewinn im vergangenen Jahr nahezu stagnierte, gehen die Analysten für 2005 von einem Plus von 24 Prozent aus, für das folgende Jahr von immerhin 18 Prozent. Und auf Basis dieser eher konservativen Schätzungen hat Pescanova ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15. Zudem ist davon auszugehen, dass angesichts der aktuellen Situation die Analysten ihre Prognosen in den kommenden Wochen weiter anheben werden und sich die Aktienbewertung damit nochmals verringert.

Fisch vor Nachfrage-Boom?

Die Aktie von Pescanova hat im bisherigen Jahresverlauf - auch schon vor dem Schub durch die Vogelgrippe - ordentlich zugelegt. Und diese Entwicklung könnte sich fortsetzen. Denn die Umsätze des Unternehmens dürften vor dem Hintergrund einer wachsenden Nachfrage nach Fisch weiter steigen. Einziger Haken an dem Papier: Pescanova ist in Deutschland nur über die Börse Stuttgart zu handeln, und selbst dort sind die Umsätze äußerst gering. Orders sollten daher nur streng limitiert aufgegeben werden.

Artikel aus Ausgabe 45/2005

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