Gerry Weber
- DER AKTIONÄR

Kleider machen Kurse

Viele Menschen, die attraktiv sein möchten, lassen sich ihre Kleidung etwas kosten. Mit Modeaktien können Anleger ihrem Depot den nötigen Chic verpassen. DER AKTONÄR nennt seine Favoriten.

Mit Modeaktien können Anleger ihrem Depot den nötigen Chic verpassen, sie stehen jedem Depot gut. DER AKTONÄR nennt seine Favoriten.

Von Andreas Deutsch

Viele Leute verbinden mit der EU vor allem eins: Bürokratie ohne Ende und jede Menge sonderbare Entscheidungen. Der Streit der letzten Monate um Textilien aus China dürfte sie in ihrer Meinung noch bestärkt haben. Immerhin fand man vor kurzem einen Kompromiss, mit dem sowohl China als auch die EU gut leben können. Auch die Modebranche - unter anderem der deutsche Hersteller Gerry Weber - atmet auf, denn über 80 Millionen blockierte Textilwaren landen nun doch noch in den Regalen der Kaufhäuser und Boutiquen.

Schrecken mit Ende

Aber der Reihe nach: Am 1. Januar 2005 wurden die Exportbeschränkungen für den weltweiten Handel mit Textilien aufgehoben. Wie nicht anders zu erwarten, nahmen die Lieferungen aus dem Reich der Mitte unmittelbar danach deutlich zu. Obwohl der Wegfall der Quoten seit zehn Jahren bekannt ist, wurden Länder mit einer starken einheimischen Textilindustrie - wie Italien, Portugal und Frankreich - offenbar von den Ereignissen überrollt. Deshalb setzten sie bei der EU neue Quoten durch. Diese waren innerhalb kürzester Zeit erschöpft, so dass sich Hosen, BHs, Röcke etc. in den EU-Häfen türmten. Nach zermürbenden Verhandlungen einigten sich China und die EU darauf, dass die eine Hälfte der Ware ohne Auflagen auf den EU-Markt kommt und die andere Hälfte auf die Quoten für 2006 angerechnet wird. 2008 werden die Quoten - dieses Mal wohl endgültig - wieder abgeschafft.

Feiner Stoff

Durchaus zufrieden mit der Einigung ist man im Hause Gerry Weber. Nachdem der Konzern zunächst sogar mit Schadenersatzforderungen seitens der Kunden gerechnet hatte, stellte sich alles als halb so schlimm heraus. "Alle Liefertermine können eingehalten werden", so Gerry-Weber-Sprecherin Nina Lauterbach. "Unsere Jahresendziele sind definitiv nicht in Gefahr." Wie Konzernchef Gerhard Weber dem aktionär versicherte, entwickeln sich auch die Auftragseingänge für die Frühjahrs- und Sommermode 2006 positiv.

Für einen Kauf der Gerry-Weber-Aktie spricht zudem der Einstieg des Unternehmens in den Bereich Herrenmode, der für nächstes Jahr geplant ist. Die bestehenden Marken Gerry Weber, Taifun und Samoon kommen bei den Kunden immer besser an. Darüber hinaus will Gerry Weber bis Oktober 2006 eigene Aktien im Umfang von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zurückkaufen, was dem Kurs ebenfalls Auftrieb geben sollte.

Weitere Favoriten

Ebenfalls ein klarer Kauf ist die Aktie von Hugo Boss, obwohl sie seit der AKTIONÄRS-Empfehlung vom Februar 2003 bereits rund 170 Prozent zugelegt hat. Da Boss fast nichts in China produziert, hatte der Streit kaum Einfluss auf das Metzinger Unternehmen. Das Reich der Mitte spielt aber trotzdem eine wichtige Rolle für Boss, denn China sowie Indien gelten als potenzielle Milliardenmärkte für die Hersteller westlicher Kleidung. Zudem hat der Konzern die Probleme bei Boss Woman endgültig gelöst. Die Chancen stehen gut, dass diese Sparte eines Tages ebenso erfolgreich ist wie der Bereich Herrenmode. Hervorragend läuft es auch bei Esprit. Der Konzern, der seinen Sitz in Hongkong hat, wächst so stark wie kaum ein anderes Modeunternehmen weltweit. Im Geschäftsjahr 2004/05 (bis 30. Juni) steigerte Esprit seinen Umsatz um 26 Prozent auf 2,17 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kletterte um 67 Prozent auf 350 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr setzt Esprit wieder ganz auf Expansion: Neben 1.400 Großhandelsstandorten will das Unternehmen 110 neue, direkt verwaltete Einzelhandelsgeschäfte eröffnen. Zudem plant Esprit sein Comeback in den USA, wo die Firma vor 37 Jahren gegründet wurde. Immer weniger Lust auf die Vereinigten Staaten hat man bei Tommy Hilfiger. Denn in den USA brechen dem in Europa überaus erfolgreichen Konzern die Umsätze weg. Für Kursfantasie bei Hilfiger sorgen die Spekulationen, der Modekonzern wolle sich selbst zum Kauf anbieten. Angeblich plant Europa-Chef Fred Gehring gemeinsam mit dem Finanzinvestor Apax, Tommy Hilfiger zu übernehmen. Auch die drei US-Unternehmen VF Corporation, Liz Clairborne und Jones Apparel werden als potenzielle Käufer gehandelt.

Ebenfalls ein Investment wert ist Polo Ralph Lauren. Das Unternehmen legte hervorragende Zahlen für das erste Quartal vor: Der Umsatz stieg um 24 Prozent auf 752 Millionen Dollar, der Gewinn explodierte um 300 Prozent auf 50,7 Millionen Dollar. Analysten erwarten, dass in Zukunft auch Polo Ralph Laurens Damen- und Kinderbekleidung die Geschäfte brummen lassen werden.

Sehr chic

Modeaktien stehen jedem Depot gut. Aufgrund der viel versprechenden Produktstrategie und der geplanten Expansion haben Gerry Weber und Hugo Boss gute Chancen, auf Jahressicht besser zu performen als der Rest der Branche. Auch Esprit und Polo Ralph Lauren überzeugen auf der ganzen Linie. Wer es spekulativer mag, sollte in Tommy Hilfiger investieren.

 

Gerrry Weber

 

ISIN DE0003304101
Kurs am 28.09.2005 14,10€
Empfehlungskurs 12,90€
Ziel 18,00€
Stopp 10,50€
KGV 06e 13
Chance/Risiko 4/2

 

Hugo Bos VZ.

 

ISIN DE0005245534
Kurs am 28.09.2005 28,05€
Empfehlungskurs 26,88€
Ziel 35,00€
Stopp 21,10€
KGV 06e 17
Chance/Risiko 4/3

Artikel aus DER AKTIONÄR (39/05).

 

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