- DER AKTIONÄR

Keine Angst vor Ben

Viele Anleger beschäftigt die Frage, wie die Wall Street den Abschied von Alan Greenspan verkraften wird. Historisch betrachtet besteht kein Anlass zur Sorge.

Viele Anleger beschäftigt die Frage, wie die Wall Street den Abschied von Alan Greenspan verkraften wird. Historisch betrachtet besteht kein Anlass zur Sorge.

Nach 18 Jahren im Amt scheidet die Legende Alan Greenspan Ende Januar aus ihrem Amt, der Nachfolger heißt Ben Bernanke. Nach so einer langen Dienstzeit ist es verständlich, dass sich viele Börsianer fragen, ob und welche Auswirkungen diese Personalie auf die Aktienkurse haben wird. Schließlich genießt Alan Greenspan den Ruf als "Magier der Märkte".

Moderat positive Kursbilanz nach Wechsel an der Notenbankspitze

Der Blick zurück in die Börsenhistorie bringt dabei für die Marktteilnehmer aber relativ beruhigende Ergebnisse. Zumindest ist dies das Ergebnis einer von Analysten des amerikanischen Finanzdienstleisters Standard & Poor´s (S&P) durchgeführten Untersuchung. Demnach ist der S&P-500-Index seit der Schaffung der Fed im Jahr 1914 nach einem Wechsel an der Führungsspitze in den darauf folgenden sechs Monaten im Schnitt um zwei Prozent gestiegen. Und zwölf Monate danach stand dann sogar ein Wertzuwachs von zwölf Prozent zu Buche (siehe Kasten).

Dieser Bilanz nach zu urteilen scheint es für die Börsianer letztlich nicht so entscheidend zu sein, wer der oberste Zinshüter ist. Gestützt wird diese These auch durch die ausgeglichene Einzelbilanz. Die anschließend zu beobachtenden sechs Kursverlustperioden halten sich fast die Waage mit den sieben Phasen mit nachfolgenden Kursvergewinnen. Zumindest historisch betrachtet macht es somit wenig Sinn, zu viel Zeit auf die Beantwortung der Frage nach den Kurseinflüssen der anstehenden Personalie zu verwenden.

Stadium des Zinszyklus spricht für Kursrally

Übertrieben scheint im geschichtlichen Rückblick auch die etliche Börsianer umtreibende Sorge zu sein, die Fed könnte bei den jetztigen Zinserhöhungen zu viel des Guten tun und die Konjunktur abwürgen. "Die oft zu hörende Behauptung, die Notenbank überspanne den Bogen in Zinserhöhungszyklen und die Aktienkurse reagierten darauf dann mit Verlusten, ist falsch", erklärt Sam Stovall. Und der S&P-Chefanlagestratege belegt diese Aussage auch gleich mit Zahlen: Seinen Berechnungen zufolge ist der S&P 500 Index seit 1973 in den zwölf Monaten nach dem Erreichen des Zinsgipfels im Schnitt um sechs Prozent gestiegen. (siehe Kasten).

Die Bullen unter den Börsianern dürften diese Botschaft ebenso gerne vernehmen wie die Kursbilanz in den drei Monaten vor der letzten Zinserhöhung. Denn auch da ging es mit dem S&P-500-Index durchschnittlich um drei Prozent nach oben. Dieses Ergebnis ist natürlich ermutigend, wenn man wie viele Experten mit einem baldigen Ende der Zinserhöhungen rechnet. Diese Ansicht vertreten übrigens auch die Analysten bei S&P und auch hier können sie zur Begründung einen Wert aus der Vergangenheit anführen. Seit 1973 erhöhte die Fed die Leitzinsen in Zinserhöhungszyklen im Schnitt nämlich um 3,5 Prozentpunkte. Und nachdem die Zinsen im diesmaligen Zyklus seit Juni 2004 bereits um 300 Basispunkte angehoben wurden, ist das Durchschnittsergebnis fast schon erreicht.

Die noch bestehende Lücke könnte sich nach Lesart von S&P bereits im Dezember bei der nächsten Sitzung der Fed schließen. Laut Stovall spricht dafür die Annahme, dass Greenspann die von ihm begonnene Arbeit vermutlich noch vor seinem Abschied zu Ende führen will (auch mit dem Ziel, seinem Nachfolger den Einstieg zu erleichtern) und die Beobachtung, dass Greenspan in seiner Amtszeit am Ende eines Zinszyklus typischerweise noch einmal einen Zinsschritt draufsetzte, der stärker ausfiel als die vorherigen Maßnahmen.

Greenspan hält Negativkursrekord

Allerdings warnt auch Stovall ausdrücklich davor, die Bedeutung der Zahlenspielerei überzubewerten. Sind doch vergangene Entwicklungen an der Börse kein Garant für eine Wiederholung dieser Vorgänge. Doch das ist manchmal auch ganz gut so. Würde sich nämlich das Kursszenario wiederholen, welches sich nach der Amtsübernahme von Greenspan im August 1987 einstellte, dann wäre das für alle Bullen der Horror. Hält doch ausgerechnet der Magier der Märkte mit einem Kurseinbruch beim S&P-500-Index von 22 Prozent den Negativrekord in den ersten sechs Monaten nach einem Stabwechsel. Auch so gesehen ist es Bernanke zu wünschen, dass er nicht in jeder Hinsicht nur in die Fußstapfen von Greenspan tritt.

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