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- Michael Schröder - Redakteur

Kapitalmarktexperte Peeters: "Kurzfristig dürften Gewinnmitnahmen dominieren"

Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit unbegrenzten Anleihenkäufen notleidenden Euro-Ländern unter die Arme greifen. Die US-amerikanische Notenbank Fed öffnet ebenfalls erneut ihre Schleusen und bringt ein weiteres milliardenschweres Anleihekaufprogramm auf den Weg. Ist das Thema Schuldenkrise damit nun vom Tisch?

In den vergangenen Wochen hat sich einiges getan an den Finanzmärkten. DER AKTIONÄR sprach mit Roger Peeters, Kapitalmarktexperte und Vorstand bei Close Brothers Seydler Research, über die Auswirkungen der Liquiditätsschwämme der Notenbanken und fragte nach, wie Anleger nun reagieren sollten.

DER AKTIONÄR: Herr Peeters, EZB und Fed haben die Geldschleusen geöffnet. Das Verfassungsgericht sagt Ja zum ESM. War das nun der große Wurf? Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Roger Peeters: Es handelt sich ohne Zweifel um eine Entscheidung mit einer immensen Tragweite, die wir schlussendlich erst in einiger Zukunft abschließend beurteilen können und sollten. Es war dahingehend der von Ihnen so umschriebene große Wurf, weil die kurzfristige Unsicherheit in der Eurozone spürbar reduziert wurde. Man sollte aber nicht dem Trugschluss erliegen, dass die Schuldenproblematik durch ESM gelöst wurde.

Die Eurokrise belastet die Konjunktur. Die wirtschaftliche Dynamik lässt spürbar nach. Wann nimmt der Wachstumsmotor wieder an Fahrt auf?

Hier sollte man vor überzogenen Optimismus warnen. Die massive Geldinjektion hat zwar zu unmittelbaren Konsequenzen in den Finanzmärkten geführt, nicht aber zu eher grundlegenden Änderungen in der Volkswirtschaft. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Weltwirtschaft zeitnah deutlich an Fahrt aufnimmt.

DAX und Co sind zuletzt deutlich angestiegen. Wie sollten Anleger reagieren?

Ganz kurzfristig scheinen temporäre Gewinnmitnahmen zu dominieren, schlicht weil die Märkte überkauft sind und der Newsflow etwas abebbt. An der insgesamt bullishen Entwicklung ändert dies aber nichts, da die monetären Maßnahmen die Angst vor Geldentwertung deutlich beleben und preistreibend auf Sachwerte wie Immobilien, Gold oder eben Aktien wirken.

Vielen Dank für das Gespräch!

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| Jochen Kauper | 0 Kommentare

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