DAX
- Michael Schröder - Redakteur

Kapitalmarktexperte Halver: 8.000, 9.000, 10.000 … es hat schon weniger Gründe für steigende Aktienmärkte gegeben

"An Aktien als Anlageform führt kein Weg vorbei." Robert Halver spricht gerne Klartext. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR erklärt der Kapitalmarktexperte, warum DAX, Dow Jones und Co schon bald neue historische Höchststände markieren werden.

In den vergangenen Wochen hat sich einiges getan an den Finanzmärkten. DER AKTIONÄR sprach mit Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank, über die aktuelle Situation sowie die Aussichten an den Aktienmärkten

DER AKTIONÄR: Herr Halver, der US-Leitindex Dow Jones ist in den letzten Wochen bereits auf ein Mehrjahreshoch angestiegen. Was kann die US-Börsen auf dem Weg nach oben stoppen?

 Robert Halver: Sollte Amerika aus reiner Partei-Ideologie eine gravierende politische Krise riskieren, wäre dies ein massives Handicap für die US-Aktienmärkte. Denn gerade in den USA ist der Glaube an unkonventionelle Lösungen auch für die schwierigsten Probleme fest verwurzelt. Käme es hier zu Enttäuschungen, wäre dies ein massiver Vertrauensverlust, der viele Anleger zu Verkäufen von US-Aktien, aber auch Staatspapieren, anhalten würde. Ein so begründeter Renditeanstieg von Staatsanleihen wäre Gift für die konjunkturelle Erholung.

Was sind die positiven Impulsgeber?

Die Kraft der drei Herzen sollte für eine positive Aktienstimmung sorgen: die freizügige Geldpolitik, eine sich darüber festigende Konjunktur und die Perspektive, dass Amerika 2020 energieseitig unabhängig sein wird und diese Energie im internationalen Vergleich sehr günstig sein wird. Gerade die günstige Energieversorgung ist ein schlagendes Argument für viele energieintensive Unternehmen, in den USA zu investieren.

Richten wir den Blick nach Deutschland: Sehen wir in diesem Jahr neue Rekordstände beim DAX?

Die Chancen für neue historische Höchststände beim DAX sind gut. Einen konjunkturellen Einbruch wie 2009 wird es nicht geben, weil es nicht sein darf. Ließe man diese Wirtschaftsprobleme noch einmal zu, gäbe es keine Möglichkeiten der Kompensation mehr, da die Zinsen bereits auf Tiefstständen angekommen sind und eine nochmalige dramatische Verschuldung wie nach der Pleite der Lehman-Bank nicht mehr darstellbar ist. Also werden die Notenbanken die künstliche Befruchtung der Konjunktur präventiv und konsequent fortsetzen. Mit dieser vorbeugenden Geldpolitik, einer ohnehin robusten Konjunktur in den Schwellenländern und einer euroländischen Politik, die mittlerweile Harmonie Priorität vor deutscher Stabilitätskultur einräumt, sind die Rahmendaten für die Aktienmärkte positiv. Der DAX hat gute Chancen, Ende des Jahres bei 8.500 Punkten zu stehen.

Welche Aspekte sprechen noch für einen steigenden Index?

Positiv wird sich auch auswirken, dass viele institutionelle Investoren erst schwach in Aktien investiert sind und die Anleger zunehmend verinnerlichen, dass Staatsanleihen mit Blick auf die romanische Schuldenunion keine bonitäts- und inflationsgerechten Renditen bieten. An Aktien als sachkapitalistische Anlageform führt kein Weg vorbei. Diese mentale Barriere wird zunehmend abgebaut. Und für weltweite Investoren gilt der deutsche Aktienmarkt ohnehin als sicherer Hafen, zumal die Konjunkturrisiken überschaubar sind.

Warum hat der DAX das Zeug, mittelfristig sogar auf 10.000 Punkte zu steigen?

Weil die Kapitalmärkte zur Krisenverhinderung noch lange von den Notenbanken mit Liquidität geflutet werden, die Welt-Konjunktur durch die Schwellenländer sowie die künstliche geldpolitische Befruchtung nicht einbricht, die Inflation zuschlägt und die Staatsanleihenmärkte weiter nur traurige Alternativrenditen bieten, bei denen die Anleger nach Inflation auch noch draufzahlen. Es hat schon weniger Gründe für steigende Aktienmärkte gegeben.

Also sollten Anleger weiter auf Aktien setzen - aber aus welchem Bereich?

2013 dürften auch der US-amerikanische und der japanische Aktienmarkt stärker im Fokus stehen. Die allmähliche Reindustrialisierung Amerikas und die Lösung der Fiscal-Cliff-Problematik versprechen dem S&P 500 gute Aussichten. Sollte Japan mit seiner Yen-Abwertungspolitik Erfolg haben, wird der japanische Aktienmarkt zum Überraschungsmarkt 2013 werden. Auf Einzelwertebene dürften die Restrukturierungswerte aus dem Stahl- und Elektrosektor aufholen können. Technologie und Konsumwerte auch aus den USA profitieren von ihrer Innovationskraft und dem weltweit wachsenden Markenbewusstsein. Den typisch deutschen Industriewerten -  gerade auch aus dem MDAX - kommt weiter ihre starke Wettbewerbsposition zugute.

Vielen Dank für das Gespräch!

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