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Kampf der Giganten

Im Handy-Markt zeichnet sich ein packender Zweikampf zwischen Motorola und Nokia ab. Wer gewinnt und welche Handy-Aktie sollten Anleger im Depot haben?

Im Handy-Markt zeichnet sich ein packender Zweikampf zwischen Motorola und Nokia ab. Wer gewinnt und welche Handy-Aktie sollten Anleger im Depot haben?

Von Markus Horntrich

Das Geschäft mit Handys hat sich im laufenden Jahr prächtig entwickelt, sehr zur Freude von Nokia, Motorola, Samsung und Co, die teilweise rekordverdächtige Absatzzahlen vorlegen konnten. Das zweite Quartal bescherte der gesamten Branche ein Plus von 21,6 Prozent gegenüber 2004. Laut dem Marktforschungsinstitut Gartner wurden von April bis Juni insgesamt 190,5 Millionen Geräte weltweit verkauft.

Nur die Großen gewinnen

Fast zwei Drittel des Marktes sind in den Händen der drei größten Hersteller Nokia, Motorola und Samsung, wobei Nokia und Motorola ihre Marktanteile am deutlichsten steigern konnten, so dass es auf mittlere Sicht auf einen Zweikampf der beiden "Platzhirsche" hinauslaufen wird. Die "kleinen" Anbieter müssen hingegen weiter Marktanteile abgeben. Unangefochtener Marktführer ist nach wie vor Nokia. Die Finnen haben ihren Marktanteil im zurückliegenden Quartal um 2,3 Prozentpunkte auf 31,9 Prozent ausgebaut. Den zweitstärksten Zuwachs mit 2,2 Prozentpunkten auf 17,9 Prozent verzeichnete Motorola.

Nokia unter Margendruck

Nokia ist bestrebt, vor allem in den stark wachsenden Märkten in der Asien-Pazifik-Region Marktanteile zu gewinnen. Ohne Berücksichtigung von Japan und Korea erreichen die Finnen in dieser Region einen Marktanteil von 50 Prozent. Weitere Wachstumsimpulse versprechen sie sich vor allem von Billighandys, die der Konkurrenz aus Asien Paroli bieten sollen. Anders sieht dagegen die Strategie für Europa aus: Hier will man durch teure und anspruchsvolle Multimedia-Handys, die beispielsweise hochauflösende Digitalkameras und MP3-Player integriert haben, weiter wachsen. Trotzdem leidet das finnische Unternehmen unter dem starken Preiskampf der asiatischen Anbieter. Es ist daher davon auszugehen, dass im weiteren Jahresverlauf die durchschnittlichen Verkaufspreise je Mobiltelefon weiter sinken werden. Dies machte Nokia bei der Präsentation der Zahlen zum ersten Halbjahr deutlich. Mit einem Umsatz von 15,4 Milliarden Euro und einem Gewinn von 1,66 Milliarden Euro erzielte man gegenüber der Vorjahresperiode zwar einen deutlichen Zuwachs - 21 Prozent beim Umsatz, 17 Prozent beim Gewinn - allerdings war der Ergebnisausblick aufgrund rückläufiger Margen eher verhalten. Für das Gesamtjahr erwartet der aktionär einen Umsatz von 32,8 Milliarden und einen Gewinn von 3,28 Milliarden Euro.

Motorola - es lebe billig

Beim US-amerikanischen Konkurrenten Motorola hat sich das Management die Preispolitik der asiatischen Konkurrenz zum Vorbild genommen. Mit einer ähnlich aggressiven Billigstrategie wollen die US-Amerikaner gegenüber dem finnischen Marktführer Boden gut machen. Und es ist ihnen teilweise bereits gelungen: im Vergleich zum Vorjahr hat Motorola zu Nokia um einige Prozentpunkte aufgeschlossen. Für neue Impulse könnte die seit einigen Monaten laufende Zusammenarbeit mit Apple sorgen. US-Presseberichten zufolge stehe Motorola kurz davor, ein IPod-Handy auf den Markt zu bringen, nachdem für den 7. September eine geheimnisvolle gemeinsame Pressekonferenz anberaumt wurde. Ein derartiges Handy könnte sich ähnlich wie der Apple-IPod zu einem echten Verkaufsschlager entwickeln und Motorola einen deutlichen Marktanteilsgewinn verschaffen. Das Zahlenwerk von Motorola offenbart ähnliche Schwächen wie das von Nokia. Zwar konnten die Umsätze im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar deutlich ausgeweitet werden und auch der Gewinn kletterte auf 1,62 Milliarden Dollar. Die operativen Margen stehen jedoch auch bei den US-Amerikanern unter Druck. Motorola hat im Gegensatz zu Nokia eine deutlich niedrigere Umsatzrendite von 7,7 Prozent, wenn man von einer Umsatzerwartung von 29,1 Milliarden Euro und einem Gewinn von 2,25 Milliarden Euro für 2005 ausgeht.

Wer gewinnt?

Sämtlichen Handy-Herstellern dürfte es in den nächsten Monaten schwer fallen, die Margen zu steigern. Die zunehmende Konzentration der Marktanteile auf zwei beziehungsweise drei Anbieter lässt mittelfristig jedoch wieder steigende Gewinnmargen erwarten. Für den Preiskampf ist Nokia im Vergleich zu Motorola besser gerüstet. Das Unternehmen verfügt über die bessere Kapitalstruktur und arbeitet mit einer Umsatzrendite von zehn Prozent profitabler als Motorola. Das größere Kurspotenzial hat Nokia, das mit einem 2006er-KGV von 16 günstiger bewertet ist als Motorola (KGV 20). Für eine Spekulation auf Nokia bietet sich ein Derivat mit Risikopuffer an, wie etwa das obenstehende Bonuszertifikat.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR 37/05

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