Deutsche Bank
- Thomas Bergmann - Redakteur

Entscheidung historischen Ausmaßes: John Cryan streicht Deutsche-Bank-Aktionären die Dividende

Seit den 1950er-Jahren hat die Deutsche Bank ihren Aktionären jedes Jahr eine Dividende bezahlt. Damit ist jetzt Schluss. Der neue Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, streicht auf dem Weg zur Sanierung von Deutschlands größter Bank den Aktionären die Dividende. Erst für das Geschäftsjahr 2017 erwarte der Vorstand wieder eine "wettbewerbsfähige" Ausschüttungsquote vorschlagen zu können. Alle Einzelheiten zum Restrukturierungsplan werden am heutigen Donnerstag bekannt gegeben.

Die Ziele bis 2018

Neben der Dividendenstreichung hat die Deutsche Bank am späten Mittwochabend die Finanzziele für die nächsten Jahre abgesteckt. Demnach sollen die Kosten bis 2018 um gut 3,5 Milliarden Euro sinken. Das  Verhältnis der Kosten zum Ertrag soll 2018 auf rund 70 Prozent und 2020 auf rund 65 Prozent reduziert werden, nachdem es 2014 noch bei 86,7 Prozent lag. Man muss kein Prophet sein, um den Abbau von Stellen vorherzusagen.

Von 2018 ab will die Bank dann eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent erwirtschaften, 2014 waren es gerade 3,1 Prozent. Die harte Kernkapitalquote, die das Eigenkapital ins Verhältnis zu den Risikopositionen setzt, soll künftig bei 12,5 Prozent liegen. Davon war die Bank Ende Juni mit 11,4 Prozent nicht weit entfernt. Dafür hatte sie sich in den vergangenen beiden Jahren auch rund zwölf Milliarden Euro durch Kapitalerhöhungen besorgt.

Die Verschuldungsquote (Leverage Ratio), die das Eigenkapital ins Verhältnis zur gesamten  Bilanzsumme setzt, will die Deutsche Bank von aktuell 3,6 Prozent auf 4,5 Prozent im Jahr 2018 verbessern, zwei Jahre später ist ein Wert von 5,0 Prozent geplant. Experten rechnen damit, dass die Bank ihre Bilanz kräftig ausdünnen - also auf zahlreiche Geschäfte verzichten - wird, um dieses Ziel zu erreichen.

KE vom Tisch

Noch müssen sich die Aktionäre gedulden, wie die Strategie 2020 im Detail aussieht, doch ist das Wichtigste geklärt: Es wird keine Kapitalerhöhung geben. Dass die Aktionäre im Gegenzug zwei Jahre lang auf eine Dividende verzichten müssen, ist bitter, aber angesichts der bevorstehenden Aufräumarbeiten durchaus verständlich. Die Kursreaktionen im außerbörslichen Handel zeigen auch, dass der Markt John Cryan vertraut, das Ruder herumzureißen. Spekulativ orientierte Anleger bleiben am Ball.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Back to the roots

Deutsche-Bank-CEO John Cryan lässt beim Umbau des Unternehmens keinen Stein auf dem anderen. Doch genau das könnte sich auszahlen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Bank mit der neu gegründeten Kapitalmarktsparte Global Capital Management Großkonzerne vom Börsengang bis hin zu … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank bald günstigster DAX-Wert?

Bei der Deutschen Bank läuft es derzeit einfach. Letzte Woche konnte mit der Einigung um die Manipulation des Referenzzinssatzes Euribor ein weiterer Rechtsstreit beigelegt werden. Die Bank bietet mit der neuen Kapitalmarktsparte für Unternehmen zudem nun eine Betreuung aus einem Guss an. Und wenn … mehr
| Nikolas Kessler | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Euribor-Streit beendet

Die Deutsche Bank kann eine weitere juristische Baustelle schließen: Im Rechtsstreit um die Manipulation des Referenzzinssatzes Euribor wurde mit den US-Behörden am Montagabend eine vorläufige Einigung erzielt. Im freundlichen Gesamtmarkt kann die Aktie am Dienstag daraufhin moderat zulegen. mehr