- Alfred Maydorn - Redakteur

JinkoSolar: KGV 4 – und warum steigt die Aktie nicht?

Ein KGV von 4, starke Zahlen, beste Perspektiven und ein rasant wachsendes Solarpark-Portfolio – und trotzdem will die Aktie nicht steigen. Was läuft falsch bei JinkoSolar? An der Börse ist es nicht anders als im Supermarkt. Bei extremen Sonderangeboten zu absoluten Tiefstpreisen kommt schnell die Frage auf, ob mit dem Produkt auch wirklich alles in Ordnung ist oder es sich vielleicht um die zweite Wahl oder Ware mit kleinen Fehlern handelt. Insbesondere beim Kauf von Aktien sollten Anleger so wenig Fehler wie möglich machen. 

Zurück zum Thema: War es ein Fehler, die vom Aktionär mehrfach als „günstige Aktie“ vorgestellte JinkoSolar zu kaufen? Wenn das Unternehmen so gut ist, wie beschrieben, warum steigt dann die Aktie nicht? Und vielleicht die wichtigste Frage: Besteht Hoffnung, dass sich daran etwas ändert? 

Rasantes Wachstum, rapide fallende Kosten

Um die Fragen beantworten zu können, hilft ein Blick zurück. JinkoSolar ist im Vergleich zu vielen anderen Solarkonzernen ein Späteinsteiger in die Branche. Im Jahr 2012 lag die Produktionskapazität des Unternehmens bei gerade einmal 1,2 Gigawatt. In den folgenden Jahren wurde sie kontinuierlich hochgefahren, bis sie Ende 2015 im Modulbereich 4,3 Gigawatt erreicht hatte. Bis Ende dieses Jahres ist ein weiterer Ausbau auf 6,3 Gigawatt geplant. 

Der relativ späte Einstieg ins Solargeschäft hatte zwei Vorteile: Zum einen hat JinkoSolar die Solarkrise im Jahr 2012 relativ unbeschadet überstanden, zum anderen sind die Produktionsanlagen von JinkoSolar hochmodern und entsprechend kostengünstig. Im vierten Quartal beliefen sich die Kosten pro Watt auf nur noch 0,39 Dollar – der absolute Bestwert in der gesamten Branche. 

Volle Auftragsbücher

Aufgrund der niedrigen Produktionskosten kann JinkoSolar seine Module zu attraktiven Preisen anbieten und trotzdem vergleichsweise hohe Margen erzielen. Die niedrigen Kosten bei gleichzeitig hoher Qualität haben dafür gesorgt, dass JinkoSolar für 2016 gut gefüllte Auftragsbücher hat. Für das erste Halbjahr ist der Konzern praktisch komplett ausgebucht, für das Gesamtjahr liegt die Auslastung bereits bei 60 bis 70 Prozent. 

Den von einigen Experten prognostizierten Überkapazitäten für das zweite Halbjahr 2016 sieht JinkoSolar entsprechend gelassen entgegen, zumal bis zum Jahresende eine weitere Senkung der Produktionskosten von bis zu acht Prozent angestrebt wird. Damit kann JinkoSolar den erwarteten Preisrückgang bei den Modulverkaufspreisen von etwa zehn Prozent fast vollständig auffangen. 

Zu hohe Schulden?

Gerade ist der US-Solarkonzern Sun-Edison unter seiner zu hohen Schuldenlast zusammengebrochen und hat Insolvenz anmelden müssen – es war eine der größten Pleiten in der bekanntlich sehr anfälligen Branche. Auch Jinko­Solar ist mit insgesamt rund 1,6 Milliarden Dollar verschuldet. Davon ist aber fast die Hälfte den Solarparks zuzuordnen, die mittlerweile eine Gesamtleistung von über einem Gigawatt haben und in der Bilanz mit gut einer Milliarde Dollar bewertet werden. 

Addiert man den Wert der Solarparks und die 654 Millionen Dollar an liquiden Mitteln, dann ergeben sich 1,74 Milliarden Dollar, also etwa 150 Millionen mehr als die Gesamtverschuldung von JinkoSolar. 

Skeptische Anleger

JinkoSolar hat eine solide Bilanz, ist gut gegen mögliche Überkapazitäten gerüstet und hat zuletzt wiederholt die Erwartungen der Analysten bei Umsatz und Gewinn übertroffen. Dass die Aktie dennoch nicht vorankommt, liegt vor allem an der anhaltenden Zurückhaltung vieler Investoren für die Solarbranche insgesamt und an einer besonderen Aversion gegenüber Unternehmen aus China. Zahlreiche Anleger spekulieren sogar auf fallende Kurse bei JinkoSolar. Obwohl die Zahl zuletzt zurückging, waren Ende März noch immer 3,3 Millionen Aktien von JinkoSolar leerverkauft, also in etwa jede sechste frei handelbare Aktie. 

Eine Frage der Zeit

Das 2016er-KGV von JinkoSolar liegt bei 4,4, für 2017 reduziert es sich sogar auf 3,6. Diese Bewertung ist trotz China- und Solar-Malus viel zu tief. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Aktie wieder ein normales Bewertungsniveau (KGV 8) erreicht.

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