Zapf Creation
- DER AKTIONÄR

Jetzt tanzen alle Puppen

In Rödental läuft das Leben normalerweise recht beschaulich ab. Doch seit ein paar Tagen ist es in dem Städtchen sehr unruhig, da den beiden wichtigsten Unternehmen der Stadt ein ungewisses Schicksal droht. Die Porzellan-Firma Goebel, Hersteller der weltbekannten Hummelfiguren, ist insolvent. Bei Zapf spielt sich indes eine Übernahmeschlacht ab.

Bei Zapf Creation tobt eine Übernahmeschlacht. Ein Gewinner steht jetzt schon fest: der Anleger.

In Rödental läuft das Leben normalerweise recht beschaulich ab. Doch seit ein paar Tagen ist es in dem fränkischen Städtchen sehr unruhig, da den beiden wichtigsten Unternehmen der Stadt ein ungewisses Schicksal droht. Die Porzellan-Firma Goebel, Hersteller der weltbekannten Hummelfiguren, ist insolvent. Beim Puppenbauer Zapf Creation spielt sich indes eine Übernahmeschlacht ab.

Puppenhochzeit?

Der Reihe nach: Ende Juni legte der japanische Spielzeugkonzern Namco Bandai, bekannt durch das Elektronikküken Tamagotchi, ein offizielles Kaufangebot für Zapf Creation vor. 10,50 Euro je Aktie will sich der Bandai-Konzern das Traditionsunternehmen kosten lassen. Geplant ist, mehr als 75 Prozent aller Zapf-Aktien zu übernehmen. Die Folge: Die Zapf-Aktie machte einen Freudensprung und stieg über den offerierten Kaufpreis. Die Anleger spekulierten offenbar auf ein höheres Angebot. Auch der Zapf-Aufsichtsrat hielt die Bandai-Offerte für zu niedrig und votierte gegen die Pläne der Japaner. Die Mitglieder des Kontrollgremiums rechnen damit, dass der US-Puppenhersteller MGA Entertainment ebenfalls an einer Übernahme von Zapf interessiert ist und mehr als 10,50 Euro je Aktie ausgeben will. Daher rät der Aufsichtsrat den Zapf-Aktionären, die Aktien zum von Bandai gebotenen Preis nicht zu verkaufen. MGA hatte vor wenigen Tagen überraschend bekannt gegeben, 19,4 Prozent von Zapf zu halten. Das US-Unternehmen strebt eine Partnerschaft mit den Franken an.

Was will MGA?

Auch der Zapf-Vorstand, der die Offerte für angemessen hält, rät zum Abwarten. Allerdings warnt er indirekt vor einer übertriebenen Erwartungshaltung. Es sei sogar nicht ausgeschlossen, dass der Aktienkurs unter das aktuelle Niveau fällt, sollte Bandai das Angebot zurückziehen und MGA kein Alternativangebot machen. DER AKTIONÄR hält dieses Worst-Case-Szenario allerdings für unwahrscheinlich, zumal die Japaner bereits angekündigt haben, trotz des Vetos des Aufsichtsrats am Ball zu bleiben. Aus gutem Grund, denn die vor einem Jahr begonnene Restrukturierung bei den Franken zeigt erste Erfolge. Außerdem ergäben sich bei einer Fusion wertvolle Synergien.

Die Schlacht geht weiter

Bei der Übernahmeschlacht um Zapf liegen die Parallelen zum Fall Schering auf der Hand. Offenbar versucht MGA – wie damals Merck – den Übernahmepreis zu treiben. Anlegern, die nun einsteigen, bietet sich die Chance auf ein höheres Angebot. Nach unten ist der Kurs durch die Offerte von 10,50 Euro gut abgesichert.

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Keine höheres Angebot

Langsam wird es spannend. Am 31. Juli um 12 Uhr endet die Frist, in der die Aktionäre der Zapf Creation AG das Angebot über 10,50 Euro je Aktie von NamcoBandai annehmen können. DER AKTIONÄR hatte in dieser Woche Gelegenheit, sich mit dem Europa-Chef von Bandai, Masayuki Matsuo, an einen Tisch zu setzen und ausführlich über die geplante Übernahme zu sprechen. mehr