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Jetzt kommt wieder "Zug" rein!

Verschwunden ist er nur aus den Schlagzeilen. Niemand spricht über ihn. Trotzdem ist er da. Die Rede ist von H5N1, dem Erreger, der für die Vogelgrippe verantwortlich gemacht wird. Anfang August identifizierten Forscher bei einem Trauerschwan in Dresden das Virus. Selbst jenseits des Atlantiks scheint die Tierseuche inzwischen angekommen zu sein. Amerikanische Wissenschaftler entdeckten vor kurzem in Michigan zwei infizierte Schwäne.

Die Vogelgrippe ist derzeit in der öffentlichen Wahrnehmung kein Thema. Aber bald wird sie es wieder werden. Auch auf dem Börsenparkett.

Verschwunden ist er nur aus den Schlagzeilen. Niemand spricht über ihn. Trotzdem ist er da. Die Rede ist von H5N1, dem Erreger, der für die Vogelgrippe verantwortlich gemacht wird. Anfang August identifizierten Forscher bei einem Trauerschwan in Dresden das Virus. Selbst jenseits des Atlantiks scheint die Tierseuche inzwischen angekommen zu sein. Amerikanische Wissenschaftler entdeckten vor kurzem in Michigan zwei Schwäne, die mit einer Variante des Erregers infiziert sind. Man geht allerdings davon aus, dass es sich um einen minder gefährlichen Subtypus handelt.

Wieder in den Fokus

Vor diesem Hintergrund ist es sehr wahrscheinlich, dass die Vogelgrippe in näherer Zukunft die Schlagzeilen zurückerobert. Zumal vor kurzem der Vogelzug begonnen hat und damit die Gefahr steigt, dass wieder mehr infizierte Vögel für eine globale Ausbreitung von H5N1 sorgen. Und auch die Gefahr, dass das Virus mutiert und noch häufiger als bisher von den Tieren auf den Menschen überspringt, erhöht sich damit deutlich. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 225 Infektionen beim Menschen bekannt, 128 davon endeten tödlich. Den vorerst letzten Todesfall gab es im Juli in Thailand. Spätestens, wenn die ersten neuen Fälle auftauchen, dürften auch die Unternehmen wieder in den Fokus rücken, die Tests, Medikamente oder Impfstoffe gegen die Vogelgrippe entwickeln oder verkaufen. Von der Börse wurden diese – mit Ausnahmen – in der Zwischenzeit eher stiefmütterlich behandelt. Clevere Anleger nutzen das aktuell günstige Niveau bei einigen Aktien zum Einstieg.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche und das US-Biotech-Unternehmen Gilead Sciences haben mit Tamiflu das bisher einzige Mittel, das wirksam gegen die Symptome der Vogelgrippe beim Menschen eingesetzt wird. Das Grippemedikament nutzt dabei vor allem den Schweizern. Die setzten mit Tamiflu 2005 rund 1,3 Milliarden Dollar um – eine Steigerung um über 440 Prozent gegenüber 2004. Für eine klare Kaufempfehlung reicht es bei der Roche-Aktie aktuell dennoch nicht. Nach der Rallye der letzten Monate ist das Papier auch nach einem jüngsten Rücksetzer immer noch mit dem 25-Fachen des Gewinns bewertet, der für das laufende Jahr erwartet wird. Wer bei Roche einsteigen will, sollte eine Korrektur abwarten. Kurse unter 120 Euro wären eine gute Einstiegschance. Anleger, die der Empfehlung des AKTIONÄRS gefolgt sind, dürften ohnehin auf einem ansehnlichen Gewinn von rund 57 Prozent sitzen. Ähnlich verhält es sich bei Gilead Sciences. Die Amerikaner haben Tamiflu entwickelt und verdienen am Verkauf mit. Etwa 22 Prozent vom Nettoumsatz fließen in die Kasse des Biotech-Konzerns aus Kalifornien. Auch die Aktie von Gilead hat sich 2006 sehr gut geschlagen und notiert nahe des Jahreshochs. Das KGV auf Basis der Schätzungen für das laufende Jahr beträgt 22. Trotz eines prognostizierten Gewinnwachstums von 20 Prozent von diesem aufs kommende Jahr, scheint es auch hier ratsam, vor einem möglichen Einstieg einen Rücksetzer abzuwarten.

Besser als Tamiflu?

Ein direkter Einstieg bietet sich derzeit bei Biocryst an. Die Aktie des USUnternehmens hat seit Anfang des Jahres mehr als die Hälfte ihres Werte verloren. Ein Ausverkauf, der den meisten Analysten unverständlich ist. Schließlich verlaufen die Entwicklungsprojekte von Biocryst nach Plan. Zum einen die Entwicklung eines möglichen Präparates zur Behandlung verschiedener Arten von Blutkrebs, das sich derzeit bereits in der zweiten Phase klinischer Tests befindet. Zum anderen aber auch die Entwicklung von Peravimir, eines potenziellen Grippemittels, mit dem Biocryst Roche Konkurrenz machen will. In den bisherigen Studien der ersten klinischen Phase deutete der experimentelle Wirkstoff an, dass er die Grippesymptome eventuell besser bekämpfen kann als Tamiflu. Auch eine Wirksamkeit gegen das H5N1-Virus sei in den Tests nachgewiesen worden. Noch bis Ende des Jahres wird mit weiteren Daten gerechnet. Dann sollen auch die Phase- II-Tests starten. Fallen die Daten positiv aus, dürfte dies der Aktie gut tun. Die Analysten von ThinkEquitiy geben für das Papier ein Kursziel von 21 Dollar aus – ein Potenzial von über 100 Prozent.

Bei einem neuerlichen Ausbruch der Vogelgrippe und einem Übergreifen auf den Menschen dürften auch Hemispherx und Sinovac wieder ins Spiel kommen. Hemispherx hat mit Ampligen ein Mittel entwickelt, das eigentlich zur Behandlung chronischer Müdigkeitszustände eingesetzt wird. Das Präparat hat jedoch eine für Hemispherx äußerst attraktive Nebenwirkung: Es verstärkt die Wirkung von Roches Tamiflu. An einem echten Impfstoff gegen H5N1 arbeitet hingegen die chinesische Firma Sinovac. Der Wettlauf um den ersten Impfstoff überhaupt ist für Sinovac nicht nur von kommerziellem Interesse, sondern für die Chinesen geradezu eine nationale Angelegenheit. So unterstützt die chinesische Regierung das Projekt nicht nur finanziell, sondern stellte auch eine unbürokratische Handhabe bei der Zulassung in Aussicht. Bis es soweit ist, dürfte jedoch noch einiges Wasser den Jangtse hinunterfließen. Ende August hat Sinovac gemeldet, dass der Impfstoff in der ersten von drei klinischen Testphasen in verschiedenen Dosierungen gut vertragen wurde.

Die Favoriten der Saison

Der Erreger ist noch da und auch die Vogelgrippe wird wieder ein Thema werden. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Nicht ganz so sicher, aber sehr wahrscheinlich, ist, dass dann auch die Kurse der „Vogelgrippe- Aktien“ wieder steigen. Anleger sollten sich rechtzeitig positionieren. Die Favoriten des aktionärs für die kommende Saison sind Biocryst, Hemispherx und Sinovac. Diese Papiere eignen sich jedoch ausschließlich für sehr risikobereite Anleger.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 39/2006.

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