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- DER AKTIONÄR

Jede Menge Kohle

Die Welt platzt aus allen Nähten. Derzeit leben 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde, im Jahr 2050 sollen es bereits 9,2 Milliarden sein. Mit der Bevölkerungsexplosion steigt auch der Energieverbrauch rapide. Erneuerbare Energien können die hohe Nachfrage noch nicht bedienen, Öl- und Gas sind teuer und werden immer knapper, Atomstrom ist in vielen Ländern umstritten bis unerwünscht.

Bei Klimaschützern verhasst, trotzdem unverzichtbar. Der „Schmuddel-Rohstoff“ wird neu entdeckt. Auch an der Börse.

Die Welt platzt aus allen Nähten. Derzeit leben 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde, im Jahr 2050 sollen es bereits 9,2 Milliarden sein. Mit der Bevölkerungsexplosion steigt auch der Energieverbrauch rapide. Erneuerbare Energien können die hohe Nachfrage noch nicht bedienen, Öl- und Gas sind teuer und werden immer knapper, Atomstrom ist in vielen Ländern umstritten bis unerwünscht. Was tun? Wer kann die Energielücke in der Übergangszeit zum Ökostrom-Zeitalter füllen? Die Lösung könnte Kohle heißen. Einer der ältesten Energieträger seit Menschengedenken legt langsam sein Schmuddel-Image ab und wird zum Hoffnungsträger.

Preisanstieg sehr wahrscheinlich

Vor allem China benötigt Unmengen Kohle. Das Land, das 1,3 Milliarden Einwohner zählt, gewinnt 78 Prozent seiner Elektrizität aus dem Rohstoff. Der Verbrauch klettert jährlich um 13 Prozent. Bislang war China bei der Kohleförderung immer autark. „Diese Unabhängigkeit ist nun gefährdet, da die Regierung viele unsichere und illegale Minen schließt“, sagt Si Posen, Analyst beim Chinesischen Kohle-Informationsdienst. Die Folge: In Zukunft wird das Land mehr Kohle importieren müssen. „Der Kohlesektor in China hat sich gewandelt“, sagt Mark Mobius, Star-Fondsmanager bei Franklin Templeton. Mobius und etliche Experten erwarten, dass der Kohlepreis in den kommendenden Jahren deutlich anzieht – von zuletzt rund 58 auf 78 Dollar pro Tonne im Jahr 2012.

Kohle könnte sich darüber hinaus zu einer ernsthaften Alternative zu Öl und Gas entwickeln – und zwar in flüssiger Form (Coal-to-Liquids, CTL). Umweltschützer kritisieren zwar, dass das Verfahren die Umwelt stark belaste. Doch dieses Argument lassen die Befürworter, unter anderem US-Präsident George W. Bush und Barack Obama, der eventuell 2008 sein Nachfolger wird, nicht länger gelten: In Amerika arbeiten Wissenschaftler bereits an einer Methode, mit der das bei der Kohleverflüssigung in großen Mengen anfallende CO2 eingefangen und gelagert werden kann. Bis zur Serienreife wird es zwar noch etwas dauern, allerdings sind die Forscher auf einem guten Weg. Neben den USA setzen auch die Chinesen große Hoffnung in die Kohleverflüssigung. Im Laufe des Jahres will die Shenhua Group die erste CTL-Anlage in Betrieb nehmen. Laut dem Fachblatt Technology Review will China ab dem Jahr 2020 in acht Fabriken über 30 Millionen Tonnen synthetischen Treibstoff herstellen.

Deutlich mehr

Shenhua Group ist die Muttergesellschaft der börsennotierten China Shenhua Energy, Chinas größtem Kohleproduzenten. Wegen des immensen Energieverbrauchs musste China Shenhua Energy seine Produktion zuletzt deutlich hochfahren – im Mai um 18,4 Prozent auf 13,5 Millionen Tonnen. Nun will Shenhua die internationale Expansion vorantreiben: Aktuell verhandelt die Gesellschaft über den Kauf von Kohleminen in Indonesien und Australien. In Anbetracht der starken Marktstellung und des zu erwartenden hohen Wachstums ist die Shenhua-Aktie mit einem 2008er-KGV von 18 moderat bewertet.

Die derzeit weltgrößte Kohleverflüssigungs- Anlage steht in der Provinz Mpumalanga im Nordosten Südafrikas. Betrieben wird sie vom südafrikanischen Energie- und Chemiekonzern Sasol, der weltweiten Nummer 1 bei CTL. Das Unternehmen will seine Technologie nun auch außerhalb Südafrikas etablieren, konkrete Pläne hierfür gibt es derzeit in den USA und in Indien. In China will Sasol aller Voraussicht nach noch im laufenden Jahr zwei Kohleverflüssigungs- Anlagen bauen. Um die Technologie noch effizienter zu machen, arbeiten die Südafrikaner momentan mit der holländischen Gesellschaft Avantium zusammen. Auf Basis des für 2008 erwarteten Gewinns ergibt sich für die Sasol-Aktie ein niedriges KGV von 10.

Vom Kohleboom dürfte auch Peabody Energy profitieren. Das Unternehmen ist mit einem erwarteten 2008er-Umsatz von 7,4 Milliarden Dollar und Kohlereserven von knapp zehn Milliarden Tonnen der größte Kohleproduzent in den USA. Rund zehn Prozent der in Amerika verwendeten Kohle stammt von Peabody. Vor Kurzem kündigte der Konzern an, sein Engagement in China auszubauen. Auch die Produktion in Australien soll im nächsten Jahr deutlich hochgefahren werden. Auch die Peabody-Aktie ist vernünftig bewertet: Das KGV für 2008 beträgt 15 – bei einem prognostiziertem Gewinnwachstum von 40 Prozent.

Drei Gewinner

Auch wenn Umweltschützer es nicht gerne hören: Kohle kommt wieder in Mode. Wegen CTL als Treibstoffalternative zum Öl und aufgrund des 2008erweltweit immens hohen Energiebedarfs dürfte der Preis für Kohle noch deutlich zulegen. Die vorgestellten Unternehmen zählen zu den großen Gewinnern dieses Trends und die niedrige Bewertung der Aktien lässt noch reichlich Spielraum nach oben. Wer in Shenhua investiert, nimmt allerdings ein größeres Risiko in Kauf als bei Sasol und Peabody.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 27/2007.

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