- DER AKTIONÄR

Italien - Deutschland 5:1

Der Deal ist (fast) in trockenen Tüchern: Die italienische Unicredito übernimmt die HypoVereinsbank (HVB) für 15,4 Milliarden Euro und besiegelt somit die größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa.

Der Deal ist (fast) in trockenenen Tüchern: Die italienische Unicredito übernimmt die HypoVereinsbank (HVB) für 15,4 Milliarden Euro und besiegelt somit die größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa.

Von Steffen Eidam

Nachdem die entscheidenden Gremien der beiden Fusionspartner der Übernahme per Aktientausch bereits zugestimmt haben, dürfte das "JA" der HVB-Aktionäre nur noch Formsache sein. Durch die Fusion, die bis zum Oktober abgeschlossen sein soll, erhöht sich der Börsenwert auf 41 Milliarden Euro, somit steigen die Italiener europaweit zum zehntgrößten Institut auf. Der Kaufpreis von 15,4 Milliarden Euro wird über einen Aktientausch im Verhältnis von 5:1 (je HVB-Aktie erhält der Anleger fünf Unicredito-Papiere) abgewickelt.

Hohe Synergieeffekte, hohe Kosten

"Das ist ein bedeutender Tag für HVB und Unicredito" sagte HVB-Chef Dieter Rampl nach einer achtstündigen Sitzung gestern in München. "Wir verschaffen unseren Aktionären, Kunden und Mitarbeitern Wachstumsperspektiven, die wir alleine nie hätten entwickeln können", so Rampl weiterhin, denn beide Partner seien "Vorreiter bei der europäischen Bankenkonsolidierung". Unicredito-Chef Alessandro Profumo sagte in Mailand: "Unicredit und HVB werden gemeinsam eine kraftvolle Bank sein. Wir werden durch Bündelung unserer Kräfte die erste wahre europäische Bank sein." Profumo schielt dabei vor allem auf Osteuropa, denn mit dem Kauf des starken Osteuropa-Geschäfts der HVB steigt man zur überragenden Bank in diesem Sektor auf und überflügelt auch die Erste Bank, die bis dato die Marktführerschaft inne hat. Bis zum Jahr 2008 versprechen sich die Manager Synergieeffekte in Höhe von 745 Millionen Euro nach Steuern, wovon bereits im laufenden Jahr 25 Millionen Euro wirksam werden sollen. Für 2006 strebt das fusionierte Institut Synergien von 295 und im Jahr darauf von 580 Millionen Euro nach Steuern an. Zugleich hat die neue Bank, die unter dem Namen "Unicredit" firmiert, Restrukturierungskosten in Höhe von 1,35 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Diese sollen noch im laufenden Jahr verbucht werden.

Fusion kostet Arbeitsplätze

Wie nicht anders zu erwarten, will die neu entstehende Bankengruppe die Belegschaft in den kommenden drei Jahren um rund sieben Prozent reduzieren. Gegenüber dem italienischen Blatt "La Republica" äußerte Profumo, dass die zur Disposition stehenden rund 9000 Stellen nicht über Nacht gestrichen werden, sondern ein sukzessiver Abbau angestrebt wird. In Deutschland sollen etwa 2000 Arbeitsplätze wegfallen, zusätzlich zu den bereits angekündigten 2400 der 26.000 Inlandsstellen. Der weitaus größere Rest wird in Osteuropa gestrichen, denn dort überschneiden sich die Aktivitäten beider Banken am stärksten. In Italien selbst werde der Deal kaum Auswirkungen auf die Arbeitsplätze haben.

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