- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Investment Punk: "Einfacher Erfolg? Blödsinn!"

Harvard-Absolvent Gerald Hörhan ist mit dem Jonglieren von Millionen reich geworden. Aufgrund seiner provokanten Thesen ist der Investment Punk auch in Deutschland Gesprächsthema. Der AKTIONÄR sprach mit dem Investmentprofi.

Was macht der Punker an diesem 150.000-Euro-Auto? Scheiben putzen, Felgen klauen, Scheiben einschlagen? Nichts davon. Im Gegenteil, das Luxusauto gehört ihm selbst. Es ist Harvard-Absolvent Gerald Hörhan, der mit dem Jonglieren von Millionen reich geworden ist und nur in seiner Freizeit in die Punker-Kluft schlüpft. Das wird spätestens auf der ersten Seite seines Buches "Investment Punk" klar, wenn er schreibt: "Ich tue all die Dinge, von denen die meisten von euch nicht einmal zugeben, dass sie von ihnen träumen. Ich wohne an den feinsten Adressen von Frankfurt und Wien, besitze Luxusautos mit insgesamt mehr als tausend PS, esse in den besten Restaurants, tanze in den angesagtesten Clubs und treffe die schönsten Frauen der Welt. Ich bin 34 Jahre alt und gehöre zu den Leuten, die ihr Finanzjongleure nennt."

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Aufgrund seiner provokanten Thesen ("Ein Eigenheim auf Pump, ein Leasingauto: Wer in diesem Hamsterrad strampelt, der wird immer nur abgezockt") ist der Österreicher auch in Deutschland Gesprächsthema - vor wenigen Tagen war er Gast in der ARD-Sendung "Anne Will". Der AKTIONÄR hat den Investmentprofi getroffen.

DER AKTIONÄR: Herr Hörhan, nach der Finanzkrise haben einige zu Investmentbankern wie Ihnen nicht viel mehr Vertrauen als zu einem Punker von der Straße. Zu Recht?

GERALD HÖRHAN: Die Finanzkrise ist nicht primär durch Investmentbanker ausgelöst worden, sondern dadurch, dass die Mittelschicht in den USA und Großbritannien dauerhaft mehr ausgegeben hat, als sie hatten und Schuldenpyramiden aufgebaut haben.

Waren wirklich nur Konsumenten an der Miesere schuld?

Nein, sicherlich nicht. Fehler wurden an vielen Stellen begangen. So haben etwa US-Ratingagenturen gesagt, ein schlechter Kredit ist Mist, aber 1.000 solcher Kredite auf einem Haufen ist eine AAA-Anleihe. Ob das Betrug war oder nur ein großer Denkfehler, sei dahingestellt.

Ist das Schlimmste der Krise nun überstanden?

Das Schuldenproblem besteht weiterhin. Das kann nur durch eine Inflation gelöst werden. Daher rate ich, nicht auf vermeintlich sichere Garantieprodukte mit langer Laufzeit zu setzen. Denn wenn eine schnelle Geldentwertung kommt, muss auch das Kapital hoch verzinst werden.

Wovor warnen Sie Privatinvestoren derzeit noch?

Gerade bei Dachfonds oder hochkomplexen Finanzderivaten, wo Gebührenpyramiden entstehen, stellt sich die Frage, ob diese für Anleger noch sinnvoll sind. Viele Produkte, die verkauft werden, sind derart komplex, dass sie für normale Marktteilnehmer absolut ungeeignet sind. Man sollte nur dort investieren, wo man alle Details wirklich versteht.

Was ist die Alternative zu solchen Finanzprodukten?

Anleger sollten auf direkte Vermögenswerte wie Immobilien, Aktien oder Rohstoffe setzen. Ich empfehle Anlegern, Aktien etwa direkt über die Börse und nicht verpackt in untransparente Produkte zu kaufen.

Wo sehen Sie aus Ihrer langjährigen Erfahrung als Investmentprofi die Risiken an der Börse?

Aktionäre werden meist nach dem gleichen Schema abgezockt: Wenn die Zeiten gut sind und die Aktien schon teuer sind, wird zum Kauf geraten. In schlechten Zeiten, wenn alle Werte schon am Boden liegen, wird hingegen empfohlen, in Sicherheit zu investieren. Mein Tipp ist daher: Unbedingt antizyklisch handeln.

Was sollten Börsenneulinge aus Ihrer Sicht noch beachten?

Ich rate Anlegern, sich gut mit dem Investment zu beschäftigen und sich zu informieren. Vorbereitung ist essenziell. Viele glauben, man kann ohne Ausbildung oder Know-how an der Börse erfolgreich sein. Doch wenn man Auto fahren will, muss man in die Fahrschule, wenn man gut Golf spielen will, muss man einen Golfkurs besuchen. Viele glauben, Erfolg an der Börse geht ohne Anstrengung. Das ist Blödsinn.

Wie kann eine gute Vorbereitung konkret aussehen?

Sehr wichtig ist, ein System aufzubauen. Das kann ein System aus fundamentalen Faktoren wie KGV,  Dividendenrendite, Bilanzkennzahlen oder charttechnischen Indikatoren sein. Danach sollte man dann sehr diszipliniert handeln - egal was die Medien sagen, was der Bankberater rät oder was die Freundin einflüstert.

Was ist der Vorteil dieser Taktik?

Nur ein emotionsloses System mit im Vorfeld definierten Vorgaben schafft es, Gier und Angst auszuklammern. Denn dies sind die größten Feinde des Erfolges.

Neben Immobilien setzen Sie erfolgreich auf Wertpapiere. Welche Aktien favorisieren Sie dabei?

Ich kaufe mir fundamental attraktive Aktien, die eine Dividendenrendite von mindestens fünf Prozent haben. Auch sollte der Buchwert höher als ihr Marktwert an der Börse sein. Ich investiere Monat für Monat die gleiche Summe. Sind die Kurse oben, kaufe ich weniger Aktien, sind sie im Keller, kaufe ich mehr.

Was war eigentlich die Motivation, ein Buch zu schreiben?

Ich habe gesehen, wie viele meiner Freunde und Studenten (Hörhan unterrichtet an einer Wiener Uni) nicht das Ziel wirtschaftlicher Erfolg und Spaß vor Augen haben, sondern nur möglichst gut den Vorgaben des Systems entsprechen wollen und im Hamsterrad der ökonomischen Abhängigkeit laufen. Dabei ist es nicht so schwer, einen anderen Weg zu gehen. Man muss nur gegen die ökonomischen Konventionen des Mittelstands rebellieren.

Apropos Nonkonformität. Gehört das Einschlagen untypischer Wege auch zu Ihrem Arbeitsalltag?

Natürlich. Ein kleines Beispiel: Einmal hatte ich die Aufgabe, eine Firma zu restrukturieren. Dabei habe ich in der Firmenbilanz Positionen wie ein "Wasserbett" und eine "Küche" gefunden. Natürlich hat mich interessiert, wo diese stehen. Als ich das herausgefunden hatte, habe einen LKW samt Möbelpacker gemietet und bin abends in die Villa eines der Ex-Vorstände gefahren, habe unter großem Geschrei die Sachen einpacken lassen und alles in die Firma zurückgebracht.

Vielen Dank für das Interview.

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