- DER AKTIONÄR

Investieren wie Mr. Holmes

DER AKTIONÄR im Gespräch mit Swen Lorenz, Berater des Aktienfonds UP Centurion. Der Experte erklärt, wie man mit detektivischem Gespür 20 Prozent Rendite jährlich erzielen kann.

DER AKTIONÄR im Gespräch mit Swen Lorenz, Berater des Aktienfonds UP Centurion. Der Experte erklärt, wie man mit detektivischem Gespür 20 Prozent Rendite jährlich erzielen kann.

Es gibt zwar schon über 5.000 Fonds in Deutschland, ein Fonds wie der neue UP Centurion (ISIN: LU0207088757) war bislang aber noch nicht dabei. der aktionär sprach mit Fondsberater Swen Lorenz über die Besonderheiten des Fonds.

DER AKTIONÄR: Herr Lorenz, Sie sind erst 30 Jahre alt, blicken aber schon auf eine über zehnjährige Karriere als Börsenjournalist zurück. Wie das?

Swen Lorenz: Es begann 1992, als ich auf einer Hauptversammlung der IG Farben Fragen an den Vorstand stellte. Ein anwesender Redakteur der Frankfurter Börsenbriefe wurde auf mich aufmerksam und bot mir an, für die Börsenbriefe zu schreiben. Ich arbeitete fortan neben der Schule als Finanzjournalist. Mitte der 90er-Jahre gründete ich dann mit dem Hanseatischen Börsenbrief meine erste eigene Publikation. Seit 1999 lebe ich in London und habe auch dort für verschiedene internationale Finanzbriefe geschrieben.

Und jetzt beraten Sie den UP Centurion. Haben Anleger unter den mehr als 5.000 Fonds am Markt nicht schon genug Auswahl?

Es gibt keinen vergleichbaren Fonds. Der UP Centurion ist spezialisiert auf Aktien aus der zweiten und dritten Reihe, mit denen sich andere Analysten und Fondsmanager nicht befassen. Wenn man in diesem Bereich tiefe Recherchen anstellt, entdeckt man Chancen vor der breiten Masse.

Diese Arbeit machen aber doch alle Manager von Nebenwertefonds. Spüren Sie tatsächlich Aktien auf, die andere noch nicht im Portfolio haben?

Ja, es wundert mich selbst, aber viele Informationen werden einfach nicht genutzt. Oft kündigen sich beispielsweise in lokalen Zeitungen kursbewegende Entwicklungen an, die Marktteilnehmer erst wahrnehmen, wenn sie in den großen Wirtschaftsmagazinen stehen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Bains Mer Monaco ist so ein Fall. Das Unternehmen besitzt sämtliche Konzessionen für Spielcasinos in dem Stadtstaat. In der lokalen Presse wurde schon vor über einem Jahr spekuliert und debattiert, dass vor Monacos Küste eine künstliche Insel inklusive Spielcasino entstehen soll. Das daraus resultierende Kurspotenzial für Bains Mer Monaco haben die Marktteilnehmer erst im vergangenen halben Jahr realisiert.

Wieso finden Sie solche Storys zuerst? Was machen Sie besser als andere Stockpicker?

Zunächst habe ich mich einfach auf derartige besondere Fälle spezialisiert. Rund die Hälfte des Jahres verbringe ich auf Reisen um den Globus auf der Suche nach neuen Investmentideen. Daneben habe ich Zugang zu etlichen Presse-Datenbanken weltweit. Darin finden sich viele Zeitungen, die nicht über Internet zugänglich sind. Wenn ich auf ein spannendes Thema stoße, verbringe ich ganze Tage und Nächte mit der Recherche eines einzelnen Unternehmens. Generell liegt es mir, Trends aufzuspüren. Ich sage immer, man muss auf Seite 16 der Tageszeitung die Meldungen finden, die es auf Seite 1 schaffen können.

Was könnte sich demnächst von Seite 16 auf Seite 1 bewegen?

Etwa die russische Konsumlandschaft. Hierzulande liest man ja hauptsächlich über Energiewerte aus Russland. Kaum jemand registriert, dass russische Haushalte kaum verschuldet sind, weil es eine private Kreditwirtschaft lange Zeit nicht gab. Nun können die Bürger aber Kredite aufnehmen. Noch dazu steigen die Einkommen rapide und die Menschen leisten sich mehr. Es gibt zwar bislang kaum börsennotierte Konsumaktien, aber eine IPO-Welle rollt gerade an. Außerdem kaufen sich Unternehmer aus Russland bei europäischen Markenherstellern ein, um ihre Landsleute zu versorgen. Ein Beispiel ist der deutsche Nebenwert Dr. Scheller.

Welche Renditen soll Ihre Strategie den Anlegern des UP Centurion einbringen?

Circa 20 Prozent jährlich bei einer relativ niedrigen Volatilität halte ich für realistisch.

Müssen Anleger höhere Risiken eingehen, weil Sie in exotische Unternehmen investieren?

Ganz und gar nicht. Ich sehe mich als Value Investor, der besonders auf den Einkaufspreis achtet. Der Vorteil an den unentdeckten Storys ist gerade, dass die Aktien der Unternehmen sehr günstig bewertet sind, weil das Geschäftspotenzial nicht erkannt wird.

Aus dem Portfolio

"Auf Société du Louvre bin ich durch Zufall gestoßen, als ich einen französischen Aktienführer durchstöberte", sagt Swen Lorenz. "Dort stand, dass zur Gruppe unter anderem das Luxushotel de Crillon in bester Lage von Paris gehört." Lorenz' Interesse war geweckt. Er forschte nach und stieß auf den Großaktionär Taittinger, die berühmte Champagner-Dynastie. "Lange Zeit kümmerte man sich bei Taittinger nicht sonderlich um die Geschicke der Société du Louvre", sagt Lorenz. "Erst nachdem der Unternehmensaufkäufer Guy Wyser-Pratte den Konzern attackierte, wurde der Großaktionär wach." Das Management wurde neu besetzt und der Konzern straffer geführt, der Kurs steigt seit Dezember rapide an.

"Das ist aber noch lange nicht alles", so Lorenz. "Einerseits steckt Fantasie in den wertvollen Immobilien des Unternehmens. Neue Bilanzierungsregeln verpflichten Aktiengesellschaften die aktuellen Verkehrswerte ihrer Immobilien in die Bilanz einzustellen. Wenn die Daten publik werden, dürften vielen Investoren staunen. Außerdem ist es gut möglich, dass Taittinger versucht, Société du Louvre durch ein Übernahmeangebot von der Börse zu nehmen."

 

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