- DER AKTIONÄR

Investieren mit Autopilot

Bequem und ohne Stress zur ersten Million - wer wünscht sich das nicht? Dr. Paul Farrell will seinen Lesern zeigen, wie das funktioniert. DER AKTIONÄR hat mit Dr. Farrell gesprochen.

Bequem und ohne Stress zur ersten Million? Wer wünscht sich das nicht? Dr. Paul Farrell will seinen Lesern zeigen, wie das funktioniert.

In seinem US-Bestseller "The Lazy Person's guide to investing" stellt Dr. Paul B. Farrell seinen Lesern verschiedene Anlagestrategien vor, die alle eines gemeinsam haben: Sie funktionieren mit einem minimalen Aufwand an Zeit, Energie und Nerven. Dennoch fahren Anleger damit in den meisten Fällen deutlich besser als der Gesamtmarkt. Im Gespräch mit dem aktionär erklärt Dr. Farrel, was er unter "bequem anlegen" versteht.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Farrell, würden Sie sich unseren Lesern bitte kurz vorstellen?

Dr. Paul B. Farrell: Ich habe in den siebziger Jahren angefangen an der Wall Street für die Investmentbank Morgan Stanley zu arbeiten. Ich trug dreiteilige Anzüge, arbeitete an Hundert-Millionen-Dollar-Abschlüssen und dachte, ich hätte es geschafft. Dann geschah etwas Seltsames. Ein Freund nahm mich in einen Workshop von Joseph Campbell zum Thema "Mythische Meditation" mit. Campbells Welt hatte nichts mit der Wall Street zu tun. Sie bestand aus einem komplizierten Geflecht von Psychologie, Taoismus, Zen, Sufismus, christlichem Mystizismus und vielem mehr.

Der Kontakt mit Campbell verlieh meinem Leben eine vollkommen neue Wendung. Er ermutigte mich, nach dem Grundsatz zu leben: "Follow your bliss - folge deinem wahren Glück". Ich verließ die Wall Street und ging nach Hollywood. Dieses Abenteuer führte zu diversen aufregenden Begebenheiten - darunter einer Anstellung als geschäftsführender Vizepräsident einer Filmproduktionsfirma, einem Job als Kabelfernsehmanager und meiner Zeit als Mitherausgeber einer Zeitung. Parallel dazu erwarb ich meinen Doktor in Psychologie. Im Jahr 1998 begann ich bei CBS MarketWatch über Investmentfonds zu schreiben. Seit damals verfasse ich regelmäßig Kolumnen über Investment und privaten Vermögensaufbau. Ich schreibe über die Psychologie, Ethik und Spiritualität des Geldes, aber auch über das A und O des Reichwerdens.

Zum Thema "Reichwerden" haben Sie vor kurzem ein Buch mit dem Titel "The Lazy Person's guide to investing" geschrieben. Was muss sich der Leser darunter vorstellen?

In diesem Ratgeber möchte ich zeigen, wie Sie aus eigener Kraft und ohne großen Aufwand langfristig Reichtum aufbauen können. Ich stelle darin verschiedene Portfolios vor - manche davon mit so abenteuerlichen Namen wie "Couch Potato", "No-Brainer" oder "Coffeehouse" -, die durch gute Performance überzeugen, ohne einem den Schlaf zu rauben. Die meisten Menschen denken, das A und O erfolgreicher Geldanlage sei, den richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt bei irgendwelchen Aktien zu finden. Das ist Stress pur und in den meisten Fällen nicht von Erfolg gekrönt. Ich möchte demonstrieren, wie man ein siebenstelliges Depot aufbauen kann, ohne sich ständig mit irgendwelchen Studien herumschlagen zu müssen oder nachts von Albträumen geplagt zu werden.

Demnach halten Sie nichts von aktivem Trading...

Genau. Market-Timing macht aus meiner Sicht für die meisten Anleger keinen Sinn. Die meisten Leute brauchen ein Portfolio, das schlicht und einfach funktioniert, und für dessen Management sie keinen Doktor machen müssen. Ich möchte in meinem Buch zeigen, wie man ein solches Portfolio aufbaut.

Wo sehen Sie das Problem beim Trading?

Aktives Trading funktioniert meinen Erfahrungen zufolge bei einer von 100 Personen. Die anderen 99 werden im Regelfall Geld verlieren. Der Grund: Die meisten Anleger handeln irrational. Um herauszufinden, ob auch Sie zu dieser Gruppe gehören, empfehle ich Ihnen meinen Zehn-Punkte-Test (siehe unten).

Welche Leserschaft wollen Sie ansprechen?

Meine Leser sind ganz normale Anleger, die nicht die Zeit, nicht das Talent oder nicht die Lust haben, aktiv zu investieren. Mindestens eine dieser Eigenschaften trifft übrigens auf 99 Prozent der Bevölkerung zu. Sie benötigen eine Anlagestrategie die sowohl in Bullen- als auch in Bärenmärkten funktioniert und einfach und bequem umzusetzen ist. "Lazy Investing" steht genau dafür: Sie stellen Ihr Depot clever auf und können es dann vergessen.

Sind Ihre Strategien wirklich einfach umzusetzen? Oder anders gesagt: Kann jeder die Ziele erreichen, die Sie in Ihrem Buch vorstellen?

Aber natürlich! Allerdings gibt die Wall Street jedes Jahr Unsummen aus, um Sie vom Gegenteil zu überzeugen. Die meisten Anleger glauben ihr irgendwann, dass Investment eine sehr komplizierte Materie sei. In Wirklichkeit brauchen Sie höchstens zehn simpel gestrickte Indexfonds, um ein gut diversifiziertes "Bequemes Portfolio" aufzubauen. Nehmen wir zum Beispiel das super-einfach gestrickte, sieben Fonds beinhaltende "Coffeehouse-Portfolio": Die Mittelverteilung ist sehr unkompliziert: Sie stecken 40 Prozent der Anlagesumme in einen mittelfristig ausgelegten Anleihen-Indexfonds. Jeweils zehn Prozent kommen in sechs verschiedene Aktien-Indexfonds. Fertig. Leider ist es fast zu einfach, um auf Anhieb akzeptiert zu werden. Viele Anleger denken immer noch, sie könnten es alleine besser. In den meisten Fällen offenbart sich das als Irrtum. Das Coffeehouse-Portfolio ist eines der sichersten Portfolios, die wir beobachten. In der hektischen Zeit von 2000 bis 2004 hat sich es sich in vier von fünf Jahren besser geschlagen als der S&P 500. Und das ohne Trading, ohne Timing und ohne Umschichten.

Was ist die wertvollste Regel, die Sie einem Anleger mit auf den Weg geben können?

In meiner "Lazy Investing"-Strategie gibt es insgesamt sechs essentielle Regeln. Regelmäßig und automatisch Geld auf die Seite zu legen ist allerdings die wichtigste Regel überhaupt. Wenn Sie nichts sparen, investieren Sie auch nichts. Wenn Sie nichts investieren, dann haben Sie später nichts für die Rente zurückgelegt. Leider legen 75 Prozent von uns nicht genug für die Rente zurück. Regelmäßig sparen ist die Grundlage für jeden Vermögensaufbau.

Welche Strategie raten Sie einem 30-jährigen Anleger, der in rund 30 Jahren mit einem soliden Finanzpolster in Rente gehen möchte?

Sparen Sie regelmäßig "via Autopilot", investieren Sie das Geld für die nächsten 30 Jahre in ein einfaches und gut diversifiziertes "Bequemes Portfolio" und lassen Sie den Akkumulationseffekt den schweren Teil der Arbeit für Sie übernehmen. Rechnen Sie mit: Täglich eine große Latte Macchiato und ein Muffin kosten Sie rund fünf Dollar - das sind 150 Dollar im Monat. Wenn Sie diese 150 Dollar regelmäßig investieren, im Alter von 25 Jahren damit beginnen und dieses Investment sich mit zehn Prozent pro Jahr verzinst, dann haben Sie rund 955.000 Dollar auf der hohen Kante, wenn Sie mit 65 in den Ruhestand gehen. Eingezahlt haben Sie aber nur 72.000 Dollar - den schweren Teil hat die Akkumulation für Sie erledigt.

Das Interview führte Sebastian Grebe.

Der Zehn-Punkte-Test

1. Sie lieben den Adrenalinstoß, wenn Sie eine Entscheidung treffen müssen.

2. Sie glauben daran, dass aktives Trading den Markt schlagen kann. Eine Studie mit mehr als 66.000 Depots kam zu dem Ergebnis: "Je mehr Sie handeln, desto weniger verdienen Sie".

3. Sie sparen wenig und Ihr Depot beinhaltet weniger als 100.000 Dollar.

4. Sie schichten Ihr Portfolio öfter als einmal pro Quartal um.

5. Sie glauben, dass Investoren in der Summe rational handeln. Jeremy Siegel untersuchte 120 Tage mit großen Auf- oder Abwärtsbewegungen. In 90 Fällen gab es für das Kursverhalten keinen Grund.

6. Sie glauben, dass viel billiges Online-Trading Ihre Erträge verbessert. Joe Rickets, der Gründer von Ameritrade, sagt: "Viel handeln bringt nicht viel Geld".

7. Sie kaufen, wenn der Markt heiß ist und verkaufen, wenn er sich abkühlt. Rational wäre genau das Gegenteil.

8. Sie sind absolut sicher, dass wir in einem Bullenmarkt sind. Anleger neigen prinzipiell zu übertriebenem Optimismus.

9. Sie glauben daran, dass aktive Investoren das große Geld machen.

10. Sie wissen, dass Sie ein überdurchschnittlicher Investor sind. Das denken 75 Prozent aller Anleger.

Wenn Sie diesen Aussagen fünfmal oder öfter zustimmen, dann sind Sie wahrscheinlich ein eher irrationaler Anleger und sollten eine "Lazy Portfolio"-Strategie ausprobieren.

Artikel aus DER AKTIONÄR (24/05).

Das Buch "Bequem reich werden durch kluges Investieren" finden Sie in unserem Bookshop.

 

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV