- DER AKTIONÄR

Internet-Bubble reloaded?

Credit Suisse First Boston hat das Kursziel für die Suchmaschine Google auf 350 Dollar heraufgesetzt. Ist die Aktie jetzt noch ein Kauf?

Credit Suisse First Boston hat das Kursziel für die Suchmaschine Google auf 350 Dollar heraufgesetzt. Ist die Aktie jetzt noch ein Kauf?

Von Martin Weiß

Die Aufstufung erfolgte einen Tag, nachdem das Investmenthaus Piper Jaffray sein Kursziel auf 300 Dollar erhöht und damit eine Kursrallye bei der Aktie ausgelöst hatte. Google war am Dienstag um 11,27 Dollar oder vier Prozent auf 277,27 Dollar gestiegen und endete am Mittwoch bei 288 Dollar. Seit dem Börsengang am 19. August 2004 haben die Titel rund 240 Prozent zugelegt.

Aktien noch nicht zu teuer?

Trotz des immensen Kursanstiegs - Google stemmt mittlerweile einen Börsenwert von 80 Milliarden Dollar auf die Waage - halten die Analysten das Unternehmen keineswegs für überbewertet. "Die Bewertung der Titel liegt in etwa auf einem Niveau mit Yahoo und knapp über der von eBay", rechtfertigte der zuständige CSFB-Analyst Heath Terry seine Einschätzung. "Google wächst viel stärker als die genannten Firmen und verdient deshalb eigentlich einen Aufschlag." Credit First Suisse Boston errechnet für Google ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2006 erwarteten Gewinne von 42 - damit liegt die Aktie bewertungstechnisch zwischen Yahoo (KGV 06e: 55) und eBay (06e: 37).

Google bleibt Marktführer

Der Aktienexperte erwartet für die Sommermonate zwar einen insgesamt volatilen Kursverlauf für Google, verweist aber auf mögliche frische Impulse seitens der neuen Geschäftsbereiche Gmail und Froogle. Bei den Suchanfragen betrug der Marktanteil Ende des letzten Quartals rund 36 Prozent - Yahoo brachte es hier auf einen Anteil von 31 Prozent und MSN auf einen von 16 Prozent. Im Kerngeschäft, der Vermarktung von bezahlten Werbelinks (98 Prozent Umsatzanteil), spielt Google ohnehin in einer eigenen Liga.

Wie geht es weiter?

Nicht nur das Unternehmen Google ist einzigartig, sondern auch der dreistellige Aktienkurs, der stark an die Internet-Bubble zum Beginn des Jahrtausends erinnert. Anders als die Highflyer damals, überzeugt Google aber mit enormen Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn - der Aktienkurs ist zumindest teilweise nach unten abgesichert. Von einer Blase bei der Aktie kann also (noch) keine Rede sein. Dennoch bringt der hohe Aktienkurs eindeutige Nachteile mit sich: Da die Titel optisch teuer erscheinen, sind sie in schwächeren Börsenphasen besonders anfällig für Korrekturen. Daneben sind vor allem Kleinstanleger mit steigenden Kursen häufig nicht mehr in der Lage, Anteile zu erwerben. Beide Probleme ließen sich leicht mit einem Aktiensplit lösen, bei dem sich die Anzahl der ausstehenden Aktien in einem bestimmten Verhältnis erhöht und der Aktienkurs im selben Verhältnis verringert. Beispiel: Bei einem Split-Verhältnis von 1:10 erhielten die Anleger für je eine alte Aktie zehn neue und der Google-Kurs würde auf 28,80 Dollar sinken; gleichzeitig würde die Zahl der ausstehenden Aktien auf knapp 2,8 Milliarden Anteile steigen.

Fazit: Von einer Spekulationsblase kann bei Google nicht die Rede sein, allerdings ist das Papier optisch teuer und damit korrekturanfällig. Mit der jüngsten Kursrallye scheint der positive Newsflow in den Aktien eingepreist zu sein. Halten!

 

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