Infineon
- Marion Schlegel - Redakteurin

Infineon-Aktie vor wichtigen Marken - Analysten: Skepsis oder Zuversicht?

Die Aktionäre von Infineon haben sich am Donnerstag mit der Einschätzung eines geplanten Zukaufs in den USA schwer getan. "Schritt gut, Preis sehr hoch", meinten Händler und Analysten. Nach anfänglichen Gewinnen von fast drei Prozent drehten die DAX-Titel ins Minus, fingen sich dann aber wieder. Zum Handelschluss stand jedoch erneut ein Minus von 0,20 Prozent auf 8,583 Euro auf der Kurstafel. Der deutsche Leitindex schloss bei einem Plus von 0,93 Prozent über 9.400 Punkten.


Der Münchener Chipproduzent hatte am Mittwochabend nach Börsenschluss mitgeteilt, sich in den USA mit einem milliardenschweren Zukauf verstärken zu wollen. Für den auf Energiemanagement spezialisierten Halbleiterhersteller International Rectifier aus Kalifornien will Infineon 40 Dollar je Aktie zahlen - das entspricht einem Wert von rund 3 Milliarden Dollar (2,25 Mrd Euro). Damit würde der Chipkonzern einen Aufschlag von rund 48 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienpreis der vergangenen drei Monate zahlen.

Das sagen DZ Bank, Commerzbank & Co
Harald Schnitzer von der DZ Bank schrieb, ihn habe der Zukauf überrascht. Strategisch gesehen sei er aber durchaus nachvollziehbar. Immerhin könne Infineon durch die Übernahme seine Marktposition stärken. Schnitzer monierte den hohen Preis. Er werde seine bisherigen Annahmen daher noch einmal überarbeiten. Analyst Thomas Becker von der Commerzbank kommentierte es ähnlich. Der Zukauf erscheine strategisch sinnvoll. Allerdings zahle Infineon einen deutlichen Aufschlag.


Für Malte Schaumann von Warburg Research ist die Transaktion dennoch positiv. Beide Unternehmen passten gut zueinander. Zudem dürfte der Gewinn je Aktie von Infineon dank der Akquisition steigen. Pierre Ferragu von Bernstein schrieb in einer Studie, dass er einen solchen Schritt erst in zwei Jahren erwartet habe. Er sehe den Zukauf als einen Meilenstein für die langfristige Geschäftsentwicklung. Der Experte reagierte mit einer Anhebung seines Votums und des Kursziels.


Einige Analysten sehen zudem den Zeitpunkt der Übernahme in einer späten Phase des Halbleiterzyklus kritisch. Deswegen, so Tim Wunderlich von Hauck & Aufhäuser, wirke der Kaufpreis viel zu teuer. Ähnlich argumentierte Gareth Jenkins von der UBS: Der Branchenzyklus befinde sich offenbar in der Nähe seines Hochs, womit der Zeitpunkt der Übernahme negativ zu werten sei.


Die Societe Generale (SocGen) verwies darauf, dass die vom Markt geschätzte operative Gewinnmarge (Ebit-Marge) für International Rectifier für 2016 gerade einmal bei 12,7 Prozent liege, während die Infineon-Marge bereits bei 15 Prozent liege. Daher sei es von entscheidender Bedeutung, dass die Integration des kalifornischen Chipspezialisten erfolgreich verlaufe, schrieb Analyst Peter Knox. Zudem gab der Experte zu bedenken, dass Infineon eine solch große Übernahme noch nie gestemmt habe.

Aktie mit Stärke
Zuletzt hat sich bei der Aktie von Infineon ein kleiner Aufwärtstrend ausgebildet. Im Bereich von neun Euro stößt das Papier jedoch auf einen ersten größeren Widerstand. Bei 9,46 Euro wartet zudem das Jahreshoch. Gelingt der Ausbruch nach oben, wäre dies ein klares positives charttechnisches Signal. Anleger bleiben mit einem Stopp bei 7,80 Euro investiert.

(Mit Material von dpa-AFX)

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