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Infineon: Übernahmenfantasie und Mega-Trends sorgen für Impulse - die Hintergründe!

Nach den Übernahmen von ARM Holdings und Linear Technology könnte der Chip-Spezialist Infineon das nächste Übernahmeopfer werden. Der Tech-Konzern profitiert überproportional von den Zukunftstrends E-Auto und vernetztes Fahren.

In der Halbleiterbranche geht es derzeit hoch her. So schluckte der japanische Internetkonzern Softbank erst vor wenigen Wochen den britischen Chipdesigner ARM Holdings. Ende Juli erfolgte bereits der nächste Paukenschlag, da Analog Devices bei Linear Technology zuschlug. Immerhin 14,8 Milliarden Dollar legte der US-amerikanische Halbleiterhersteller für die kalifornische Tech-Firma auf den Tisch. Durch die Kombination der beiden Analog-Spezialisten entsteht ein Unternehmen, das auf einen gemeinsamen Umsatz in Höhe von rund fünf Milliarden Dollar kommt. Damit käme der neue IT-Konzern im vom Marktforschungsunternehmen IC Insights erstellten weltweiten Ranking der größten Analoganbieter auf den zweiten Platz hinter Texas Instruments. Der US-amerikanische Platzhirsch erzielte im letzten Jahr im Analogbereich Erlöse in Höhe von 8,3 Milliarden Dollar. Und spätestens an dieser Stelle wird es jetzt spannend, da Infineon mit einem 2015er-­Umsatz im Analogbereich von 2,77 Milliarden Dollar die nächste Firma in dieser Rangliste ist.

Warum aber sind in der Analogtechnik tätige Technologiefirmen derart begehrt geworden? Nun, in vielen Technikbereichen wurde die Analogtechnik zwar durch Digitaltechnik ersetzt. Allerdings arbeiten einige wichtige Komponenten nach wie vor auf analoger Basis. So funktionieren beim heutzutage eigentlich volldigitalen Mobilfunktelefon etwa die Elektronik zur Verarbeitung der Lautsprecheranlage sowie das mit Hochfrequenz arbeitende Sende- und Empfangsteil immer noch analog. Infineon bietet genau wie auch Linear Technology analoge Anwendungen für Handys und Netzwerkprodukte sowie Vernetzungslösungen für Autoelektronik an. An Smartphones und Mobilfunkstandards der neuen Generation werden immer höhere technische Anforderungen gestellt, weshalb der Chipumsatz pro Handy weiter kräftig zulegen sollte.

Die frühere Siemens-Ausgründung präsentierte zudem erst kürzlich das weltweit kleinste Plug&Play-Sicherheitsmodul für sogenannte NFC-Anwendungen (NFC = Near-Field-Communication). Diese Technologie ermöglicht mobiles Bezahlen mit Smart Wearables. Infineon eröffnet sich auf diese Weise den wachstums-trächtigen chinesischen Wearables-Markt, da die Produkte auch von der chinesischen Zentralbank People’s Bank of China zertifiziert wurden. Darüber hinaus zeichnet sich im bevölkerungsreichsten Land der Welt ein weiterer Megatrend ab, von dem Infineon überproportional profitieren dürfte. Dabei handelt es sich um den von der chinesischen Regierung vehement forcierten Ausbau der Elektromobilität. Hierzu muss man wissen, dass in Elektroautos durchschnittlich Halbleiter im Volumen von jeweils 720 Dollar verbaut werden. Zusätzlich müssen Zigtausende von Ladestationen bestückt werden. Aber auch im Bereich autonomes Fahren ist der Halbleiterhersteller sehr stark aufgestellt. So wird das Radarsystem im Auto immer wichtiger, um etwa Fußgänger rechtzeitig zu warnen. Das Infineon-Management plant, in den nächsten zwölf Monaten nicht weniger als zehn Millionen Auto-Radarchips auszuliefern.

Besondere Kursfantasie verspricht da­rüber hinaus ein zukunftsträchtiges Projekt mit Google. Infineon entwickelt für den Internet-Giganten sensorische Chips zur Erkennung von Gesten, welche daraufhin in Signale für das Betriebssystem umgewandelt werden. Zuletzt wurde auf der Google-Entwicklerkonferenz I/O deutlich, dass der US-Tech-Konzern stark auf Infineon-Chips setzt, um Smartwatch und Co zum Durchbruch zu verhelfen. Infineon liefert die entscheidende Hightech-Hardware, um die Bewegungen des Nutzers erkennbar zu machen. Langfristig können derartige Chips helfen, neben Autos auch Flugzeuge oder gar komplette Produktionsanlagen zu steuern.

Die letzten Quartalszahlen waren solide, da der Umsatz im Jahresvergleich um drei Prozent auf 1,63 Milliarden Euro und die operative Marge von 15,4 auf 15,6 Prozent anzog. Die Ziele für das Gesamtjahr wurden bestätigt. Demnach sollen die Erlöse um bis zu zwölf Prozent steigen und die operative Marge 15 bis 16 Prozent erreichen.

Fundamental ist Infineon auf Kurs. Zudem könnte der DAX-Konzern schnell ins Visier von Aufkäufern wie etwa Texas Instruments oder auch Taiwan Semiconductor rücken. Die Aktie bleibt daher eine aussichtsreiche Beimischung für jedes Depot.

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