- DER AKTIONÄR

Infineon - Der ewige Underperformer?

Der Chef des Münchener Halbleiterunternehmens Infineon plant offenbar den Börsengang der verlustträchtigen Speicherchipsparte. Damit könnte der Aktie der lang erwartete Befreiungsschlag gelingen.

Der Chef des Münchener Halbleiterunternehmens Infineon plant offenbar den Börsengang der verlustträchtigen Speicherchipsparte. Damit könnte der Aktie der lang erwartete Befreiungsschlag gelingen.

Von Markus Horntrich

Infineon-Chef Wolfgang Ziebart scheint es leid zu sein, die Aktie seines Unternehmens in der Dax-Kursliste als ewigen Underperformer sehen zu müssen. Seit dem Börsengang im März 2000 - der Emissionspreis lag bei immerhin 35 Euro - ging es mit der Aktie bergab. Und auch im laufenden Jahr kam die Aktie noch nicht so richtig in Tritt, obwohl der Dax seit Jahresanfang über 15 Prozent zugelegt hat.

Neuen Schwung könnte nun der von Vorstandschef Ziebart initiierte Strategieschwenk in die Aktie bringen: Die verlustreiche Speicherchipsparte soll Presseberichten zufolge an die Börse gebracht werden. Bereits seit einigen Monaten wird immer wieder über einen möglichen Verkauf des Verlustbringers gemutmaßt.

Börsengang im Frühjahr 2006 möglich

In der Aufsichtsratssitzung vom 17. November soll nun die Trennung vom Speichergeschäft beschlossen werden. Offenbar verspricht man sich in München von der Trennung eine stabilere Entwicklung des übrigen Geschäfts mit Logik-Chips für die Automobil- und Telekommunikationsindustrie. Dieser Bereich ist für rund 60 Prozent der Umsätze verantwortlich.

Bisher wurde ein Verkauf des DRAM-Geschäfts ausgeschlossen. Doch nun scheint man tatsächlich den Weg für einen Börsengang freimachen zu wollen. Sollte der Aufsichtsrat einem solchen Schritt zustimmen, müssten nur noch die Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung im Februar ihr OK geben. Dann wäre bereits im Frühjahr 2006 der Gang aufs Parkett möglich.

Vier Milliarden Euro wert?

Der Wert des Speicherchip-Geschäfts wird auf rund vier Milliarden Euro geschätzt. Das entspricht in etwa der Bewertung des US-amerikanischen Wettbewerbers Micron Technology, der aktuell mit dem 1,6-fachen des Umsatzes für 2005 bewertet wird. Bei einem Umsatz von schätzungsweise 6,8 Milliarden Euro dürfte bei Infineon das Speichergeschäft rund 2,75 Milliarden Euro beisteuern - multipliziert mit 1,6 würde sich ein theoretisch erzielbarer Verkaufserlös von 4,4 Milliarden Euro ergeben. Das entspricht einem Wert von 5,88 Euro je Infineon-Aktie.

Verkauf bietet Kurspotenzial

Unter dem Strich würde sich für Infineon durchaus Kurspotenzial ergeben, wenn dem Verkauf des Speicherbereichs zugestimmt wird. In den vergangenen Monaten konnte die Aktie von den kursierenden Verkaufsgerüchten immer wieder profitieren.

Das stark schwankende Speichergeschäft hat bisher viele Investoren vor einem Einstieg bei den Münchnern abgehalten. Für das stabile und vergleichsweise eher konservative Logik-Halbleitergeschäft sind die Entwicklungsmöglichkeiten ohne Speichersparte besser. Unter spekulativen Aspekten ist die Aktie von Infineon derzeit überaus attraktiv.

 

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