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- DER AKTIONÄR

Im Rausch der Tiefe

Das Bohrloch mit dem unscheinbaren Namen "Jack 2" könnte Geschichte schreiben. Denn ersten Schätzungen nach ist es das "Tor" zum zweitgrößten Öl- und Gasvorkommen, das je in den USA entdeckt wurde. Bis zu 15 Milliarden Barrel Öl und Gas vermuten Geologen im Umfeld von Jack 2. Dieses liegt nur 400 Kilometer südwestlich der Metropole New Orleans, mitten im Golf von Mexiko.

Chevron ist auf den zweitgrößten Ölfund in der amerikanischen Geschichte gestoßen. Möglich gemacht hat dies Transocean, ein auf Tiefseebohrungen spezialisiertes Unternehmen.

Das Bohrloch mit dem unscheinbaren Namen „Jack #2“ könnte Geschichte schreiben. Denn ersten Schätzungen nach ist es das „Tor“ zum zweitgrößten Öl- und Gasvorkommen, das je in den USA entdeckt wurde. Bis zu 15 Milliarden Barrel Öl und Gas vermuten Geologen im Umfeld von Jack #2. Dieses liegt nur 400 Kilometer südwestlich der Metropole New Orleans, mitten im Golf von Mexiko. Die Vorkommen, die es anzapft, schlummern in über 8.000 Meter Tiefe, davon 2.000 Meter Wasser und weitere 6.000 Meter Gestein. In die Erde getrieben hat Jack #2 die US-Gesellschaft Transocean, im Auftrag des Ölkonzerns Chevron. Transocean ist auf Öl- und Gasexploration spezialisiert und hat mit Jack #2 ein technisches Meisterwerk vollbracht. Noch vor zehn Jahren wäre eine derart tiefe Bohrung gar nicht möglich gewesen. Nur Dank moderner Technik, verschraubt auf der Bohrplattform „Cajun Express“, konnte Transocean seine „Pickel“ zielgenau in den Meeresboden treiben. Von dem Ergebnis ist Chevron derart überzeugt, dass man Transocean gleich einen Fünfjahresauftrag zur Erforschung weiterer Öl-und Gasvorkommen im Golf von Mexiko erteilt hat. Dafür lässt Transocean nun beim koreanischen Schiffsbauer Daewoo Shipbuilding and Marine Engineering zwei neue Expeditionsschiffe bauen, die speziell für Tiefseebohrungen ausgelegt sind. Sie können bei Wassertiefen von bis zu 4.000 Meter zusätzliche acht Kilometer senkrecht in den Meeresboden bohren, das ist absoluter Weltrekord.

Öl aus dem Eozän

Chevrons Drang in die Tiefe ist kein Einzelfall. Da weltweit die oberflächennahen Öl- und Gasvorkommen weitestgehend erschlossen sind, bleibt nun nur noch die Expedition in „Richtung Erdmittelpunkt“. So stammen die durch Jack #2 angezapften Lagerstätten aus dem weltgeschichtlichen Zeitalter des Eozäns. Sie sind damit rund 40 Millionen Jahre alt. Jack #2 zeigt zudem, dass die in den Medien geschürte Angst vor einem schnellen Versiegen der Ölquellen unbegründet ist. Niemand weiß heute zwar mit Bestimmtheit, wie viel Öl noch in den Tiefen der Erde schlummert. Experten gehen jedoch davon aus, dass noch rund 380 Milliarden Barrel im Boden liegen. Die Angaben ändern sich aber fast täglich, da man bei Bohrungen auf immer neue Vorkommen stößt, wie eben jetzt im Golf von Mexiko. Und noch ein Umstand spricht dafür, dass die Reserven nicht schnell zur Neige gehen: Die Technik zur Förderung von Erdöl wird immer raffinierter. Cano Petroleum zum Beispiel hat ein Verfahren entwickelt, mit dem auch Öl gefördert werden kann, das in schwierigen Gesteinsformationen gebunden ist. Das Unternehmen pumpt chemische Substanzen in den Boden, die das Öl aus dem Gestein lösen. Kenner der Szene, wie etwa Jeroen van der Veer, Chef des Ölgiganten Royal Dutch Shell, sind sich sicher, dass durch solch neue Verfahren der Recovery-Faktor von derzeit 30 auf 50 Prozent gesteigert werden kann. Das heißt, dass in Zukunft die vorhandenen Ölvorkommen viel gründlicher ausgebeutet werden können, als das bisher möglich war.

Knappes Gut lässt Einnahmen sprudeln

All dies ändert natürlich nichts daran, dass Öl ein Rohstoff ist, dessen Vorkommen grundsätzlich endlich sind. Irgendwann einmal wird es kein Öl mehr geben beziehungsweise wird sich die Förderung der „paar“ Barrel, die noch im Boden sind, nicht mehr lohnen. Bis dahin bleibt Öl eine knappes Gut, das einen entsprechend hohen Preis erzielen wird. Und das ist auch gut so, denn die Förderung von Tiefseeöl ist sehr teuer und lohnt sich erst ab einem Barrelpreis von 40 Dollar. Allein für die Miete der Transocean-Bohrplattform „Cajun Express“ muss Chevron täglich einige Hunderttausend Dollar berappen. Zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören Öldienstleister wie Transocean und Unternehmen, die die Bohrplattformen herstellen wie Daewoo Shipbuilding and Marine Engineering. Allein der von Chevron erteilte Fünfjahresauftrag dürfte Transocean einen zusätzlichen Umsatz von 862 Millionen Dollar einbringen. Und Daewoo Shipbuilding wird für den Bau der beiden Plattformen rund 670 Millionen Dollar erhalten.

Intakte Wachstumsstory

Anleger, die von einem dauerhaft hohen Ölpreis ausgehen, setzen auf Transocean und Daewoo Shipbuilding (in Frankfurt als GDR gehandelt). Beide Gesellschaften sind an der Börse niedrig bewertet und weisen eine intakte Wachstumsstory auf./p>

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 40/2006.

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