CV THERAPEUTICS DL-,001
- DER AKTIONÄR

Im Kaufrausch

Der Name Pfizer steht für Gigantonomie pur: Der Konzern mit Hauptsitz in New York ist mit einem Börsenwert von rund 175 Milliarden Dollar und Umsätzen von mehr als 50 Milliarden Dollar das größte reinrassige Pharma-Unternehmen der Welt. Über 100.000 Menschen beschäftigt Pfizer weltweit, davon mehr als 12.500 Forscher. Die konnten 2005 über ein Rekordbudget von 7,4 Milliarden Dollar verfügen.

Der Pharma-Gigant Pfizer geht in großem Stil auf Einkaufstour. Die Kaufoffensive dürfte vor allem den Aktionären der möglichen Übernahmeopfer nutzen.

Der Name Pfizer steht für Gigantonomie pur: Der Konzern mit Hauptsitz in New York ist mit einem Börsenwert von rund 175 Milliarden Dollar und Umsätzen von mehr als 50 Milliarden Dollar das größte reinrassige Pharma-Unternehmen der Welt. Über 100.000 Menschen beschäftigt Pfizer weltweit, davon mehr als 12.500 Forscher. Die konnten 2005 über ein Rekordbudget von 7,4 Milliarden Dollar verfügen – mehr als jedes andere Unternehmen in Forschung und Entwicklung investiert. Und kein anderer Pharmakonzern hat so viele Blockbuster, also Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar, im Programm. Zu den Verkaufschlagern gehören neben dem Cholesterin-Senker Lipitor auch das Herz-Kreislauf-Medikament Norvasc und das Potenzmittel Viagra.

Doch genau auf der Produktseite drückt Pfizer auch der Schuh: Die Top-Seller von heute versprechen für morgen nur wenig Wachstumsperspektiven. Im Gegenteil, bei drei seiner fünf meistverkauften Medikamente musste Pfizer im letzten Jahr Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Verkäufe des Schmerzmittels Celebrex – wie das von Merck vertriebene Vioxx ein so genannter COX2-Hemmer – gingen nach dem Vioxx-Skandal sogar um fast die Hälfte zurück. Kurzfristig wird dies durch Lipitor, mit dem Pfizer im letzten Jahr über zwölf Milliarden Dollar umsetzte, kompensiert. Doch der Patentschutz für das Medikament läuft 2011 aus, beim Konkurrenzprodukt Zocor von Merck ist es schon dieses Jahr so weit. Es ist also damit zu rechnen, dass Pfizer bei Lipitor Marktanteile verlieren wird, wenn andere Anbieter mit günstigen Nachahmer-Produkten auf den Markt drängen.

Da tut es Not, für Nachschub zu sorgen. Problem: Die Entwicklungspipeline von Pfizer ist zwar gut gefüllt, doch die Auswahl an neuen Medikamenten mit Blockbuster-Potenzial ist überschaubar. Überhaupt hat keines der 17 Pfizer-Medikamente, die seit 2001 zugelassen wurden, mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr erreicht. Lösen will der Pharma-Konzern dieses Problem nun mit einer bisher nie da gewesenen Kaufoffensive. Durch den Verkauf der Sparte mit rezeptfreien Medikamenten Ende Juni an Johnson & Johnson ist die Kriegskasse noch praller gefüllt, der Barbestand liegt bei fast 30 Milliarden Dollar. Mit 17 Milliarden Dollar im Gepäck will Pfizer nun auf Einkaufstour gehen. Bis 2007 will der Konzern neue Medikamentenkandidaten und Technologien einkaufen – und zur Not die entwickelnden Unternehmen gleich mit. Nach Unternehmensangaben klopft derzeit ein Expertenteam das Potenzial hunderter von Firmen ab. Geplant sei, zwischen einer und vier Milliarden Dollar pro Zukauf auszugeben.

CV Therapeutics - möglicher Blockbuster

Eines der Unternehmen, die nach Meinung von Analysten ganz oben auf der Einkaufsliste von Pfizer stehen könnte, ist CV Therapeutics. Das Objekt der Begierde ist dabei Ranexa, ein Mittel zur Behandlung von chronischer Herzkranzgefäßverengung. Bis jetzt ist das Medikament aber nur für die Patienten zugelassen, bei denen alle anderen Mittel nicht mehr anschlagen. Doch dies könnte sich bald ändern. CV Therapeutics führt derzeit in enger Absprache mit der US-Gesundheitsbehörde klinische Tests durch, die belegen sollen, dass Ranexa bei überlegener Wirksamkeit mindestens genauso sicher ist wie die am Markt befindlichen Präparate. Liefern die Studien positive Ergebnisse, könnte Ranexa zum Standardtherapeutikum - und zum Blockbuster – werden. Die Ergebnisse der Tests sollen im ersten Quartal 2007 vorliegen. Ob Pfizer mit einer Kaufofferte so lange warten wird, ist fraglich. Denn die Enttäuschung der Anleger darüber, dass Ranexa nicht gleich als Standardtherapie zugelassen wurde, hat ordentlich auf den Kurs der CV-Therapeutics-Aktie gedrückt. Mit einem Börsenwert von unter 600 Millionen Dollar ist das Unternehmen derzeit günstig zu haben.

Incyte Pharmaceuticals - mehr als ein Partner

Übernahmeopfer ist auch die Biotech-Schmiede Incyte Pharmaceuticals. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Bereits jetzt macht das Unternehmen aus Wilmington im US-Staat Delaware mit dem Pharma-Riesen gemeinsame Sache bei der Entwicklung eines experimentellen Wirkstoffs, der unter anderem gegen Rheuma und Diabetes eingesetzt werden soll. Entsprechende klinische Tests der Phase II laufen derzeit. Zwar werden noch einige Jahre vergehen, bis das Präparat marktreif ist, doch angesichts der aktuellen Kursschwäche ist es nicht unwahrscheinlich, dass Pfizer im Rahmen seiner Einkaufstour bei Incyte schon in Kürze zugreift. Der Misserfolg bei der Entwicklung eines potenziellen HIV-Medikamentes hat den Kurs seit April um mehr als 26 Prozent einbrechen lassen.

Drei Kaufkandidaten

Kurzfristig sind für die Pfizer-Aktie kaum Impulse zu erwarten. Mit einem 2007er-KGV von 11 ist der Titel aktuell jedoch günstig zu haben. Und die Akquisitionspolitik des Konzerns dürfte langfristig für neues Wachstum sorgen. Als Langfristanlage ist das Papier also durchaus zu empfehlen. Kurzfristig könnten Spekulationen um eine mögliche Übernahme durch Pfizer die Aktien von CV Therapeutics und Incyte beflügeln. Beide Titel eignen sich als spekulative Depotbeimischungen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 30/2006.

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