- DER AKTIONÄR

IM INTERNATIONALMEDIA - "Das Feedback ist sehr positiv!"

Mit einer neuen Strategie will IM Internationalmedia in die Erfolgsspur zurückfinden. Frisches Kapital soll beim Konzernumbau helfen. Finanzvorstand Andreas Konle stellte sich dem AKTIONÄR zum Interview.

Mit einer neuen Strategie will IM Internationalmedia in die Erfolgsspur zurückfinden. Frisches Kapital soll beim Konzernumbau helfen. Finanzvorstand Andreas Konle stellte sich dem AKTIONÄR zum Interview.

Von Markus Horntrich

Die IM Internationalmedia AG ist eines der großen, internationalen Unternehmen im Bereich der Filmproduktion, bestehend aus fünf operativ tätigen Gesellschaften. Der studiounabhängige Konzern hat im Jahre 2005, nach Ernennung von Martin Schürmann zum Vorstandsvorsitzenden, mit einer umfangreichen Neuausrichtung begonnen. Der AKTIONÄR hat den Finanzvorstand, Andreas Konle, zu den weiteren Aussichten befragt.

DER AKTIONÄR: Herr Konle, bitte erläutern Sie unseren Lesern das Geschäftsmodell und die Struktur der "neuen" IM Internationalmedia AG.

Andreas Konle: Unser angepasstes Geschäftsmodell besteht jetzt aus drei Geschäftsfeldern: neben unserem bisherigen Geschäftsfeld INTERMEDIA FILMS, also der Entwicklung, der Finanzierung und dem Vertrieb von internationalen Eventkinofilmen werden in Zukunft mit INTERMEDIA CINEMA auch Genre-Filme mit Budgets zwischen 10 und 20 Millionen US-Dollar produziert und vertrieben werden. Komplettiert wird das ganze durch unser drittes Standbein INTERMEDIA TV, wo wir TV-Spielfilme, TV-Miniserien und TV-Serien für den internationalen Markt entwickeln, produzieren und vertreiben werden. Der Schwerpunkt wird in Zukunft ganz klar auf den beiden letzten Bereichen liegen. Insgesamt ist die Gesellschaft innerhalb unserer Kernkompetenzen somit auf eine breitere Basis gestellt, die planbarer ist, wobei einem kalkulierbaren Risiko nennenswerte Brutto-Gewinnmargen gegenüberstehen.

DER AKTIONÄR: Die ersten Monate des Jahres 2005 waren geprägt von strategischen Anpassungen und der Neuausrichtung. Sind diese Maßnahmen nunmehr abgeschlossen oder werden sie noch weiterhin das Ergebnis für 2005 und eventuell auch 2006 beeinflussen?

Konle: Wir haben in diesem Jahr sehr viel erreicht. Zum einen haben wir durch umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen nun eine Kostenstruktur, welche dem neuen Geschäftsmodell angepasst ist. Ebenso konnten wir die Ausgaben für die Entwicklung neuer Filmstoffe, die die Gesellschaft lange Zeit stark belastet haben, auf ein angemessen niedriges Niveau reduzieren. Zum anderen haben wir bedeutende Schritte in die beiden neuen strategischen Geschäftsfelder eingeleitet. So wurden Verträge mit Action Concept, Fire Development und Kadokawa unterzeichnet, die uns mittelfristig ein Geschäftsvolumen in der Größenordnung von ca. 100 Millionen Dollar pro Jahr bringen werden. All diese nun eingeleiteten Maßnahmen werden folglich einen großen Einfluss auf die Entwicklung der kommenden Geschäftsjahre haben, da sich diese Vereinbarungen ab dem Jahr 2006 auch in den Zahlen niederschlagen werden.

DER AKTIONÄR: Im Q3-Bericht werden nur Umsätze von 16,1 Millionen Euro nach 78,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum ausgewiesen. Haben Sie an Marktstellung eingebüßt?

Konle: Ganz und gar nicht. Der Fokus lag in diesem Geschäftsjahr ganz auf der strategischen Neuausrichtung der Gesellschaft und der Implementierung dieser neuen Strategie. Wir haben bereits im ersten Halbjahr kommuniziert, dass es in diesem Jahr keine Filmstarts geben wird. Da Minimumgarantien gewöhnlich den Grossteil des Umsatzes ausmachen und in der Regel erst bei Filmstart umsatzrelevant werden, war von Anfang an klar, dass der Umsatz in diesem Jahr eine nachrangige Rolle spielen wird. Darüber hinaus muss man sehen, dass Umsatz für die Beurteilung der Gesellschaft generell keine sehr aussagekräftige Größe darstellt. Anders als zum Beispiel in der Konsumgüterindustrie bedeutet ein höherer Umsatz bei uns nicht automatisch auch eine höhere Profitabilität, was man auch deutlich an der positiven Entwicklung der vergangenen Quartale sehen kann. Dennoch ist dies natürlich keine Umsatzgröße, welche für die kommenden Geschäftsjahre akzeptabel wäre. Der Umsatz wird in 2006 und 2007 wieder deutlich steigen.

DER AKTIONÄR: Per 30.09.2005 weisen Sie ein Filmvermögen von rund 145 Millionen Euro aus. Können Sie uns sagen, wie sich dieses Portfolio zusammensetzt?

Konle: Dem Filmvermögen zum 30.09.2005 in Höhe von rund 144 Millionen Euro stehen Rückstellungen in Höhe von rund 90 Millionen Euro gegenüber. Bei den Rückstellungen, die im Wesentlichen ein Resultat aus den in der Branche angewandten Filmmodellen sind, handelt es sich um keine wirklichen Verpflichtungen zum Stichtag. Die Verpflichtung entsteht vielmehr erst durch zukünftige Einnahmen aus dem Filmvermögen. Um deshalb für den Investor zu einem wirtschaftlich korrekten Bild zu gelangen, muss man das bilanzierte Filmvermögen mit den Rückstellungen verrechnen. Es ergibt sich somit zum 30.09.2005 ein Nettofilmvermögen in Höhe von ca. 54 Millionen Euro.

DER AKTIONÄR: Bis wann werden Sie aus diesen Werten Erträge generieren?

Konle: Das Filmvermögen erwirtschaft permanent Erträge. Dies geschieht sowohl über Erfolgsbeteiligungen wie auch Folgelizensierung. Und genau hier liegt auch einer der sehr spannenden Faktoren. Durch den kontinuierlichen Auf- und Ausbau der Filmbibliothek schafft die Internationalmedia Gruppe dauerhaft Werte, weil sich die Inhalte über lange Zeit auswerten lassen, ohne zusätzliche Mittel aufzuwenden. Im Optimalfall erreichen wir in Zukunft einen Punkt, wo sich die Gesellschaft allein aus den Zuflüssen der bestehenden Filmbibliothek finanzieren kann. Dann ist jede Neuproduktion zu 100 Prozent Profit.

DER AKTIONÄR: Sie weisen im Q3-Bericht liquide Mittel in Höhe von knapp 34 Millionen Euro aus, die aber weitgehend für eine Neuproduktion reserviert sind. Wie stellen Sie eine nachhaltige Liquidität des Unternehmens sicher?

Konle: Die Liquidität war in der Vergangenheit sicherlich das zentrale Thema für die Gesellschaft. In den vergangenen Monaten haben wir jedoch gezeigt, dass die Gesellschaft in der Lage ist, positive Cashflows zu erwirtschaften. Die Liquidität wird dabei zum einen durch Produktionsstarts generiert, da die Gesellschaft hier Financing beziehungsweise Producer Fees vereinnahmen kann. Durch das neue Geschäftsmodell lässt sich die Liquidität durch diese Einnahmequelle sehr viel besser auf einem höheren Niveau stabilisieren als dies bisher der Fall war. Hinzu kommen Erlösbeteiligungen bei erfolgreichen Filmen sowie kontinuierliche Erlöse aus der Filmbibliothek. Letztere ist natürlich noch nicht groß genug, als dass die Gesellschaft ihre Kosten allein durch diese Einnahmen abdecken könnte, dafür ist das Unternehmen zu jung. Dennoch werden wir die bestehende Bibliothek künftig weiter ausbauen, um hier planbare und kontinuierliche Cashflows zu generieren.

DER AKTIONÄR: Nach drei positiven Quartalen wird im Q3 wieder ein Verlust nach Steuern ausgewiesen. Ist damit nicht schon wieder das "Ende der Trendwende" eingeleitet?

Konle: Keineswegs. Im dritten Quartal erfolgten keine Produktionsstarts, so dass hier keine Financing Fees vereinnahmt wurden. Die Produktionsfreigabe für den Spionage-Thriller BREACH erfolgte zwar im dritten Quartal, die Vergütung für die Produktionsdurchführung wird aber erst bei Produktionsstart im laufenden Quartal verbucht. Wie schon erwähnt lag der Fokus auch im dritten Quartal auf der Umsetzung der Neuausrichtung der Internationalmedia Gruppe, welche durch den Abschluss der genannten Verträge in den letzten Monaten sehr erfolgreich gewesen ist. Prinzipiell darf nicht außer Acht gelassen werden, dass sich das Unternehmen in einem Turnaround befindet. Wir haben stets kommuniziert, dass wir nicht davon ausgehen, dass jedes einzelne Quartal positiv werden kann.

DER AKTIONÄR: Mit welchem Ergebnis rechnen Sie für das gesamte Jahr 2005 ?

Konle: Zu Anfang dieses Geschäftsjahres haben wir uns eine ganz klare Zielhierarchie vorgenommen, welche an erster Stelle die Liquiditätssicherung, an zweiter Stelle den Abbau der Verluste und an dritter Stelle ein Umsatzwachstum für die Jahre 2006ff vorsah. Das erste Ziel werden wir in 2005 voraussichtlich abgeschlossen haben und nach der Durchführung der Kapitalmaßnahmen wird die Gesellschaft wieder auf einen gestärkten Liquiditätsbestand bauen können. Ertragsmäßig ist es für uns ein sehr großer Erfolg, wenn wir das vierte Quartal 2005 positiv abschließen und am Jahresende mehr als die schwarze Null sehen. Wenn wir das schaffen, obwohl dieses Geschäftsjahr im Zeichen der Neuausrichtung stand und erste Früchte daraus erst ab dem nächsten Jahr geerntet werden können, haben wir unser Ziel erreicht. Wir sehen daher dem verbleibenden Geschäftsjahr 2005 und den anstehenden Maßnahmen zuversichtlich entgegen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine Stellung im Hinblick auf zukünftige Gewinnprognosen nehmen, weil wir derzeit wegen der Prospekterstellung im Zusammenhang mit den geplanten Kapitalmaßnahmen keine Aussagen treffen können.

DER AKTIONÄR: Sie haben zwei Kapitalmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von knapp über 20 Millionen Euro bekannt gegeben. Zur Hälfte wird dies in Form einer Barkapitalerhöhung realisiert, zur anderen Hälfte in Form einer Wandelanleihe. Der aktuelle Aktienkurs liegt jedoch rund zehn Prozent unter dem geplanten Ausgabepreis der Kapitalerhöhung. Sehen Sie die geplanten Kapitalmaßnahmen durch die gegenwärtige Kursschwäche gefährdet?

Konle: Natürlich ist der derzeitige Aktienkurs nicht der, den wir uns wünschen würden. Allerdings habe ich in Frankfurt mit institutionellen Anlegern und auch Bankern gesprochen, die diese Situation relativ gelassen sehen. Das Feedback auf unsere Kapitalmaßnahmen ist nach wie vor sehr positiv. Hinzu kommt, das Octagon als unser wesentlicher Fremdfinanzierungspartner in Erwägung zieht, den Teil der geplanten Barkapitalerhöhung zu zeichnen, welcher nicht von bestehenden Aktionären oder anderen Investoren übernommen wird. Octagon kennt die Gesellschaft und ihre Strukturen praktisch beinahe so gut wie Martin Schürmann oder ich, sie wissen also genau, in welches Unternehmen sie hier investieren. Dies sollte sowohl für private als auch für institutionelle Anleger ein beruhigendes und positives Zeichen sein.

DER AKTIONÄR: Angenommen die Kapitalmaßnahmen gehen erfolgreich über die Bühne. Welche Ergebniseffekte würden sich durch die Rückführung der Fremdverbindlichkeiten ergeben?

Konle: Nun, im Rahmen des Betrages, welcher zurückgeführt wird, werden wir selbstverständlich die Zinsen einsparen können. Bei einer vollständigen Platzierung kann das also einen Ergebniseffekt von bis zu 1,5 Millionen US-Dollar pro Jahr ausmachen.

DER AKTIONÄR: Welche Pläne haben Sie für das nächste Jahr ?

Konle: Grundsätzliches Ziel bis zum Ende des Jahres 2006 sind die Produktion von vier bis sechs Genre-Filmen, eine TV-Serie und/oder eine TV-Miniserie sowie die Umsetzung eines großen Eventfilms. Daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer Dinge, die sich eher leise vollziehen werden. Dazu gehört in erster Linie die strikte Kostenkontrolle, Verbesserungen im Bereich der Filmstoffentwicklung, etc.

DER AKTIONÄR: Vielen Dank für das Interview!

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