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Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Das britische Unternehmen Autonomy bietet eine Softwarelösung an, die nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die Nachrichtendienste der Regierungen interessant ist.

Das britische Unternehmen Autonomy bietet eine Softwarelösung an, die nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die Nachrichtendienste der Regierungen interessant ist.

Von Sascha Grundmann

Wer die Aktie des englischen Software-Konzerns Autonomy zum Börsengang vor sieben Jahren gekauft hat, hat seitdem die Höhen und Tiefen eines Hightech-Titels miterlebt: In den ersten anderthalb Jahren stieg das Papier um 5.700 Prozent, weitere zweieinhalb Jahre später war es dann nur ein Fünfzigstel dieses Höchstkurses wert. In letzter Zeit ist aber Stabilität in den Kurs gekommen; die Notierung legt seit Jahresanfang langsam, aber sicher zu. Dafür sind vor allem die Unternehmenszahlen verantwortlich: In jedem der jüngsten vier Quartale konnte Autonomy das Ergebnis aus dem Vorjahr übertreffen.

Teure Intelligenz

Autonomy hat unter anderem eine intelligente Such-Software entwickelt, die Sinnzusammenhänge in Dateien wie Texten erkennen kann. Sie findet dabei nicht nur einzelne Suchbegriffe auf, sondern verarbeitet auch die Muster der Texte und ermittelt deren Kernaussage. Zu den Abnehmern der mit teilweise über hunderttausend Dollar extrem teuren Autonomy-Lösungen gehören neben Großkonzernen wie DaimlerChrysler und BP auch Finanzinstitute wie ABN Amro und Merrill Lynch. Die nutzen die Software beispielsweise dafür, ihre Compliance-Anforderungen zu erfüllen: Schon während die Bankmitarbeiter E-Mails schreiben, prüft das Programm, ob diese Nachrichten überhaupt an den entsprechenden Empfänger versendet werden dürfen oder ob das nicht gegen die Richtlinien der Geldhäuser verstößt.

Kampf dem Terrorismus

Solche Fähigkeiten machen die Autonomy-Software auch für die Behörden interessant. Der US-Senat und das US-Verteidigungsministerium haben nach den Anschlägen des 11. September 2001 die Sicherheit zum obersten Gebot erklärt und stehen nun auf der Autonomy-Kundenliste. Denn mit der Software der Briten können sie E-Mails, Telefonate und andere Dateien auf deren Botschaft überprüfen. Das hilft den Geheimdiensten im Kampf gegen den Terrorismus.

Spektakulär

Mit einem 2006er-KGV von 37 bei einem Wachstum von 34 Prozent (2005 auf 2006) ist die Autonomy-Aktie kein Schnäppchen mehr, die spektakuläre Technologie des Konzerns rechtfertigt aber auch eine hohe Bewertung. Spekulative Anleger legen sich eine kleine Position ins Depot, sollten Orders in Frankfurt angesichts der mäßigen Umsätze aber limitieren.

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