- DER AKTIONÄR

Im Anflug auf die Börse

Der nächste Börsenaspirant hat in Frankfurt seine Startposition eingenommen. Am kommenden Montag ist die Erstnotiz für die Papiere von MTU vorgesehen. Sollen Anleger zeichnen?

Der nächste Börsenaspirant hat in Frankfurt seine Startposition eingenommen. Am kommenden Montag ist die Erstnotiz für die Papiere von MTU vorgesehen. Sollen Anleger zeichnen?

Von Nancy Lanzendörfer

Der Zeitpunkt für das vierte IPO 2005 in Deutschland, das des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines Holding, scheint günstig. Die Luftfahrt hat sich von Terroranschlägen und SARS erholt. Im letzten Jahr haben die Verkehrszahlen das bisherige Hoch des Jahres 2000 übertroffen. Künftig wird die internationale Luftfahrt sogar doppelt so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft, so MTU-Chef Udo Stark. Er hat auch starke Zahlen im Gepäck: Im ersten Quartal 2005 steigerte seine Firma den Umsatz trotz eines schwachen Dollars um fast ein Fünftel, der operative Gewinn verdoppelte sich nahezu. Der Auftragsbestand entspricht rund dem 1,8fachen des 2004er-Jahresumsatzes.

Den Großteil des Umsatzes (47 Prozent) generieren zivile Triebwerke, 28 Prozent die zivile Instandhaltung und 25 Prozent das militärische Triebwerksgeschäft. Umsatztreiber im ersten Quartal war die zivile Instandhaltung mit einem Plus von 30 Prozent. MTU zufolge hat ein hoher Umsatz mit den sehr profitablen Ersatzteilen das Ergebnis getrieben. Der mehr als verdoppelte operative Cashflow hat von hohen Kundenanzahlungen profitiert. Auch für das Gesamtjahr erwartet Stark steigende Umsätze und Erträge und stellt sogleich eine Dividendenausschüttung von rund 40 Prozent des Nettoergebnisses in Aussicht.

KKR macht Kasse

MTU-Großaktionär KKR sieht nun einen günstigen Zeitpunkt auszusteigen. Er stellt 16 Millionen Aktien sowie 4,65 Millionen als Mehrzuteilungsoption und reduziert seine erst vor knapp einem Jahr für 1,5 Milliarden Euro von DaimlerChrysler erworbene 92-Prozent-Beteiligung auf 29,3 Prozent. Dem Triebwerkspezialist selbst fließt ein Bruttoerlös von 308 Millionen Euro zu, der zum weiteren Abbau der Schulden genutzt wird, mit denen KKR die Übernahme finanzierte. Die Eigenkapitalquote wird dann "mehr als verdoppelt", die Schulden werden knapp halbiert.

Starkes Wachstum prognostiziert

Das Triebwerksprogramm des MDax-Anwärters ist meist jünger als bei der Konkurrenz und sichert so das hochprofitable Ersatzteilgeschäft. Goldman Sachs prognostiziert für alle drei Sparten bis 2008 ein starkes Wachstum. Der Umsatz soll von knapp zwei Milliarden Euro 2004 bis dahin auf 2,6 Milliarden steigen, das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 247 auf 343 Millionen Euro. Auch die HypoVereinsbank rechnet mit einem Umsatzplus von jährlich 6,1 Prozent bis 2012.

Zugute kommt MTU auch die enge Zusammenarbeit mit den weltgrößten Herstellern. Allerdings besteht ausgerechnet vom Kooperationspartner Pratt & Whitney eine hohe Abhängigkeit - und der gilt als angeschlagen. Auch der Konkurrenzdruck könnte zunehmen. So übernehmen zum Beispiel manche Airlines selbst die Wartung. Bei der Instandhaltung ziviler Flugzeugtriebwerke belegt MTU weltweit aber Platz eins.

Zeichnen!

Trotz einiger Risikofaktoren scheint der Börsenstart von MTU vor dem Hintergrund der vielversprechenden Perspektiven in der Luftfahrt ein Erfolg zu werden. Die Aktien, die günstiger angeboten werden, als im Vorfeld vermutet, wurden im Graumarkt bereits oberhalb der Zeichnungsspanne gehandelt. Da auch ein entsprechender Preisabschlag zur Konkurrenz weitestgehend berücksichtigt wurde, sollte es sich lohnen, die Aktie zu zeichnen.

Artikel aus DER AKTIONÄR (23/05)

 

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