Mensch und Maschine Software
- DER AKTIONÄR

Im „Flaggschiff“ wird kräftig investiert

Die Mensch und Maschine Software (MuM) kann nicht nur eine überdurchschnittliche Ertragsentwicklung seit 2005 vorweisen, sondern hat im Beteiligungsportfolio Firmen, die technisch auf dem höchsten Stand sind und zweistellige EBIT-Margen erreichen. Verwaltungsratsvorsitzender und Großaktionär Adi Drotleff verrät im Interview mit dem AKTIONÄR, welche „Perlen“ in seinem Konzern verborgen sind.

Die Mensch und Maschine Software (MuM) kann nicht nur eine überdurchschnittliche Ertragsentwicklung seit 2005 vorweisen, sondern hat im Beteiligungsportfolio Firmen, die technisch auf dem höchsten Stand sind und zweistellige EBIT-Margen erreichen. Verwaltungsratsvorsitzender und Großaktionär Adi Drotleff verrät im Interview mit dem AKTIONÄR, welche „Perlen“ in seinem Konzern verborgen sind.

Der Aktionär: Herr Drotleff, wie sind Sie mit dem Verlauf des 3. Quartals zufrieden?

Adi Drotleff: Wir sind auf unserem profitablen Wachstumspfad geblieben. Der Umsatzzuwachs in den ersten neun Monaten lag bei 31 Prozent auf 159,4 Millionen Euro, beim EBIT waren es 49 Prozent auf 7,24 Millionen Euro und beim Nettoergebnis konnten wir mehr als verdoppeln: Von 2,10 Millionen Euro im Vorjahr auf 4,26 Millionen Euro beziehungsweise von 16 auf 33 Cent pro Aktie. Der operative Cashflow war mit über zwölf Millionen Euro (Vorjahr: 2,2 Millionen Euro; Anm. d. Red.) geradezu sensationell, entsprechend stark haben sich die Bilanzrelationen verbessert.

Sind Sie zuversichtlich, dass Sie Ihre eigenen Prognosen von 50 Cent je Aktie für das laufende Jahr erreichen können ?

Adi Drotleff: 50 Cent pro Aktie nach 24 Cent im Vorjahr ist mehr als eine Verdoppelung, also ein durchaus ambitioniertes Ziel. Aber wir haben ja schon 33 Cent nach neun Monaten geschafft, es fehlen also nur noch 17 Cent. Das Schlussquartal ist bei MuM immer eines der stärksten des Jahres. So wie das Geschäft im Moment läuft und die Investitionsneigung der Kunden aussieht, sind wir sehr zuversichtlich.

Mit der Anwendung der Software Ihrer Tochter Open Mind können Ihre Kunden überdurchschnittlich hohe Produktivitätsfortschritte erzielen. Entsprechend hoch sind dort die Margen. Können Sie Open Mind nicht noch stärker forcieren?

Adi Drotleff: Open Mind ist in der Tat unser technologisches „Flaggschiff“, mit dem wir etwa zwei Drittel unserer Wertschöpfung im Segment Eigenprodukte erzielen. Wir decken hier im CAM-Bereich das absolute High-End ab, also die anspruchsvolle Steuerung von hochpräzisen und sehr teuren 5-Achs-Werkzeugmaschinen. Wenn wir hier unseren Kunden durch ausgefeilte Optimierungs-Algorithmen deutlich beschleunigte Fräsvorgänge für Prototypen und Gussformen ermöglichen und damit wertvolle Bearbeitungszeit auf einen Bruchteil des bisher Üblichen einsparen, amortisieren sich auch Softwarepreise bis zu 130.000 Euro pro Arbeitsplatz in kürzester Zeit. Es ist klar, dass wir diesen Bereich sehr stark forcieren. Die Hälfte der mehr als 40 neuen Mitarbeiter, die wir im letzten Jahr konzernweit eingestellt haben, entfällt auf Open Mind. Vor allem beim Vertrieb und im Service haben wir uns hier deutlich verstärkt, um das organische Wachstum weiter anzutreiben.

Ist die Bezeichnung „Hightech-Wert“ für MuM angebracht oder überzogen?

Adi Drotleff: Durch den 60-prozentigen Wertschöpfungsanteil, den der im Moment sehr gut laufende Handel beisteuert, sind wir natürlich kein ganz reinrassiger Hightech-Wert. Aber sowohl die Software, die wir selbst entwickeln, als auch die, die wir als wichtigster Distributor des Weltmarktführers Autodesk verkaufen, ist eindeutig dem Hightech-Bereich zuzuordnen.

Warum haben Sie nur 40 Prozent Ihrer Verlustvorträge aktiviert? Die aktuelle gute Gewinnsituation würde doch mehr erlauben.

Adi Drotleff: Die deutsche Interpretation der IFRS-Regeln ist hier sehr restriktiv und folgt fast mehr dem Vorsichtsprinzip als dem in IFRS an sich gültigen „Fair Value“. Positiv ausgedrückt: Hier liegen stille Reserven, die wir in den nächsten Jahren heben können. Denn durch die gute Gewinnsituation können wir die Verlustvorträge in der Tat zügig nutzen, ohne dass wir schon Tax Assets abschreiben müssen, wie es bei einer höheren Bilanzierungsquote der Fall wäre. Dadurch dürfte unsere Steuerquote für die nächsten 4-5 Jahre bei etwa 25 Prozent liegen und erst danach allmählich ansteigen, bis in etwa 10 Jahren alle Verlustvorträge verbraucht sein werden.

Wie realistisch ist es, dass Sie im kommenden Jahr die 70 Cent je Aktie auf das erhöhte Kapital erzielen können?

Adi Drotleff: Auch wenn wir die EBIT-Rendite in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert haben, sind die bisher erreichten fünf Prozent noch nicht das Ende der Fahnenstange. Mit unserem zwischen Software-Entwicklung und –Handel ausbalancierten Geschäftsmodell können wir bis zu sieben Prozent operative Marge erreichen. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr bei 15 Prozent Umsatzsteigerung mehr als 30 Prozent EBIT-Zuwachs schaffen können.
Der zweite Hebel für das Nettoergebnis liegt im Finanzbereich, wo wir dieses Jahr immer noch Kosten von über zwei Millionen Euro haben werden. Aufgrund der deutlich gesunkenen Verschuldung und mit dem zusätzlichen Effekt der Kapitalerhöhung sollte 2008 eine Reduzierung der Finanzkosten um bis zu 50 Prozent möglich sein. Diese beiden Effekte zusammen machen uns zuversichtlich, den Gewinn pro Aktie trotz der leicht erhöhten Aktienanzahl um etwa 40 Prozent auf 70 Cent steigern zu können.

Glauben Sie immer noch an einen Aktienkurs von 15 Euro?

Adi Drotleff: Absolut. Wenn wir so weiter wachsen, dann knacken wir spätestens 2010 die Marke von einem Euro beim Gewinn pro Aktie, insofern wäre 15 Euro absolut keine Fantasiebewertung. Die Aktie darf aber ruhig noch zwei oder drei Jahre brauchen, bis sie eine solche Höhe erklimmt. Dass ich fest an die Unterbewertung der MuM-Aktie glaube, habe ich ja schon dadurch dokumentiert, dass ich 2006 und 2007 meinen Aktienbestand um mehr als 650.000 Stück aufgestockt und dafür über 3,5 Millionen Euro in die Hand genommen habe.

Bald zweistellig?

Erreicht Mensch und Maschine die gesteckten Ziele – und die derzeitige Geschäftsentwicklung lässt daran wenig Zweifel - liegt das 2008er-KGV bei günstigen 9. Angesichts der hohen Wachstumsraten wäre die MuM-Aktie auch bei zweistelligen Kursen noch günstig.
Zumal in der Tochter Open Mind noch eine Menge Wachstumsfantasie steckt. Sollte es Vorstandschef Adi Drotleff irgendwann einfallen, Open Mind an die Börse zu bringen, dürfte der MuM-Kurs durch die Decke gehen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 43/2007.

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