Hochtief
- Markus Bußler - Redakteur

Hochtief: Jetzt geht’s rund

Bei Hochtief wird offensichtlich mit harten Bandagen um die Macht in der Konzernzentrale gekämpft. Auf Druck des spanischen Großaktionärs ACS steht der Essener Baukonzern überraschend vor einem radikalen Führungswechsel. Vorstandschef Frank Stieler soll „einvernehmlich“ aus dem Vorstand ausscheiden.

Auch der Nachfolger steht bereits fest: Das spanische Vorstandsmitglied Marcelino Fernandez soll künftig die Geschicke leiten. Außerdem plane auch Aufsichtsratschef Manfred Wennemer sein Mandat zum Jahresende „aus persönlichen Gründen" niederzulegen. Der frühere Conti-Chef führt das Kontrollgremium bei Hochtief erst seit Mai 2011. Hintergrund der Wechsel an der Spitze soll ein Streit der Hochtief-Manager mit ACS über den künftigen Kurs des Unternehmens sein, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Unternehmenskreisen. ACS brauche dringend Geld und wolle Hochtief zerschlagen, hieß es aus den Kreisen. Im Unternehmen verbreite sich Sorge um die Zukunft.

Hohe Verluste

Der spanische Konzern war im vergangenen Jahr nach einer Übernahmeschlacht bei Hochtief eingestiegen und hatte dafür nach Schätzungen schrittweise über Aktienkäufe zwischen 1,9 und 2,6 Milliarden Euro bezahlt. Laut Börsenkreisen soll der Anteil aber aktuell nur noch rund die Hälfte wert sein. Aktuell kontrolliert ACS 54,3 Prozent der Hochtief-Anteile und hat angekündigt, weiter aufstocken zu wollen. Der spanische Baukonzern ist hoch verschuldet und hatte allein in den ersten neun Monaten einen Verlust von rund 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. ACS stehe selbst mit dem Rücken zur Wand, hieß es aus den Kreisen. Hochtief hatte dagegen nach einem Verlust von rund 160 Millionen Euro 2011 im dritten Quartal dieses Jahres wieder schwarze Zahlen geschrieben und strebt für das Gesamtjahr einen Gewinn von knapp unter 180 Millionen Euro an.

Kurzfristig könnte die Meldung über eine mögliche Zerschlagung des Unternehmens den Kurs durchaus beflügeln. Von jeher ist die Hochtief-Aktie deutlich niedriger bewertet, als ihre Einzelteile. Doch der Nutzen für die Aktionäre dürfte sich im überschaubaren Rahmen halten. Letztlich dürfte ACS vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht sein. Für das Unternehmen selbst und die Beschäftigten dürften angesichts dieser Meldungen die Alarmglocken läuten.

(mit Material von dpa-AFX)

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| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

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