BWIN INTERACTIVE ENTMT AG
- DER AKTIONÄR

Hoch gepokert - und doch verloren?

Der Konflikt um Sportwetten in Deutschland und den Internet-Anbieter Bwin geht in eine neue Runde. Nachdem der Freistaat Sachsen dem Unternehmen die Lizenz entzogen hat, kündigen der Inhaber des Wettanbieters und das Deutsche Sportfernsehen rechtliche Schritte an. Alfred Reisenberger, Analyst bei der Bank Austria, äußerte sich im Deutschen Anleger Fernsehen DAF zu den weiteren Aussichten des Wettanbieters.

Der Konflikt um Sportwetten in Deutschland und den Internet-Anbieter Bwin geht in eine neue Runde. Nachdem der Freistaat Sachsen dem Unternehmen die Lizenz entzogen hat, kündigen der Inhaber des Wettanbieters und das Deutsche Sportfernsehen rechtliche Schritte an. Alfred Reisenberger, Analyst bei der Bank Austria, äußerte sich im Deutschen Anleger Fernsehen DAF zu den weiteren Aussichten des Wettanbieters.

Fakten und Ansichten

Steffen Pfennigwerth, Inhaber des Wettanbieters bwin e.K., will das Vorgehen Sachsens nicht hinnehmen. Er kündigte an, alle Rechtsmittel auszuschöpfen und Schadenersatzansprüche im Umfang von rund 500 Millionen Euro zu erheben. Zudem wolle er die Untersagungsverfügung Sachsens innerhalb der gesetzten Frist von zwei Wochen vom Verwaltungsgericht Dresden wieder aufheben lassen. Er unterstellte der Politik, nur aus fiskalischen Gründen am staatlichen Wettmonopol des Anbieters Oddset festzuhalten. Auch das Deutsche Sportfernsehen erwägt rechtliche Schritte, da der Sender Einnahmeausfälle in Millionenhöhe befürchtet. Sollte Bwin die Geschäfte nicht ruhen lassen, drohen ein Zwangsgeld von 25 000 Euro sowie juristische Maßnahmen.

Neues Ungemach

Neben der Untersagungsverfügung droht Bwin noch von anderer Seite Ärger: Der sächsische Fiskus prüft seit 2003, ob bwin E.K. mit einer Wettsteuer in Höhe von 16,66 Prozent belegt werden könnte. Das würde zu Belastungen von mehrere 100 Millionen Euro führen. Den fälligen Betrag könne die deutsche Tochter wohl nicht zahlen, sagte Bwin-Vorstand Norbert Teufelberger gegenüber der Süddeutschen Zeitung. "Das Verfahren beim Fiskus läuft noch", bestätigte Teufelberger weiter Er halte es für möglich, dass der sächsische Fiskus die deutsche Tochtergesellschaft mit einer hohen Steuerforderung "in den Konkurs schicken" wolle. Für den Fall, dass die Finanzbehörden gegen Bwin vorgingen und sich durchsetzten, wird in einem wenige Monate alten Börseprospekt von Bwin ausdrücklich auf eine drohende Insolvenz der Firma hingewiesen.

Analyst: "Finger weg!"

Die Untersagungsverfügung und die Steuerproblematik für Bwin in Deutschland wird von dem Analysten der Bank Austria , Alfred Reisenberger, als "extrem schlechte Nachricht" eingeschätzt. Dadurch brechen 30 bis 40 Prozent des Geschäfts von Bwin weg, so Reisenberger im Deutschen Anleger Fernsehen. Der Online-Wettanbieter dürfte auf einen Schlag rund eine Million Kunden verlieren. Reisenberger hält auch das Geschäftsmodell der Österreicher für insgesamt „zu aufgeblasen.“ Derzeit rät der Analyst den Anlegern bei der Bwin-Aktie, ihre "Finger weg" zu lassen. Bereits investierte Anleger sollten erste Erholungstendenzen der Aktie nutzen, um den Titel zu verkaufen. Die Bank Austria hatte das Rating für den Titel von Bwin bereits am Mittwoch ausgesetzt, da eine seriöse Einschätzung des Unternehmens derzeit kaum zu verwirklichen sei.

Der Aktienkurs von Bwin legt am Freitag im Frankfurter Handel zur Mittagszeit um vier Prozent auf 26,00 Euro zu, nachdem der Wert in den vergangenen Tagen heruntergeprügelt wurde. Noch im Mai wechselten die Papiere für über 100 Euro ihren Besitzer.

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