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Hoch die Tassen!

In der Spirituosen-Industrie bahnt sich ein Milliarden-Deal an: Pernod Ricard plant mit Hilfe von Fortune Brands den größeren Konkurrenten Allied Domecq zu übernehmen. Geschätzter Kaufpreis: 13,5 Milliarden Dollar. Unter dem gemeinsamen Dach firmieren Weltmarken wie Ballantines, Jim Beam oder auch Chevas Regal.

In der Schnaps-Industrie bahnt sich ein Milliarden-Deal an: Pernod Ricard plant mit Hilfe von Fortune Brands den größeren Konkurrenten Allied Domecq zu übernehmen. Geschätzter Kaufpreis: 13,5 Milliarden Dollar. Unter dem gemeinsamen Dach firmieren Weltmarken wie Ballantines, Jim Beam oder auch Chevas Regal.

Von Martin Weiß

An der Börse passiert es selten, dass alle Marktteilnehmer einer Meinung sind. Umso erstaunlicher ist deshalb die Reaktion der Investoren auf die Ankündigung, der französische Spirituosenhersteller Pernod-Ricard bereite mit Hilfe von Fortune Brands (USA) eine Übernahmeofferte für den größeren Konkurrenten Allied Domecq (England) vor. Paradox: Die Kurse aller beteiligten Firmen schlossen am Dienstagabend fester.

Aus drei mach zwei

Während Allied Domecq einen Satz um 17,3 Prozent auf 47,81 Dollar machten, ging es für Pernod Ricard um 5,3 und für Fortune Brands um 1,7 Prozent nach oben. Üblicherweise gibt der Aktienkurs des Käufers wegen der bevorstehenden Kostenbelastung nach. In diesem Fall spekulieren die Anleger aber darauf, dass ein Deal die Wettbewerber in eine günstigere Position zum Marktführer Diageo bringt. Kommt es zu einem Abschluss, dann werden die beiden Käufer das Weltklasse-Sortiment (siehe Kasten) von Allied Domecq unter sich aufteilen.

Verhandlungen bestätigt

Die drei Unternehmen bestätigten am Vorabend zwar jeweils Verhandlungen, sagten aber, die Gespräche befänden sich "in einem frühen Stadium". Inoffiziellen Quellen zufolge soll eine Einigung lediglich eine Frage "von Wochen, nicht von Monaten" sein. Zurzeit tüfteln die Manager Möglichkeiten aus, wie sie einen Teil der Getränkemarken nach dem Zusammenschluss von Pernod-Ricard und Allied Domecq an Fortune Brands abspalten können. Unklar ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch, in welchem Umfang sich die Amerikaner an dem Geschäft beteiligen und welche Produkte sie für ihr Engagement erhalten.

Gemeinsame Sache mit dem Feind

In jedem Fall wird Fortune Brands seine Position in Europa verbessern. Pernod-Ricard wird nach Expertenmeinung mit Allied Domecq eigene Produktlücken schließen, beispielsweise im Wodka-Segment, und Überlappungen vermeiden. Mit einer solchen Strategie umginge der Konzern mögliche Probleme mit den Kartellbehörden. Dass der Deal zustande kommt, ist für Branchenkenner ausgemachte Sache. "Pernod-Ricard hat Erfahrung darin, mit Hilfe Dritter eigene Ziele zu erreichen", sagte ein Analyst. Tatsächlich haben sich die Franzosen schon 2001 mit Diageo verbündet, um an Seagrams Getränkemarken zu gelangen.

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