- DER AKTIONÄR

Hier spielt die Musik

Von Alfred Maydorn

Erste Versuche, Musik nicht nur im Plattenladen zu verkaufen, sondern auch im Internet per Download anzubieten gab es schon 1997 in den Anfangszeiten des Internets. Damals scheiterte der Durchbruch der Musik aus dem Netz aber vor allem an den zu niedrigen Bandbreiten, die zu extrem langen Ladezeiten führten. Als das Internet endlich schneller wurde, schossen dann illegale Musik-Tauschbörsen wie Pilze aus dem Cyberspace. Kostenlos wurden - und werden bis heute - Millionen Songs ohne Bezahlung aus dem Netz heruntergeladen.

Endlich wird Geld verdient

Mittlerweile ist es der Musik-Industrie durch harte Strafen gegen die illegalen Kopierer und der Unterstützung legaler Musik-Portale gelungen, mit der digitalen Musik Geld zu verdienen. Im letzten Jahr wurden in den USA und Europa insgesamt rund 200 Millionen Musik-Titel gegen Bezahlung aus dem Internet geladen - zehnmal so viele wie im Vorjahr. Der Gesamtumsatz des Online-Musikmarktes kletterte auf 330 Millionen Dollar. Die Zahl der Internet-Seiten für den legalen Musikverkauf hat sich gegenüber dem letzten Jahr von 50 auf 230 erhöht.

Apple sahnt ab

Allerdings verteilt sich der warme Geldregen, der endlich über der digitalen Musikwelt niedergeht, längst nicht gleichmäßig auf die Anbieter. Überdurchschnittlich viele Taler sind im vergangenen Jahr beim US-Unternehmen Apple gelandet. Apple-Chef Steve Jobs hat mit der Eröffnung des "iTunes Music Store" im April 2003 erneut sein Gespür für lukrative Trends erkannt und überdies mit dem iPod direkt das passende Abspielgerät auf den Markt gebracht. Mittlerweile hat der iPod einen Marktanteil von rund 80 Prozent und über iTunes wurde gerade der 250.000.000ste Song kostenpflichtig heruntergeladen. Im Weihnachtsquartal 2004 verkaufte Apple über vier Millionen iPods und erzielte nicht zuletzt deswegen das beste Quartalsergebnis in der Unternehmensgeschichte. Der Gewinn hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf 295 Millionen Dollar mehr als vervierfacht.

Napster ist wieder da

Von derartigen Gewinnen sind die anderen Anbieter digitaler Musik-Plattformen weit entfernt, so etwa Napster. Ende der 90er-Jahre wurde Napster bekannt als größte illegale Tauschbörse, gegründet von einem 19-jährigen Studenten. Nach dem Verbot von Napster hat sich das US-Unternehmen Roxio die Namensrechte gesichert. Mittlerweile ist Napster als legaler und kostenpflichtiger Musikdienst wieder im Netz und hat bereits 270.000 Abonnenten. Im Gegensatz zu Apples iTunes Music Store, bei dem pro Song ein Dollar bezahlt werden muss, kann man sich bei Napster für 15 Dollar so viele Lieder herunterladen, wie man will. Die Titelauswahl hat mittlerweile die Marke von einer Million überschritten. Im vergangenen Jahr hat sich Roxio in Napster umbenannt und sein altes Software-Kerngeschäft verkauft. Zukünftig soll das Geld nur noch mit den Musik-Abos verdient werden. Bisher erwirtschaftet Napster aber noch Verluste. Ohne die Sonderverkaufserlöse der Software-Sparte hat Napster im vierten Quartal 2004 16,4 Millionen Dollar verloren. Gewinne wird die Musikplattform wohl frühestens im Jahr 2007 einfahren.

Die Zukunft liegt im Abo

Etwas besser sieht es da beim dritten großen börsennotierten Musikportal-Betreiber Realnetworks aus. Im laufenden Geschäftsjahr 2005 wird zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet. Immerhin hat "Rhapsody" von Realnetworks bereits 700.000 zahlende Abonnenten und damit in etwa doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Experten gehen davon aus, dass sich langfristig die Musik-Abo-Dienste gegenüber dem Einzelverkauf von Liedern durchsetzen werden, weil sich so mehr Geld verdienen lässt. Die aktuelle Situation sieht freilich anders aus: Einzig Apple verdient mit seiner Musikplattform Geld - und Apple verkauft die Songs einzeln. Noch liegt Apple im Kampf um die Vorherrschaft im digitalen Musik-Business weit in Front, doch die Konkurrenten Realnetworks und Napster holen auf. Gleiches gilt auch für die Aktienkurse: Während der Kurs von Apple in den letzten Monaten um fast 300 Prozent zugelegt hat, halten sich die Zuwächse bei den Aktien von Napster mit knapp 50 Prozent und Realnetworks mit lediglich zehn Prozent Steigerung in Grenzen.

Napster und Realnetworks mit Aufholpotenzial

Fazit: Sowohl Napster als auch Realnetworks haben im Vergleich zu Apple noch Nachholpotenzial, zumal sie mit dem Abo-Dienst langfristig das aussichtsreichere Geschäftsmodell haben. Auf dem Weg in die schwarzen Zahlen dürften die Kurse allerdings weiterhin starken Schwankungen unterworfen sein. Da noch unklar ist, wer von beiden das Rennen macht, sollten interessierte Anleger eventuell in beiden Papieren eine kleine Position aufbauen.

Die Zukunft liegt im Abo

Realnetworks

 

ISIN US75605L1044
Kurs am 24.02.2005 4,70 €
Empfehlungskurs 4,87 €
Ziel 7,80 €
Stopp 3,90 €
Chance/Risiko 4/3

 

Napster

 

ISIN US6307971084
Kurs am 24.02.2005 5,50 €
Empfehlungskurs 6,20 €
Ziel 11,00 €
Stopp 4,80 €
Chance/Risiko 5/4

 

Hinweis: Der Artikel ist in Ausgabe #09/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

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