Grammer
- DER AKTIONÄR

Heißer Flirt

Im Frühling 2005 notierte Grammer noch bei 30 Euro. Vor Kurzem markierte die Aktie mit 14,74 Euro ein 3-Jahrestief. Damit sei Grammer ein Übernahmekandidat, so der Betriebsratsvorsitzende Udo Fechtner jüngst in einem Interview. Wie wahr!

Klare Ansage von Polytec: Die Österreicher wollen den Konkurrenten Grammer übernehmen. Kommt die Aktie des SDAX-Konzerns endlich in Schwung?

Im Frühling 2005 notierte Grammer noch bei 30 Euro. Vor Kurzem markierte die Aktie mit 14,74 Euro ein 3-Jahrestief. Damit sei Grammer ein Übernahmekandidat, so der Betriebsratsvorsitzende Udo Fechtner jüngst in einem Interview. Grammer-Finanzvorstand Alois Ponnath ergänzte: „Wir stehen sicherlich auf dem Bildschirm von Unternehmen, die nach unterbewerteten Firmen suchen.“ Wie wahr! Vor wenigen Tagen gab Polytec den Kauf eines 9,6-Prozent-Anteils an Grammer bekannt. Laut Polytec-Chef Friedrich Huemer ist das erst der Anfang: „Wir streben bis zu 100 Prozent an.“

Geringer Börsenwert, hoher Umsatz

Im nächsten Schritt müssen sich die Österreicher mit den Grammer-Großaktionären einigen. Die Investmentgesellschaft Axxion und der Private-Equity-Fonds EQMC halten zusammen 15 Prozent an den Ambergern.Nach dem Kurssturz wird Grammer an der Börse derzeit lediglich mit 173 Millionen Euro bewertet – bei einem erwarteten Umsatz für 2008 von einer Milliarde Euro. Das KGV für das laufende Jahr beläuft sich gerade einmal auf 8, womit die Aktie im Branchenvergleich günstig ist. Grund für die schwache Performance sind mehrere Gewinnwarnungen im letzten Jahr, ausgelöst unter anderem durch den hohen Kostendruck in der Branche.

Rosskur verordnet

Mittlerweile ist Grammer aber auf dem Weg der Besserung. Rolf-Dieter Kempis, der seit letztem Sommer die Geschicke bei dem Unternehmen leitet, hat Grammer einen strengen Sparkurs verordnet. 700 der 9.000 Stellen fallen weg, die jährlichen Kosten sollen um 30 Millionen Euro sinken. Grammer verfügt über eine starke Stellung in Südamerika, Osteuropa und China, was die Firma besonders attraktiv für Polytec macht. Zudem ergänzen sich die Geschäftsbereiche perfekt: Grammer ist Spezialist für Kopfstützen, Mittelkonsolen und Armlehnen für Pkws und stellt Sitze für Busse und ICEs her. Polytec beliefert die Autoindustrie mit Dachhimmeln und Türverkleidungen. Finanziell wäre die Übernahme kein Problem für Polytec, die nach eigenen Angaben den Coup ohne Kapitalmaßnahme stemmen könnte.

Fazit

Grammer ist auf dem jetzigen Niveau günstig bewertet, vor allem angesichts der positiven Aussichten für die Branche: Mit steigendem Wohlstand werden sich immer mehr Menschen ein Auto leisten können, wovon natürlich auch die Zulieferer profitieren. Zudem sorgt das Werben von Polytec für Übernahmefantasie. Kaufen!

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 06/2008.

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