Commerzbank
- Werner Sperber - Redakteur

Heibel: Commerzbank wird wohl eine Gewinnwarnung herausgeben

Die Fachleute des Heibel-Ticker erklären, die Commerzbank ist in der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission gefangen und kann deshalb den Gewinn nicht steigern. Die Marktbedingungen dürften anhaltend schwer bleiben. Eine kurzzeitige Gegenbewegung des Aktienkurses ist überfällig, doch für langfristig steigende Notierungen müssen sich die Politiker ändern.

Die Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Schuldenkrise kann nur als strategische Entscheidung der Commerzbank verstanden werden. Diese Strategie lautete: Wir kümmern uns um Privatkunden und den Mittelstand. Weg vom Eigenhandel, aber auch weg vom Investmentbanking. „Folglich ist die Rechtsabteilung der Commerzbank auch um ein Vielfaches kleiner als die von der Deutschen Bank.“ Dennoch leidet die Commerzbank genau wie alle anderen europäischen Banken unter den hohen Regulierungskosten, die seit der Finanzkrise Jahr für Jahr zusätzlich von den Europa-Politikern auferlegt werden.

Auch die EZB verhindert mit ihrer Geldpolitik, dass insbesondere die in Deutschland so wichtigen kleinen Sparkassen und Volksbanken am traditionellen Bankgeschäft Geld verdienen (Hier dürfte es schon bald zu einer heftigen Konsolidierungswelle kommen an dessen Ende der Rückhalt der deutschen Wirtschaft, nämlich das feingliedrige Bankennetz für die unterschiedlichen Bedürfnisse des Mittelstands, unter die Räder gerät.). In diesem Geschäft verdienen Banken an der Zinsdifferenz zwischen Spareinlagen und ausgeliehenen Krediten. Kredite werden über lange Laufzeiten vergeben, Spareinlagen legt man meist nur für kurze Zeit fest. Zusätzlich zum Zinsunterschied zwischen Soll und Haben verdienen Banken also an dem unterschiedlichen Zins für kurze und lange Laufzeiten. In der Regel ist der langfristige Zins deutlich höher als der kurzfristige. Die EZB senkte den kurzfristigen Zins für die Geschäftsbanken ins Minus. Die Geschäftsbanken werden sich hüten, die Spareinlagen ebenfalls mit einem Minus-Zins zu bestrafen, denn sie brauchen dieses Geld der Sparer als Polster für die Kreditgeschäfte. Die EZB verlangt Mindesteinlagen der Geschäftsbanken, wofür diese Geschäftsbanken 0 Prozent Zinsen erhalten. Wenn sie zu viel auf den EZB-Konten haben, müssen sie dafür 0,4 Prozent Strafzinsen bezahlen und wenn sie zu wenig zwangseigelegt haben 2,75 Prozent. Da sich die Mindesteinlagen-Summe täglich ändert, haben die Geschäftsbanken tendenziell zu viel bei der EZB hinterlegt. Dieses Geld fehlt für neue Kredite und kostet die Geschäftsbanken zusätzlich Geld. In einem „normalen“ Zinsumfeld hätten die Geschäftsbanken diese Kosten nicht. Der Strafzins führt also eher zu einer niedrigeren Kreditvergabe und nicht, wie von Politikern behauptet, zu einer höheren Motivation, Darlehen auszugeben. Die Geschäftsbanken können höchstens durch ein hohes Kreditvolumen versuchen, den Gewinn zu stützen. Doch dabei steigt das Ausfallrisiko für die Geschäftsbanken.

Die EZB verringert zudem de facto den Zinssatz „am langen Ende“, also dort, wo die Geschäftsbanken an den Guthabenzinsen verdienen würden. Sie setzt also wichtige Marktmechanismen außer Kraft. Die EZB kauft Anleihen von Unternehmen auf und nimmt den Geschäftsbanken dabei die Möglichkeit solche Anleihen zu einem Zinssatz zu bekommen, der dem Risiko entspricht. Die Spanne zwischen dem Zins für die ausgegebenen Kredite und dem, welchen die Geschäftsbanken aus Anleihe-Geschäften erhalten, ist also stark gesunken. In den USA reicht die Zinsspanne von 0,2 Prozent am kurzen Ende bis 1,5 Prozent für zehnjährige Anleihen; insgesamt also 1,3 Prozent Zinsunterschied durch die Laufzeit. In Europa reicht die Spanne von minus 0,4 bis plus 0,1 Prozent, also insgesamt nur 0,5 Prozent, während sich die negativen Zinsen jedoch noch als zusätzliche Belastung auswirken.

Sogenannte Fintech-Unternehmen bieten verschiedene Bankleistungen an und erschweren es den herkömmlichen Geschäftsbanken höhere Gebühren zu verlangen. Diese Fintech-Welle beginnt erst und es ist absehbar, dass die Anwendungen wesentlich kundenfreundlicher werden und gleichzeitig die Gebühren sinken.

Martin Zielke, der neue Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, kann neue Chancen an der oben genannten Konsolidierung der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen erschließen. Doch Übernahmen kosten Geld, verwässern die Aktionärsbasis und brauchen Zeit, bis sie sich vorteilhaft auf die Gewinnentwicklung auswirken.

Das Management der Commerzbank stellt eine Dividendenrendite von 4,0 Prozent für dieses und sogar von 4,8 Prozent für das nächste Jahr in Aussicht. Das KGV für das laufende Jahr beträgt nur 8 und der Buchwert je Aktie 23,50 Euro. Damit ist die Aktie zwar günstig bewertet, doch das Brexit-Referendum lässt erwarten, dass die Zinsen noch länger sehr niedrig bleiben und die Notenbanken vielleicht noch mehr Geld ausgeben. Zunächst läuft die Commerzbank also auf eine Phase zu, in der die Gewinnziele und gegebenenfalls auch die Dividenden-Versprechen gesenkt werden müssen. Das Geschäft und damit die Commerzbank werden durch die Politiker und die EZB stark geschwächt, sie ist gefangen in politischen Entscheidungen. Es fehlt die Einsicht, die Europa-Politiker und die EZB schwächen den deutschen Mittelstand stark. Schließlich könnte die Commerzbank zum Übernahmeziel werden – zu einem wesentlich günstigeren Aktienkurs. Eine kurzzeitige Gegenbewegung ist überfällig und bedarf vermutlich nur eines kleinen Auslösers. Die Fachleute des Heibel-Ticker gehen jedoch langfristig von sinkenden Kursen aus.

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