Bayer
- Alfred Maydorn - Redakteur

Hast Du Eier, kaufst Du Bayer

„Eier, wir brauchen Eier“ sagte Torwart-Legende Oliver Kahn im Jahr 2003 nach einem verlorenen Spiel auf Schalke. Und genau die braucht es auch jetzt, um eine Aktie wie Bayer zu kaufen, die sich nach der Ankündigung der Monsanto-Übernahme im freien Fall befindet. Aber wenn es sich um einen Qualitätswert wie Bayer handelt, dann dürfte ein solcher Kauf auch belohnt werden – Monsanto hin oder her. 

Selten gab es bei einer angekündigten Übernahme so unterschiedliche Einschätzungen wie beim Bayer-Monsanto-Deal. Die einen sind der Meinung, beide Firmen würden sich ideal ergänzen, die anderen warnen vor einem drohenden Imageverlust für Bayer und fast alle Marktbeobachter sind sich einig, dass der Kaufpreis zu hoch sei.

Und dann gibt es ja auch noch kartellrechtliche Hürden zu überwinden. Bisher liegen sämtliche angekündigte Übernahmen oder Fusionen in der Agrarbranche noch immer auf Eis, unter anderem der schon Ende 2015 angekündigte Zusammenschluss der beiden US-Konzerne Dupont und Dow Chemical. 

Aktienkurs als Indikator

Dass die Übernahme von Monsanto alles andere als ausgemachte Sache ist, lässt sich vor allem am Kurs der Aktie von Monsanto ablesen. Normalerweise steigen Aktien nach angekündigten Übernahmen relativ dicht an den zu zahlenden Übernahmepreis. Bayer will bekanntlich 122 Dollar pro Aktie zahlen. Aber von diesem Niveau ist das Papier meilenweit entfernt, Monsanto notierte gestern nie höher als 110 Dollar und beendete den Handel an der Wall Street sogar bei nur 106 Dollar. Das sind zwar immer noch 14 Dollar mehr als vor den ersten Übernahmespekulationen, aber eben sogar 16 Dollar weniger, als Bayer bezahlen will. 

Kursziel 130 Euro

Die Zweifel an einem Zustandekommen des Deals sind also hoch. Vor allem gibt es kartellrechtliche Bedenken. Immerhin wäre Bayer mit Monsanto sowohl der größte Anbieter von Saatgut als auch die Nummer 1 beim Pflanzenschutz. Beruhigen könnte man die Kartellwächter vermutlich mit teilweisen Verkäufen einzelner Geschäftsbereiche von Monsanto. Das hätte auch den netten Nebeneffekt, dass sich der Gesamtkaufpreis für die Übernahme reduzieren würde. Genau diesen Weg sehen auch die Analysten des Bankhauses Lampe als Option, die gestern ihre Kaufempfehlung für die Bayer-Aktie bestätigt haben und an ihrem Kursziel von 130 Euro festhalten. 

Deal oder No-Deal?

130 Euro – das sind für einen DAX-Wert stolze 50 Prozent Potenzial. Aber solche Kurse sind alles andere als Mondpreise, schließlich wurden vor gut einem Jahr schon über 140 Euro für eine Bayer-Aktie bezahlt. Vielleicht werden diese Kurse nicht in den nächsten 12 Monaten wieder erreicht, aber ich würde mich schon sehr wundern wenn die Bayer-Aktie in zwei oder drei Jahren nicht deutlich höher als 140 Euro notieren würde – völlig egal ob der Monsanto-Deal nun klappt oder nicht. Ohne Monsanto geht es vermutlich deutlich schneller, mit Monsanto wahrscheinlich weitaus höher. 

Zeit für Eier

Es ist daher eher unerheblich, ob man die Bayer-Aktie gestern bei 87 Euro oder heute bei 84 Euro oder morgen vielleicht bei 82 Euro kauft, das absolute Tief erwischt man ohnehin nicht. Aber es wäre doch sehr schade, wenn der Monsanto-Deal vielleicht in einigen Tagen platzt, die Bayer-Aktie wieder auf 100 Euro und darüber steigt und man die Schnäppchenpreise nicht genutzt hat – oder anders ausgedrückt, einfach „keine Eier“ hatte. 

Dieser Kommentar von Alfred Maydorn ist heute früh im kostenlosen Newsletter „Maydorns Meinung“ erschienen, den Sie mit diesem Link bestellen können. Alle neuen Besteller erhalten zusätzlich die neue maydornreport-Sonderstudie „Die Spekulation des Jahres: 280 Prozent Gewinn mit der Aktie der Zukunft“ (Bayer ist es übrigens nicht).

 

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  • Markus Georg Harder -
    Das habe ich vor drei Tsgen genauso gesehen, die Chancen bei Kauf von bayer bei einem KGV von 13 ist da wesentlich höher für einen fetten gewinn als für eine Verlust.sa

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| Werner Sperber | 0 Kommentare

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