DAX
- Michael Schröder - Redakteur

Happy Birthday, DAX! Ein Rückblick

Am 1. Juli feiert der DAX Geburtstag. Der heimische Leitindex wird 25. Seit seiner Geburtsstunde am 1. Juli 1988 ging es für den Deutschen Aktienindex steil bergauf. Am 20. März 1998 notierte der DAX erstmals über der 5.000-Punkte-Marke. DER AKTIONÄR blickt zurück.

Alle fünf Jahre gerät die ruhige Welt des Frank Mella etwas aus den Fugen. Das ist immer so, wenn ein großes Jubiläum ansteht. Ständig klingelt das Telefon, gleich daneben rattert das Faxgerät und wartet sehnsüchtig auf eine Auszeit. Es scheint, als wolle zurzeit die ganze Finanzwelt mit Frank Mella sprechen. Wen wundert's, schließlich feiert der DAX, der Deutsche Aktienindex, am 1. Juli 2013 seinen 25. Geburtstag. Es waren weder die Deutsche Börse noch die Deutsche Bank oder die viel zitierten Schweizer, die den DAX erfunden haben. Es war Frank Mella, der im Jahr 1988 das Börsenbarometer in mühevoller Kleinstarbeit kreiert hat. Bereits als Jugendlicher war Frank Mella von der Börse fasziniert. Während seine Schulkollegen mit dem Rad zum Fußballtraining strampelten oder zum Zeltlager aufbrachen, ging Mella einem etwas außergewöhnlichen Hobby nach. Er studierte Börsenkurse. Mit der Unterschrift des Vaters wurde er auch bald zum ersten Mal Aktionär. Mella kaufte Papiere der damaligen Veba AG.

Das war im Jahr 1965. Mella hat seine Börsen-Faszination noch gesteigert. Wenige Jahre später arbeitete er als Redakteur bei der Börsen-Zeitung, als der Verleger an ihn herantrat, um einen Index für den Finanzplatz Deutschland zu entwickeln. In einem Exposé, inspiriert von seinen Besuchen des Börsenplatzes in Chicago, begeisterte Mella sowohl Verleger als auch Banker. Heraus kam der Deutsche Aktienindex (DAX).

Erstnotiz

Der DAX ist historisch mit dem Index der Börsen-Zeitung, der seit 1981 viermal börsentäglich berechnet wurde, und dessen Vorgänger (Hardy-Index) verknüpft. Daher kann man ihn auch bis in das Jahr 1959 zurückrechnen. Der neue DAX wurde erstmals am 30. Dezember 1987 berechnet. Mit von der Partie waren schon damals unter anderem die Allianz, BASF, RWE oder VW. Aber auch Konzerne, die mittlerweile aus den Köpfen der Anleger verschwunden sind, wie eine Deutsche Babcock, eine Feldmühle Nobel oder der Kaufhof und die Viag gehörten zur ersten Garde. Damals wurde der Index mit 1.000 Punkten wiedergegeben. Ab dem 1. Juli 1988 erfolgte dann eine tägliche Berechnung - die offizielle Geburtsstunde des heutigen Leitindex. Eine entscheidende Rolle spielte neben Frank Mella auch Artur Fischer, damals Direktor der Frankfurter Börse. Fischer sorgte dafür, dass die Kurse erstmals elektronisch erfasst werden konnten. Nur so ließ sich der Index im Minutenrhythmus berechnen. Fischer war es auch, der die große Anzeigetafel im Börsensaal aufhängen ließ. Der Name DAX stammt im Übrigen nicht von Frank Mella selber, sondern die Idee hatte Manfred Zaß, damals der stellvertretende Vorsitzende der Frankfurter Börse.

Das Beste und Feinste

Aus der innovativen Idee von Mella und Co ist eine echte Erfolgsstory geworden. Als regelmäßiger Begleiter der Finanzindustrie ist der deutsche Leitindex nicht mehr wegzudenken. „Der DAX ist eine wunderbare Erfolgsgeschichte. Wenn auch durch einzelne Krisen geschüttelt, ging es doch immer aufwärts. Die 30 DAX-Werte spiegeln einfach das Beste und Feinste aus unserer Wirtschaft wider", freut sich Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Made in Germany hat sich auch an der Börse zu einem echten Gütesiegel entwickelt.

Die Performance im letzten Vierteljahrhundert kann sich auch sehen lassen: Seit seiner Einführung hat der DAX jährlich um durchschnittlich 8,6 Prozent zugelegt. „Davon gehen allein 2,7 Prozentpunkte auf die Dividendenrendite, die damit eine hervorragende Ersatzbefriedigung für renditeschwache Anleihen von beispielsweise Bundeswertpapieren ist", erklärt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Startschwierigkeiten

Mit eingerechnet sind die zum Teil verheerenden Krisen, die über die Welt und die Wirtschaftsnation Deutschland hinweggefegt sind. Eine dieser Krisen fand zwar bereits im Oktober 1987, also kurz vor der offiziellen Einführung des DAX statt, hinterließ aber noch acht Monate später ihre Spuren. „Eigentlich kann ich mich gar nicht so richtig an den 1. Juli 1988 erinnern. Wir haben damals alle noch unsere Wunden vom Oktober 87 geleckt", erinnert sich Michael Kollenda, Vermögensverwalter bei der Salutaris AG. „Am 19. Oktober 1987, der als ‚Schwarzer Montag' in die Geschichte eingegangen ist, brach der Dow Jones an der Wall Street um rund 22 Prozent ein", so der Börsen-Kenner.

Trotz der Startschwierigkeiten bahnte sich der neue Leitindex seinen Weg nach oben. Am 18. November 1996 kam die Deutsche Telekom an die Börse. Der „Rosa Riese" platzierte in einer ersten Tranche 713 Millionen Aktien zum Preis von 28,50 D-Mark an der Börse - weitere Stücke sollten folgen! Im Herbst 1997 folgte dann der nächste Einbruch: Zum Höhepunkt der Asienkrise brach der Index am 28. Oktober um acht Prozent ein. Doch der DAX zeigte erneut Nehmerqualitäten und sprang am 20. März 1998 erstmals über die 5.000-Punkte-Marke.

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