- DER AKTIONÄR

Happy Birthday!

Von Martin Weiß

Wenn die Band Juli heute über die "geile Zeit" singt, dann denken wohl viele Aktionäre mit Wehmut an den Börsenboom Ende der Neunzigerjahre und Anfang 2000. Damals konnte jeder reich werden - so schien es. Insbesondere an der US-amerikanischen Technologiebörse NASDAQ, dem Schrittmacher für die weltweiten Wachstumsbörsen, erklommen die Kurse über Monate hinweg ein Hoch nach dem anderen. Am 9.März überquerte der Nasdaq Composite schließlich erstmals die "magische" Marke von 5.000 Indexpunkten. Er schloss bei 5.046 Punkten. Einen Tag später gelang sogar ein weiteres Hoch auf Schlusskursbasis bei 5.048 Punkten. Zu diesem Zeitpunkt stemmten Firmen wie die Beteiligungsgesellschaft CMGI mehr als 60 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung auf die Waage. Der Internetveteran Yahoo! hätte einen Aufkäufer damals weit mehr als 100 Milliarden Dollar gekostet, der Serverspezialist Sun Microsystems sogar 200 Milliarden Dollar. Die Aktien-Kennzahlen waren zu diesem Zeitpunkt völlig aus dem Ruder gelaufen, KGVs (soweit vorhanden) im hohen zwei- oder sogar dreistelligen Bereich die Regel.

Dann war die geile Zeit vorbei.

Schon 2001 waren die Notierungen an der Wall Street deutlich von den Höchstständen entfernt - der Abschwung hatte begonnen. In weniger als drei Jahren rauschte der Nasdaq Composite von 5.000 Punkten auf unter 1.200 Punkte - ein Minus von 76 Prozent. CMGI wechselten zu diesem Zeitpunkt für 31 Cent das Stück den Besitzer (und selbst zu diesem Preis fanden sich nur wenige Käufer). B2B-Aktien verloren im Schnitt mehr als 90 Prozent, Firmen wie PurchasePro (später auch Commerce One) gingen sang- und klanglos unter. Eine ganz ähnliche Entwicklung nahmen die Papiere aus einer anderen Boombranche, dem Webhosting. Exodus Communications, ein Multimilliarden-Dollar-Konzern mit State-of-the-Art-Technologien war einer der ersten Highflyer, der (am 26.9.2001) Gläubigerschutz beantragte. Cable & Wireless kaufte die Überreste von Exodus für Kleingeld auf.

Die Ausnahmen

Die überwiegende Mehrzahl der Technologieaktien war Anfang 2000 überbewertet und damit akut korrekturgefährdet - zudem verschlechterten sich im Zuge des Konjunkturabschwungs die Wachstumsaussichten rapide. Wer damals eine "Buy-and-Hold"-Strategie verfolgte, also Aktien kaufte und liegen ließ, sitzt unter Umständen noch heute auf den Verlusten der Vergangenheit. Cisco Systems notiert 75 Prozent, Microsoft mehr als 50 Prozent und Oracle auch um die 50 Prozent unter dem Allzeithoch. Angesichts zunehmend gesättigter Märkte ist es unwahrscheinlich, dass die Konzerne ihre historischen Hochs jemals wieder erreichen. Ganz anders sieht die Situation bei eBay aus. Das Internet-Auktionshaus hat sich in den letzten fünf Jahren toll entwickelt und den Anlegern zudem eine satte Rendite beschert: plus 139 Prozent. Der Grund: eBay hat die hohen Wachstumsraten aus der Vergangenheit kontinuierlich beibehalten und damit ein ums andere Mal die hohe Aktienbewertung gerechtfertigt. Bei einem erwarteten langfristigen Gewinnwachstum von 30 Prozent beträgt das KGV (2005e) 56 - ambitioniert, aber o.k. Auch mit Symantec hätten die Investoren ihr Kapital verdoppelt (+146 Prozent) - der explosionsartigen Verbreitung von Computerviren sei Dank. Weitere Erfolgsstorys sind Electronic Arts (+158 Prozent), Autodesk (+166 Prozent) und Affiliated Computer (+228 Prozent).

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