Motorola
- DER AKTIONÄR

Handys auf dem Abflug

Wenn Carl Icahn Großaktionär eines Unternehmens ist, bedeutet das für die Führungsspitze des jeweiligen Konzerns in der Regel Ungemach. Auf Druck des Großinvestors wird der US-Telekommunikationskonzern Motorola aufgespalten. Er soll 2009 in zwei Gesellschaften an der Börse notieren.

Auf Druck des Großinvestors Carl Icahn wird der US-Telekommunikationskonzern Motorola aufgespalten. Er soll 2009 in zwei Gesellschaften an der Börse notieren.

Wenn Carl Icahn Großaktionär eines Unternehmens ist, bedeutet das für die Führungsspitze des jeweiligen Konzerns in der Regel Ungemach. Schließlich beteiligt sich der US-Milliardär nicht kommentarlos an einer Firma, sondern mischt sich in erheblichem Umfang in deren Geschäftsabläufe ein.
So auch bei Motorola. Im Falle des Telekommunikationskonzerns aus Illinois, an dem Icahn zurzeit rund sechs Prozent hält, hatte er monatelang unter anderem darauf gedrängt, die Mobilfunksparte abzuspalten. Zuletzt hatte er Motorola sogar auf die Herausgabe von Konzernunterlagen verklagt, um seine Kritik an der Führungsspitze zu untermauern. Jetzt hat er sich durchgesetzt: Motorola gab vergangene Woche bekannt, dass der Konzern 2009 in zwei unabhängige Gesellschaften geteilt werde. Dann sollen die zuletzt defizitäre Handy- und die profitable Geschäftskunden-Sparte (Breitbandnetze und Kommunikationstechnik) – sie weisen vom Umsatz her in etwa dieselbe Größe auf – getrennt voneinander an der Börse notiert sein. Jetzige Aktionäre sollen Anteile an beiden Unternehmen bekommen.

Nüchtern statt froh

Zuerst jubelte die Börse ob der Meldung und ließ die Notierung von Motorola im Anschluss um rund sieben Prozent hochschnellen. Doch die Freude wich schnell der Ernüchterung, das Kursplus der Aktie schrumpfte am selben Tag auf nur noch rund zwei Prozent.
Zwar nimmt man am Markt positiv auf, dass sich generell etwas regt bei Motorola. Doch durch die Aufspaltung werden die Probleme nicht automatisch weniger. Vor allem Motorola-Chef Greg Brown macht bei der ganzen Sache keine gute Figur. Erst seit Jahresanfang im Amt, sieht sich Brown dem Vorwurf ausgesetzt, wie sein Vorgänger Ed Zander im Handy-Geschäft wichtige Trends verpasst zu haben: Nach dem Verkaufsschlager RAZR, einem ultraflachen Klapphandy, hatte Motorola kein überzeugendes Nachfolgemodell mehr auf den Markt gebracht. Folge: Das Mobilfunkgeschäft brach ein und drükte den Gesamtkonzern in die roten Zahlen. Das Minus lag 2007 bei 49 Millionen Dollar; im Jahr zuvor hatte Motorola noch einen Gewinn von 3,6 Milliarden Dollar verzeichnen können.
Dass Brown zudem mit der Aufspaltung seines Konzerns dem Drängen von Großinvestor Icahn nachgegeben hat, stärkt nicht gerade seine Position.

Abwarten

Motorola ist zurzeit nicht mehr als eine Halteposition. Zumal noch keine Details bekannt sind, wie die Abspaltung der Handy-Sparte 2009 aussehen soll. Wer auf positive Effekte der Trennung spekulieren will, sollte einen langen Atem mitbringen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 15/2008.

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