RYANAIR HLDGS PLCEO-,0127
- DER AKTIONÄR

Guten Flug!

Kaum eine Entwicklung hat das Reiseverhalten der Menschen in den vergangenen Jahren so beeinflusst wie die so genannten Billigfluglinien. Mal eben für ein Wochenende ins Konzert und zum Shoppen nach London, kurz rüber ins Museum und zum Bummeln nach Paris oder Florenz - viele Menschen gönnen sich heute solche Extras im Alltag. Den niedrigen Flugpreisen sei Dank.

Die drei größten Billigflieger Europas haben ordentlich Auftrieb bekommen. Auch die Aktienkurse dürften steigen.

Kaum eine Entwicklung hat das Reiseverhalten der Menschen in den vergangenen Jahren so beeinflusst wie die so genannten Billigfluglinien. Mal eben für ein Wochenende ins Konzert und zum Shoppen nach London, kurz rüber ins Museum und zum Bummeln nach Paris oder Florenz – viele Menschen gönnen sich heute solche Extras im Alltag. Den niedrigen Flugpreisen sei Dank.

Extra Reise, extra Gewinne

Dabei locken Europas größte Discounter Ryanair und Easjet nicht nur mit der kleinen Reise zwischendurch. Sie bieten Kapitalanlegern auch Chancen auf Kursgewinne. Vor allem die britische Easyjet startet nach längerer Durststrecke durch. Europas Nummer 2 unter den Billigfliegern hat gerade die Prognosen bei Umsatz und Gewinn kräftig angehoben – eine Meldung, die den Aktienkurs auf ein 4-Jahreshoch hievte. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September 2006 rechnet der Billigflieger jetzt mit einem Zuwachs beim Gewinn vor Steuern von 40 bis 50 Prozent. Im Mai hatte die Airline von der Insel mit einem Zuwachs von 10 bis 15 Prozent kalkuliert.

Einer der Gründe für den Optimismus sind die anziehenden Passagierzahlen. Allein im Juni hat Easyjet ein Plus von 16 Prozent verzeichnet, was zudem für eine merklich höhere Auslastung gesorgt hat. Dazu kommen gestiegene Erlöse aus einigen Preiserhöhungen. Vorstandschef Andrew Harrison erwartet in diesem Geschäftsjahr unter dem Strich einen Erlöszuwachs im Passagiergeschäft von drei bis vier Prozent pro Sitz. Im Nebengeschäft wie dem Autoverleih und Hotelbuchungen rechnet Harrison im Schnitt mit einen Zuwachs von 30 Prozent je Fluggast. Analyst Andrew Light von der Citigroup schätzt alles in allem den operativen Gewinn auf mehr als 167 Millionen Euro – das macht eine operative Marge von rund sieben Prozent. Im Geschäftsjahr davor lag der Gewinn bei 95 Millionen Euro.

Attraktive Marge

Auch Easyjets Erzkonkurrent, die irische Ryanair, meldet steigende Passagierzahlen. So erreichte vergangenen Juni das Passagieraufkommen ein saftiges Plus von 23 Prozent. Im Unterschied zu den Briten hat bei den Iren allerdings die erhöhte Anzahl nicht zu einer verbesserten Auslastung geführt. Dafür überflügelt Ryanair den Inselnachbarn deutlich bei der operativen Marge. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2007 sieht Branchenfachmann Light die Spanne bei gut 19 Prozent. Den operativen Gewinn schätzt er auf 412 Millionen Euro, gegenüber 369 Millionen im Geschäftsjahr zuvor.

Eine Ursache für den Margenunterschied zwischen den Fluglinien ist der Anteil des Nebengeschäftes, zum Beispiel dem Autoverleih. Ryanair erzielt mit diesen Leistungen doppelt so viel Umsatz wie Easyjet. Für Easyjet ein Grund mehr, das Extra-Programm deutlich auszuweiten. Ryanairs Vorstandschef Michael O’Leary rechnet in diesem Geschäftsjahr mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von 20 Prozent bei gleichbleibenden Ticketpreisen. Bis 2010 sollen sich Passagierzahl und Gewinn verdoppeln. Und nach Aussage des Flottenkapitäns O’Leary ist Ryanair auf dem besten Weg, das Ziel zu erreichen.

Europas drittgrößte Billigfluglinie Air Berlin hatte beim Börsenstart im Mai zwar mit leichten Startschwierigkeiten zu kämpfen. Der Börsenfrischling hatte mit 17,50 Euro Ausgabepreis pro Papier geliebäugelt, musste sich aber mit 12,00 Euro zufrieden geben. Doch der unsanfte Start sollte nicht täuschen. Jüngste Analystenschätzungen sehen für 2006 den Nettogewinn bei bis zu 55 Millionen Euro, gegenüber einem Verlust von 115 Millionen im Vorjahr. Auch hier sind sehr erfreuliche Passagierzahlen ausschlaggebend; dazu greift ein striktes Programm zur Kostensenkung. Für das kommende Jahr prognostiziert Commerzbank-Analyst Michael Benedikt einen weiteren Gewinnzuwachs auf 88 Millionen Euro.

Reisefreude belebt die Kurse

Unter den Aktien von Europas Billigairlines erscheint das Easyjet-Papier derzeit als das attraktivste. Die deutlich stärker als erwartete Passagieranzahl zusammen mit der verbesserten Auslastung und den erwarteten Erlöszuwächsen aus dem wachsenden Nebengeschäft überzeugen. Auch wenn Ryanair mit einer deutlich höheren operativen Marge profitabler ist. Gegenüber Ryanair ist die Easyjet-Aktie zudem mit einem aktuell geschätzten KGV für 2007 von 15 etwas günstiger zu haben. Der Titel eignet sich als spekulative Depotbeimischung.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV