- Markus Bußler - Redakteur

Gold-Experte Stöferle: Gold Steigt auf 2.300 Dollar

Der Goldpreis hat sich in den vergangenen Tagen wieder leicht erholt. Von einer Trendwende zu sprechen, wäre aber sicherlich verfrüht. Dennoch: Es sprechen viele Faktoren dafür, dass Gold wieder den Weg nach oben antreten wird. DER AKTIONÄR sprach mit Ronald-Peter Stöferle über die Gründ, weshalb Anleger Gold im Depot haben sollten.

Herr Stöferle, trotz der anhaltenden Finanzkrise hat der Goldpreis in den vergangenen Monaten deutlich an Wert eingebüßt. Haben wir Ihrer Meinung nach beim Gold bereits die Höchstkurse gesehen?

Ronald-Peter Stöferle: Ich glaube, die derzeit stattfindende Panikmache relativiert sich, wenn man sich die nackten Zahlen ansieht. Seit Jahresbeginn ist Gold noch immer fünf Prozent im Plus, im letzten Jahr waren es knapp zwölf Prozent und in der gesamten letzten Dekade waren es im Schnitt 18,8 Prozent pro Jahr. Gold ist somit die mit Abstand beste Assetklasse der letzten Jahre! Zudem könnte man auf die Frage nach der Trendumkehr auch mit Gegenfragen kontern: Ist die Schuldenproblematik in den USA, aber auch in der Eurozone, gelöst? Sind die Realzinsen wieder positiv? Sind die Inflationsrisiken gesunken? Ist das systemische Risiko geringer geworden? Die Antworten lauten wohl unisono auf Nein, insofern sehe ich die aktuelle Korrektur relativ gelassen.

 

Wie sehen Sie die längerfristige Entwicklung des Goldpreises?

Was das „Bigger Picture" betrifft, so befinden wir uns derzeit in einem historisch beispiellosen Kampf zwischen den Kräften der Deflation und der Inflation. Das Gesetz der Logik beziehungsweise die Schlussfolgerungen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie würden eigentlich eine massive Deflation erwarten lassen, die politischen Entscheidungsträger und deren interventionistische Inflationspolitik wollen dies jedoch um jeden Preis verhindern.

Derzeit heben sich noch beide Kräfte gegenseitig auf, wir tanzen hier jedoch auf einem schmalen Grat. Insofern denke ich, dass der Bedarf an Gold als ultimative Versicherung weiterhin hoch bleiben sollte.

Und was bedeutet das für Ihr konkretes Kursziel?

Ich sehe weiterhin, so wie bereits vor knapp sechs Jahren erstmals prognostiziert, die 2.300 Dollar als langfristiges Kursziel. Dies klingt extrem optimistisch beziehungsweise illusorisch. Doch wer hätte Anfang der 90er-Jahre bei einem Stand von 300 Punkten gedacht, dass der S&P 500 innerhalb einer Dekade auf 1.500 Punkte steigen würde? Wer hätte es Anfang 2002 bei einem Stand von 20 Dollar je Barrel für möglich gehalten, dass der Ölpreis bis auf 150 Dollar je Barrel steigen würde? Das ist das Wesen eines Bullenmarktes. Jeder Trend en­det in der Euphorie und im Exzess.

 

Was sind Ihrer Ansicht nach die bestimmenden Faktoren für den Goldpreis?

Gold bleibt als Antagonist ungedeckter Papiergeldwährungen ein exzellenter Hedge gegen Worst Case Szenarien. Ich bin überzeugt davon, dass das globale Wetteifern der Geldmengenausweitung weiterhin der wichtigste Faktor sein wird. Die Reaktion auf die aktuelle Krise nährt bereits die nächste Krise. Eine Krise, die durch expansive Geldpolitik entstanden ist, mit denselben Mitteln lösen zu wollen, ist naiv. Die treibende Kraft des Wohlstands sind Sparen und In­vestition, nicht Konsum. Um den ak­tuel­len Schwierigkeiten im Finanzbe­reich, aber auch in der Realwirtschaft, entgegenzuwirken, werden Fed und EZB gezwungen sein, die Zinsen vorerst weiterhin nahe null zu belassen.

Welchen Einfluss hat Ihrer Meinung nach das Investoreninteresse?

Einen sehr großen. Ich glaube, dass sich die Renaissance von Gold als Investment fortsetzen wird. 2000 belief sich die Investmentnachfrage noch auf knapp 4,8 Prozent der Gesamtnachfrage, 2011 waren es bereits fast 45 Prozent. Dies ist meiner Meinung nach eine klar bullishe Trendwende und markiert eine neue Phase des Bullenmarktes.

Die Goldminenwerte sind mittlerweile sehr günstig bewertet. Wie stufen Sie hier die Chancen ein?

Die historische Bewertung des Sektors ist im Moment tatsächlich extrem günstig. Ich denke, dass in der letzten, explosivsten Phase des Goldbullenmarktes das Pareto-Prinzip Anwendung finden wird. Das heißt, dass 80 Prozent der Kursperformance in den letzten 20 Prozent des Bullenmarktes generiert werden. Genau in dieser Phase sollten Goldaktien - endlich - massive Outperformance zeigen.

Was raten Sie Anlegern im aktuellen Umfeld?  Wie sollte man sich am besten positionieren?

Verunsicherten Goldanlegern stelle ich oft die (etwas polemische) Frage: Überlegen Sie, Ihre Lebensversicherung zu kündigen, nur weil sie heute morgen kerngesund aufgewacht sind? Wir empfehlen seit Jahren einen Goldanteil von zumindest fünf bis zehn Prozent. Daran werden wir definitiv auch weiterhin festhalten.

Herr Stöferle, wir bedanken uns für das Interview.

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