- Andreas Deutsch - Redakteur

Dr. Jens Ehrhardt: "Gold steigt weiter"

Nur wenige haben so viel Erfahrung in Sachen Wirtschaft und Finanzen wie der Vermögensverwalter und Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt. Ihm zuzuhören kann sich immer auszahlen. Im Interview mit dem AKTIONÄR spricht Ehrhardt über Risiken für die Konjunktur und Chancen an der Börse.

Dr. Jens Ehrhardt - Jahrgang 1942 - ist einer der bekanntesten und besten Fondsmanager und Vermögensverwalter in Europa. Die von ihm 1974 gegründete DJE Kapital AG verwaltet aktuell 10,3 Milliarden Euro. DJE bietet eine breite Fondspalette an. Dazu zählen der Immobilienfonds DJE Real Estate, der DJE Dividende & Substanz und der FMM. Letzterer investiert weltweit überwiegend in Aktien und Anleihen. Seit Auflegung im Jahr 1987 hat der FMM 624 Prozent zugelegt. Der Vergleichsindex, der MSCI World, indes nur 87 Prozent.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Ehrhardt, wie lange müssen Anleger noch mit der Achterbahnfahrt an den Märkten klarkommen?

Jens Ehrhardt: Das ist eine gute Frage. Es gibt eine Menge Gründe dafür, warum es derzeit immer wieder abwärts geht. Zum Beispiel die Eurokrise und die riesigen Probleme in Griechenland. Es gibt auf der anderen Seite aber auch Positives: Die Zinsen sind unten, die Gewinnentwicklung der Unternehmen kann sich sehen lassen. Ich glaube, dass wir mit dieser hohen Volatilität noch einige Zeit leben müssen. Das liegt natürlich auch an der hohen Liquidität. Die Notenbanken drucken ja seit Monaten Unmengen Geld, das investiert werden will, heute hier und morgen da.

Was ist wahrscheinlicher: Dass es in der nächsten Zeit abwärts geht an den Märkten oder aufwärts?

Kurzfristig bin ich - aufgrund der Markttechnik - eher der Meinung, dass es aufwärts geht. Aber das wird kein Aufwärtstrend sein, nur eine Aufwärtsbewegung. Gut möglich, dass der S&P 500 bis 1.170 Punkte steigen wird. Der DAX könnte um die zehn Prozent zulegen. Ich bin sowieso deutlich optimistischer für Deutschland als für Europa. Die Probleme, die wir in Deutschland haben, sind nicht ansatzweise so groß wie in weiten Teilen des restlichen Europas. Nehmen Sie nur die Euroabwertung, von der Deutschland als Exportnation derzeit enorm profitiert. Eine sinnvolle Anlageempfehlung, zumindest kurzfristig, könnte lauten: DAX long, Euro Stoxx short.

Und was erwarten Sie mittelfristig?

Da bin ich skeptisch. Es würde mich nicht wundern, wenn es nach einem positiven Sommer im Herbst wieder abwärts geht. Das liegt unter anderem daran, dass viele Staaten ihre Budgets zusammenstreichen. Die Sparpakete werden sich gewiss negativ auf Konjunktur und Börse auswirken. Das, was wir hier in den vergangenen Monaten gesehen haben und jetzt sehen, ist meines Erachtens sehr merkwürdig: Da investieren die Regierungen etliche Milliarden, um die Konjunktur anzukurbeln. Nun aber beschließt man enorme Haushaltskürzungen, mit denen man den Aufschwung wieder abwürgt. Für mich stellt sich die Frage, wo der Sinn solcher Eingriffe liegt. Da kann man es ja am besten gleich ganz sein lassen und die Konjunktur sich selbst überlassen.

Die Politik hat die Hauptschuldigen der Krise offenbar ausgemacht: die Spekulanten, die etwa gegen die Rettung Griechenlands wetten.

In meinen Augen ist das Unsinn. Die Spekulanten sind doch nicht schuld daran, dass Griechenland fast pleite ist. Da ist Griechenland doch selbst schuld. Die damalige griechische Regierung hat betrogen und gelogen, um in die Eurozone aufgenommen zu werden. Und stellen Sie sich einmal vor, man würde jetzt die Spekulanten an die ganz enge Leine nehmen: Wer soll denn dann noch zum Beispiel die Anleihen kaufen, mit denen die Staaten aktuell die Märkte fluten?

Wie sollte ein Privatanleger sein Portfolio derzeit ausrichten?

Asien ist attraktiv. Die Konjunktur läuft dort zumeist sehr ordentlich. Trotzdem sind viele Börsen in Asien abgeschmiert, weil die Investoren Angst davor haben, dass die Staaten das Wirtschaftswachstum bremsen. Viel gebremst wurde nicht, noch nicht einmal die Zinsen wurden erhöht. Ich halte vor allem chinesische und indonesische Aktien für eine gute Anlageidee. Bei Schwäche kann man dort kaufen. Ich bin im Durchschnitt fünf Mal im Jahr in China und ich bin immer begeisterter von dem Land. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass China in Zukunft das einzige wirkliche Wachstumsland weltweit sein wird. Darüber hinaus sind meiner Meinung nach auch deutsche Exportwerte sehr interessant. Auch Edelmetall-Aktien sollte man sich als Anleger jetzt genau ansehen.

Sie erwarten also, dass Gold seinen Aufwärtstrend fortsetzen wird?

Der Goldpreis sollte steigen, weil immer mehr Leute Gold kaufen. Das hat man ja zuletzt beim Run auf die Goldmünzen gesehen. Viele Anleger denken sich, solange die Zinsen unten sind, lohnt sich Festgeld nicht, da kann man besser Gold kaufen. Zudem sind die Risiken im Finanzsystem ja nach wie vor erheblich. Gold dürfte daher weiterhin als "sicherer Hafen" dienen.

Wo sollte man als Anleger momentan vorsichtig sein?

Bei Banken und Versicherungen. Etliche Finanzkonzerne haben noch zu viele Mittelmeeranleihen in ihren Beständen, die die Bilanzen belasten.

Blicken wir in die fernere Zukunft: Was sind die Megatrends der nächsten Jahre?

Edelmetalle und Technologie-Aktien. Die Tech-Branche hat viel Cash und erzielt hohe Überschüsse.

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