- Markus Bußler - Redakteur

Gold: … und plötzlich sind sie long

Na, wer hätte das gedacht. Während die Anleger noch unter dem schwachen Goldpreis ächzen und sich über die US-Banken aufregen, die offensichtlich mit einer gezielten Aktion zu dem Mini-Crash beigetragen haben, stellen sich ausgerechnet die viel gescholtenen Banken neu auf. Und zwar auf der Long-Seite.

Die Rohstoffbörse Comex veröffentlicht regelmäßig ihre COT-Daten. Daran kann man gut ablesen, wie sich die einzelnen Gruppen an der Comex aufgestellt haben. Die jüngsten Daten stammen vom 04. Juni - und die halten einige Überraschungen parat. Aber zunächst einpaar grundlegende Worte zu den Zahlen. Zunächst muss beachtet werden, dass die Daten rund eine Woche zeitversetzt veröffentlicht werden. Dennoch geben Sie ein gutes Bild von der Stimmungslage der institutionellen Anleger wieder. Die wichtigste Gruppe sind dabei die Commercials. Dabei handelt es sich um unglaublich, man mag mir das Wort verzeihen, smart agierende Anleger. Im Vorfeld des Mini-Crashs gab es bei dieser Gruppe eine erstaunlich hohe Zahl von Netto-Short-Positionen in Gold. Nach dem Crash deckten sich die Commercials im Grob gewinnbringend ein. Mittlerweile sind die Nettoshort-Positionen auf den niedrigsten Stand seit dem Crash 2008 gefallen. Was danach kam, ist den meisten Anlegern sicher noch gegenwärtig. Der Goldpreis setzte zu einem Höhenflug an.

Erste Hinweise auf einen Boden

Nun sollte man aber differenzieren: Eine Reduzierung der Nettoshortpositionen heißt nicht zugleich, dass die Commercials auf steigende Kurs spekulieren. Dies werden sie wohl erst tun, wenn sich klare (technische) Signale abzeichnen, dass sich ein Einstieg lohnt. Das ist in der gegenwärtigen Marktsituation mit Sicherheit noch nicht gegeben. Aber die niedrige Zahl an Netto-Short-Positionen deutet zunächst einmal daraufhin, dass die Commercials der Ansicht sind, dass es zurzeit wenig lukrativ ist, auf einen weiter fallenden Goldpreis zu setzen. Und das wiederum deutet auf eine Bodenbildung. Denn damit nimmt auch der Druck durch die Comex auf den Goldpreis ab.

US-Banken wechseln das Lager

Der eigentliche Paukenschlag kommt allerdings von den US-Banken. Auch wenn es nie bestätigt wurde: Die meisten Anleger sind sich sicher, dass die US-Banken für den Kursrutsch bei Gold verantwortlich gewesen sind. Ein Hinweis unter vielen ist sicherlich, dass die Investmentbank Goldman Sachs ihren Anlegern im Vorfeld geraten hat, Gold zu shorten. Diese Empfehlung hat man mittlerweile wieder aufgehoben. Und die COT-Daten verraten nun auch warum: Die US-Banken, ein Teil der Commercials an der Comex, haben ihr Engagement gedreht. Waren sie in der Vorwoche noch mit 16.781 Kontrakten Short auf Gold, sind sie mittlerweile unterm Strich mit 29.622 Kontrakten long. Das heißt: Die US-Banken beginnen damit, auf einen steigenden Goldpreis zu spekulieren.

Um dieses Verhalten und die Dimension einmal deutlich zu machen. In den vergangenen Jahren waren US-Banken nur ein einziges Mal Netto-Long bei Gold. Und das war kurz nach dem Crash im Jahr 2008, der durch die Lehman-Pleite ausgelöst worden ist. Und damals setzte sich die Goldhausse nach einer kurzen Delle fort.

Zwar bedeutet auch das alleine nicht, dass der Goldpreis hier und heute nach oben drehen wird. Im Gegenteil: Viel wahrscheinlicher ist ein Test des Verlaufstiefs bei knapp über 1.320 Dollar je Unze. Doch die Zeichen verdichten sich, dass der Druck auf den Goldpreis nachlässt. Gut möglich, dass die US-Banken ihren Positionen an der Comex demnächst auch optimistischere Kommentare zum Goldpreis folgen zu lassen. Noch einmal, es besteht keine Hektik, sofort einzusteigen. Zumal zunächst der Sommer ins Haus steht. Aber unsere Empfehlung steht: Der Aufbau von ersten Positionen in ausgewählten Goldwerten sollte sich bald auszahlen. Wie heißt es so schön: Wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist der Tag am nächsten. Und betrachtet man die öffentliche Wahrnehmung bei Gold, dann ist die Stimmung bereits ziemlich dunkel.   

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