Solarworld
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Gigantische Solarpläne gegen JinkoSolar, Trina und Co – aber ohne Solarworld

Im Kampf gegen die Vormacht Chinas auf dem Solarmarkt wollen europäische Institute und Unternehmen laut einem Pressebericht in die Offensive gehen. Ein von mehreren Forschungsinstituten angeführtes Konsortium lote den Bau einer europäischen Riesenfabrik für Solarmodule aus, schreibt die Süddeutsche Zeitung (Dienstag) unter Berufung auf Kreise. Die Pläne für eine Anlage mit bis zu 1200 Beschäftigten würden existierende Fabriken in den Schatten stellen und eine Jahreskapazität von einem Gigawatt erreichen. Zu den Instituten, die die Pläne vorantreiben, gehöre das Fraunhofer ISE in Freiburg und das französische Forschungsinstitut INES. Die Kosten dürften rund eine Milliarde Euro betragen.

Reicht der Kostenvorteil?

Wenn die Pläne Erfolg hätten, solle Anfang 2015 bei Freiburg eine Pilotanlage die Produktion aufnehmen. Spätestens 2018 könne dann mit der Lieferung von Solaranlagen begonnen werden. Der Größenvorteil solle dafür sorgen, dass die Produktionskosten etwa 20 Prozent unter dem aktuellen Niveau lägen - und damit deutlich unter dem der chinesischen Anbieter. Doch wie der AKTIONÄR berichtet hatte („Modulkosten“) sind die Pläne der internationalen Konkurrenz ebenfalls sehr ambitioniert – eine mindestens so hohe Reduzierung der Kosten ist anvisiert.

Ob sich die Pläne der europäischen Fabrik durchsetzen, sei jedoch offen, schreibt das Blatt. Gespräche über die Finanzierung der Pilotanlage gingen in die entscheidende Phase. Die europäische Solarbranche ist laut der Tageszeitung allerdings uneins. Mehrere Unternehmen unterstützten die Pläne, schreibt das Blatt. Europas größter Solarhersteller Solarworld lehne sie dagegen ab. "Wir beteiligen uns nicht", sagte ein Sprecher der Zeitung. Der Bau der geplanten Fabrik berge für Investoren und Branche zu große Risiken.

Der richtige Weg?

Dass Solarworld eine Beteiligung ablehnt, wundert nicht: Schließlich kämpft man seit Jahren selbst mit (zu) hohen Kapazitäten in Europa – noch mehr Fabriken würden die Lage für die bestehenden Linien nur erschweren.

Grundsätzlich sieht der AKTIONÄR weiterhin wenig Chancen und Sinn darin, das Massenprodukt Modul oder Zelle in Europa zu produzieren. (Siehe auch: „Q-Cells: Lernen von Apple“). Player, die die günstigen asiatischen Zellen und Module für sich nutzen, um daraus hierzulande stimmige Endprodukte zu schnüren, dürften hingegen zu den Gewinnern von morgen gehören. Denn während Zellen und Module als Massenware aus dem China-Container angeboten werden, müssen und können die Dachintegration, die Stromspeicherung, individuelle Module für die Hausfassade und letztlich die Installation auch künftig hierzulande umgesetzt werden.

(Mit Material von dpa-AFX)

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