Hannover Rück
- DER AKTIONÄR

Gewinne verboten?

Hannover Rück steht kurz vor dem Markteintritt in den islamischen Rechtsraum. Der hat seine eigenen Spielregeln, die strenge Regulierung schützt aber auch vor der Konkurrenz. Gelingt die Expansion, wäre man der mit Abstand größte Rückversicherer in einem riesigen Wachstumsmarkt.

Hannover Rück steht kurz vor dem Markteintritt in den islamischen Rechtsraum. Der hat seine eigenen Spielregeln, die strenge Regulierung schützt aber auch vor der Konkurrenz.

Versicherungen waren in islamischen Ländern lange Zeit verpönt, da sie sich nicht mit dem religiös festgelegten Gewinn- und Zinsverbot vereinbaren ließen. Doch seitdem Erstversicherer spezielle Produkte anbieten, bei denen etwa das Gewinnverbot über feste Managementgebühren für Versicherungsfonds umgangen wird, befindet sich der Markt im Umbruch.

Pionierarbeit

Mit der Hannover Rück wagt nun auch der erste große Rückversicherer den Schritt in den Nahen Osten und plant die Gründung einer Tochtergesellschaft in Bahrain. Die Lizenz der dortigen Zentralbank liegt bereits vor und das Unternehmen gab sich im Gespräch mit dem Aktionär optimistisch, dass auch die Zustimmung der zuständigen Aufsichtsgremien in den nächsten Wochen erfolgen wird. Der Prüfungsprozess, der einer Lizenzerteilung vorausgeht, dauert mitunter mehrere Monate, wodurch die Markteintrittsbarriere für potenzielle Mitbewerber aus dem Westen sehr hoch ist. Gelingt die Expansion, wäre man der mit Abstand größte Rückversicherer in einem riesigen Wachstumsmarkt. 2005 wurden im Nahen Osten fast 30 Prozent mehr Versicherungen abgeschlossen als noch im Vorjahr. Experten rechnen damit, dass islamkonforme Policen bis zum Jahr 2025 über 20 Prozent des weltweiten Marktvolumens ausmachen – bisher sind es nicht einmal ein Prozent.

Konservative Prognose

Doch auch am anderen Ende der Welt läuft es bei den Hannoveranern rund. Aufgrund der Naturkatastrophen des letzten Jahres konnte man bei den Schadens-Rückversicherungen Preissteigerungen von bis zu 100 Prozent durchsetzen und auch für 2007 rechnet man mit einer anhaltend starken Nachfrage. Sollte die diesjährige Hurrikan-Saison weiter so harmlos ausfallen wie bisher, wären die selbstgesteckten Ziele von 450 Millionen Euro Gewinn für 2006 zu tief gestapelt. Aus Branchenkreisen ist außerdem zu hören, dass man am Kauf von Scottish Re interessiert sei. Der in Schieflage geratene Lebensrückversicherer wäre eine lukrative Ergänzung für die Deutschen, die in diesem Bereich eher schwach aufgestellt sind. Scottish Re prüft derzeit verschiedene Angebote, mit einer definitiven Entscheidung ist Anfang November zu rechnen. Aber auch auf Basis der eigenen zurückhaltenden Prognose, welche die Expansionspläne noch nicht berücksichtigt, ist Hannover Rück nur mit einem KGV von 8 für 2007 bewertet. Bei einem KUV von 0,4 und einer Dividendenrendite von fast fünf Prozent hat die Aktie im Branchenvergleich zumindest ein Nachholpotenzial von 20 Prozent.

Kursziel 40 Euro

Hannover Rück steht vor einem großen Schritt. Kann man den Versicherungsmarkt im nahen Osten erfolgreich erschließen, hätte man einen immensen Wettbewerbsvorteil vor den großen Konkurrenten aus Europa und den USA. Gelingt das Vorhaben, winken langfristig Kurse von über 40 Euro.

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