- DER AKTIONÄR

Gewinne - mit Sicherheit!

Der Automobilzulieferer Grammer gilt als heißer Kandidat für den SDAX. DER AKTIONÄR hat mit Vorstandschef Heinz J. Otto über den aktuellen Geschäftsverlauf und die Zukunftsperspektiven des Konzerns gesprochen.

Der Automobilzulieferer Grammer gilt als heißer Kandidat für den SDAX. DER AKTIONÄR hat mit Vorstandschef Heinz J. Otto über den aktuellen Geschäftsverlauf und die Zukunftsperspektiven des Konzerns gesprochen.

DER AKTIONÄR: Herr Otto, Hauptumsatzträger für Grammer war im Geschäftsjahr 2004 die Sparte "Automotive" mit einem Umsatzanteil von über 65 Prozent. Wovon hat dieses Segment profitiert?

Heinz J. Otto: Grammer hat sich darauf konzentriert, mit innovativen Produkte für den Innenraum von Autos (crash-aktive Kopfstützen, Mittelmodule, integrierte Kindersitze) den Herstellern höhere Sicherheit und mehr Komfort für deren Kunden - den Autokäufer - zu bieten. Damit sind wir gut gefahren, besonders auch deshalb weil es die zunehmende Anzahl von Fahrzeugvarianten erforderlich macht, dass die Zulieferer wichtige Aufgaben im Produktentstehungsprozess zu übernehmen und dabei Technologie und Qualität bieten.

Als Fahrzeugzulieferer "tummeln" Sie sich in einem Markt, der nicht gerade von hohen Wachstumsraten heimgesucht wird. Trotzdem sind sie Ihrem traditionellen Geschäft (dem Seating Bereich) treu geblieben...

Insgesamt konnte Grammer das Geschäft in den letzen 10 Jahren von 200 Mio. auf 825 Mio. Euro vervierfachen. Dabei hat auch das traditionelle Geschäft - Grammer ist weltweit führend in der Herstellung von Nutzfahrzeugsitzen für landwirtschaftliche Fahrzeuge, Baumaschinen, Gabelstapler und LKW - einen wesentlichen Beitrag geleistet. Grammer ist der einzige Hersteller von Nutzfahrzeugsitzen mit globaler Präsenz, d.h. Hersteller wie John Deer können die gleichen Produkte überall auf der Welt von Grammer beziehen.

Sie haben es geschafft, ihre Umsätze um rund 5 Prozent, den Gewinn sogar um fast 30 Prozent zu steigern. Wie begründen Sie ihre "unfallfreien" Geschäftsjahre?

Wir führen die positive Entwicklung auf folgende Gründe zurück:

1. Steigerung der Produktivität in allen Bereichen (Produktion, Entwicklung, Projektmanagement, Verkauf, etc.)

2. Nutzung von Low cost" Standorten in Ost Europa, Mexiko, Türkei, Brasilien. Dies ist besonders wichtig um Grammer im globalen Wettbewerb erfolgreich zu behaupten.

3. Durch die Vorstellung und Einführung neuer innovative Produkte

Im ersten Quartal 2005 waren ihre Umsätze sowie ihr Gewinn nach Steuern leicht rückläufig. Was war der Grund?

Die Gründe dafür liegen im Anlauf von zwei Volumenmodellen (3er BMW & VW Passat) im 1 Quartal mit noch geringeren Stückzahlen. Außerdem habe wir mit stark gestiegenen Preisen für Rohmaterial - Stahl, Schaum und Kunststoff - zu kämpfen und arbeiten an über 100 Maßnahmen um die Auswirkungen dieser Erhöhungen weitgehend zu kompensieren.

Wo sehen Sie gerade in Ihrer Branche bzw. in Ihrem Unternehmen weiteres Wachstumspotenzial?

Wir sehen in dieser Beziehung drei verschiedene Ansätze:

1. Existierende Produkte zu neuen Kunden. Als Beispiel hierfür wären Passagiersitze zu nennen, die Grammer schon seit vielen Jahren exklusiv für alle ICE Generationen der Deutschen Bahn liefert. Basierend auf dieser Erfahrung konnten wir uns die Sitze für die spanischen Hochgeschwindigkeitszüge - AVE - liefern.

2. Neue Produkte für existierenden Kunden. Ein Beispiel hierfür ist die Multifunktionsarmlehne für Traktoren und Erntemaschinen die es den Herstellern erlaubt über mechanische und elektronische Schnittstellen ihr Joysticks und Monitore anzubringen.

3. Der geographische Ausbau unseres Geschäftes. Derzeit sind wir z.B. dabei zwei neue Werke in China in Betrieb zu nehmen um unsere Kunden im Reich der Mitte noch besser bedienen zu können.

Mittlerweile ist Grammer nicht mehr "nur" Zulieferer, sondern für die einzelnen Kunden fast eine Art Entwicklungspartner und Impulsgeber! Sehen Sie hierin nicht eher einen Nachteil? Werden sich die Ausgaben in Forschung und Entwicklung nicht drastisch erhöhen?

Nein, Fahrzeughersteller verlagern mehr Verantwortung nicht nur für Produktion, sondern Entwicklung, Logistik, etc. an n deren Zulieferer. Der Grund dafür ist eine Explosion der Modellvarianten, basierend auf den Bedürfnissen der Endkunden. Die Fahrzeughersteller suchen strategische Partner, zumindest aber Entwicklungslieferanten die helfen Produkte für diese neuen Modelle und neuen Funktionen zu entwickeln. In der Regel beteiligen sich unsere Automobilkunden an den Entwicklungs- und Werkzeugkosten, Grammer zeichnet für das Projektmanagement und den reibungslosen Anlauf in einem unserer 28 Lieferwerke verantwortlich.

2004 kamen fast 30 neue Produkte und Systeme in der Automobilindustrie zum Einsatz. Kann man da eines besonders hervorheben?

Besonders stolz sind wir auf die Entwicklung der kompletten Mittelkonsole mit integrierter Armlehne für neuen VW Passat. Hierbei übernahm Grammer erstmalig die komplette Systemverantwortung - vom Konzeptwettbewerb bis Realisierung innerhalb von 20 Monate. Wir haben zur Belieferung dieser Produkte 2 neue Werke (Zwickau und Emden) in Betrieb genommen und werden täglich 2000 Einheiten in 180 Varianten liefern, mit nur 4 Stunden Vorlaufzeit. Dieses wegweisende Projekt wurde kürzlich von Dr. Pischetsrieder mit dem VW Group Award 2005 für herausragende Entwicklungsleistungen gewürdigt.

Kürzlich gaben Sie bekannt, dass der Investor PERMIRA ausgestiegen ist, die Deutsche Bank hat die Anteile bei institutionellen Anlegern platziert. Was wird sich für Grammer ändern?

Zwischen dem Jahr 2000 und 2004 lag unsere Konzentration darauf die Eigenkapitalquote zu erhöhen und Schulden abzubauen. Dies ist uns in eindrucksvoller Weise gelungen. Nach der Platzierung der 83% der Aktien am 13. Juli, die im Wesentlichen durch von Permira beratenen Funds gehalten wurden, sind jetzt 100% der Aktien im Streubesitz. Deshalb legen wir den Focus auf guten Unternehmensleistungen um den vielen, neuen Aktionären eine attraktive Dividende zu bieten. Für das vergangene Jahr waren wir in der Lage 1 Euro pro Aktie zu zahlen; damit lagen wir über 4% ein Wert der sich durchaus sehen lassen kann.

PERMIRA war seit 2001 bei Ihnen investiert, in einer Zeit in der es Grammer nicht besonders gut ging. Glaubt PERMIRA nicht an eine weitere positive Zukunft von Grammer? Schließlich soll ja Permira schon über ein Jahr versuchen, das Aktienpaket an den Mann zu bringen. Und man den Preis noch um 20 % auf 205 Millionen Euro reduziert...?

Für Permira war das Grammer Engagement nach eigenen Aussagen sehr erfreulich. Der Wert der Aktie hat sich in den 4 Jahren sehr positiv entwickelt; Permira hat damit die Ziele seiner Investoren erreicht. Grammer weißt eine sehr solide Bilanz auf und ist auf Wachstumskurs, was Permira als guten Zeitpunkt für den Ausstieg sah. Permira ist bei Grammer eingestiegen, als den Banken Risiko zu gross war, hat unsere Pläne stets unterstützt und eine durchaus positive und wichtige Rolle in der Entwicklung des Unternehmens gespielt.

Sie erwirtschaften mit über 7.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 800 Millionen Euro. Der Auslandsanteil beträgt fast 50 Prozent. Sie haben Standorte in China und in den USA. Wollen Sie den Auslandsanteil in Zukunft noch weiter ausbauen?

Die Wahl der Standorte wird von Kundenanforderungen und von der Notwendigkeit den Kunden qualitativ hochwertige Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen zu bieten, bestimmt. So sind wir z.B. in den USA vertreten weil wir mit BMW in South Carolina Produkte für den X5 liefern, oder in China mit den zwei neuen Werken für VW und Audi. In Ost-Europa haben wir unsere Produktions basis in den vergangenen Jahren stark ausgebaut und beschäftigen dort über 3000 Mitarbeiter in 8 Werke um wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben. Sind natürlich bestrebt in Deutschland Arbeitsplätze zu erhalten, und haben diese seit 1997 sogar von 1500 auf über 2500 aufgebaut, allerdings hauptsächlich in Entwicklung, Planung, Projektmanagement.

Durch den Anteilsverkauf des Investors Permira steigt ihr Streubesitz an der Börse auf 100%. Zur Zeit werden Sie als heisser Kandidat für den SDAX gehandelt?

Das ist richtig. Um da hin zu kommen werden wir unser Geschäft solide auf und ausbauen um das Vertrauen der Aktionäre zu rechtfertigen.

Herr Otto, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

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