HYPO REAL ESTATE HLDG
- DER AKTIONÄR

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Jahrelang galt der Staatsfinanzierer Depfa als Übernahmekandidat (s. DER AKTIONÄR 16/06). Nun wird aus der Spekulation wohl endlich Realität: Die Hypo Real Estate (HRE), die gewerbliche Projekte finanziert, will den MDAX-Konzern für 5,7 Milliarden Euro komplett übernehmen – 6,80 Euro je Aktie plus 0,189 neuer HRE-Aktien. „Die Kombination von Hypo Real Estate und Depfa bietet eine einmalige Chance“, gab die HRE bekannt.

Die Hypo Real Estate übernimmt die Depfa. Ein cleverer Deal, denn Immobilien- und Finanzierung ergänzen sich gut.

Jahrelang galt der Staatsfinanzierer Depfa als Übernahmekandidat (s. DER AKTIONÄR 16/06). Nun wird aus der Spekulation wohl endlich Realität: Die Hypo Real Estate (HRE), die gewerbliche Projekte finanziert, will den MDAX-Konzern für 5,7 Milliarden Euro komplett übernehmen – 6,80 Euro je Aktie plus 0,189 neuer HRE-Aktien. „Die Kombination von Hypo Real Estate und Depfa bietet eine einmalige Chance“, gab die HRE bekannt. „Die Kerngeschäfte der Unternehmen ergänzen sich perfekt.“ Durch die Fusion entstehe einer der weltweit größten Anbieter, der sich auf die Finanzierung von gewerblichen Immobilien, den öffentlichen Sektor und Infrastrukturprojekte konzentriert.

Geteiltes Echo

Bei den Analysten rief der Übernahmeplan gemischte Reaktionen hervor. Robert Mazzuoli etwa von der Landesbank Baden-Württemberg zweifelt, ob ein Zusammenschluss strategisch sinnvoll ist. Ganz anders sieht dies Christoph Bossmann, Analyst bei der WestLB. „Mit dem Kauf der Depfa sichert sich die Hypo Real Estate die öffentliche Hand als Kunden“, so der Experte zum AKTIONÄR. „Bei der Finanzierung von staatlichen Infrastrukturprojekten ist die Depfa bereits gut positioniert. Zusammen können beide Banken die Potenziale dieses aussichtsreichen Marktes noch besser erschließen.“ Ein Schnäppchen, so Bossmann, sei die Depfa zwar nicht. „Der Preis ist aber angemessen.“

Zu Unrecht gemieden

Gut möglich, dass die HRE-Aktie durch die Fusion endlich wachgeküsst wird. Ein wesentlicher Grund für die monatelange Underperformance ist die Immobilienkrise in den USA. Was die Anleger aber hierbei übersehen: Die Hypo Real Estate ist von diesen Schwierigkeiten gar nicht betroffen. Mit der Finanzierung von Mautstraßen, Hochschulen oder Flugzeugen will sich die Gesellschaft vor allem in Nischen stark positionieren. Die Analysten loben besonders die clevere Expansionsstrategie der HRE. So will das Unternehmen unter anderem in Asien kräftig wachsen. Nach einem starken zweiten Quartal hat die HRE jüngst die Jahresprognosen angehoben: Beim Vorsteuergewinn rechnet man statt mit 680 nun mit 710 Millionen Euro.

Der Coup überzeugt

Aus Sicht der Hypo Real Estate ist der Deal zu begrüßen, da sich Immobilien-und Staatsfinanzierung gut kombinieren lassen. Ein Risiko für den HRE-Aktienkurs ergäbe sich allerdings, falls das Unternehmen für die Depfa deutlich tiefer in die Tasche greifen muss. Angesichts der sich aus der Fusion ergebenen Chancen und der günstigen Bewertung der HRE (2008er-KGV von 10) sollten Anleger eine erste Position aufbauen und später, wenn der Coup positiv verläuft, nachkaufen.

Kursziel für die HRE: 60,00 Euro. Stopp: 37,90 Euro.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 32/2007.

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