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- DER AKTIONÄR

Gespräch mit einem Weltreisenden - Teil 2

Swen Lorenz ist Autor von „Reisenotizen eines Börsenprofis“, erschienen im April bei der Börsenmedien AG. Lorenz ist auf exotische Sondersituationen spezialisiert und genießt nicht zuletzt dank seiner unterhaltsamen Schreibweise unter seinen Lesern seit Jahren Kultcharakter. DER AKTIONÄR erwischte den Vielschreiber und Aktienspürhund bei einem Zwischenstopp in London.

Swen Lorenz ist Autor von „Reisenotizen eines Börsenprofis“, erschienen im April bei der Börsenmedien AG. Lorenz ist auf exotische Sondersituationen spezialisiert und genießt nicht zuletzt dank seiner unterhaltsamen Schreibweise unter seinen Lesern seit Jahren Kultcharakter. DER AKTIONÄR erwischte den Vielschreiber und Aktienspürhund bei einem Zwischenstopp in London.

DER AKTIONÄR: Inseln scheinen es Ihnen ja angetan zu haben. Sie schrieben auch von Immobilieninvestments auf Sark, der winzigen Steueroase im englischen Kanal. Was tut sich dort?

SWEN LORENZ: Sark lag lange im Dornröschenschlaf, u.a. da die Insel bislang nur per Boot zu erreichen ist. Ich erwarb dort ein Haus im Erbbaurecht und spekuliere darauf, dass der Insel eine Frischzellenkur bevorsteht. Was außer den Inselbewohnern bislang noch niemand weiß, ist, dass kürzlich die Baugenehmigung für ein neues Hotel und einen Golfplatz erteilt wurde. So etwas schnappe ich auf Sark im Pub auf, da dort auch die Parlamentsmitglieder der Insel ihr Bier trinken. Durch diese Pläne wird bald für jeden erkennbar sein, was ich in meinem Buch ausführlich beschrieben hatte: Sark wird von einer neuen Generation internationaler Anleger und Geschäftsleute entdeckt. Objekte sind chronisch knapp, da es nur 220 Häuser auf der Insel gibt. Neue Baugenehmigungen gibt es nur in Ausnahmefällen. Da sind Knappheitspreise mittelfristig vorprogrammiert.

Davon können Börsenanleger aber nicht profitieren?

Ausnahmsweise gibt es in diesem Fall wirklich keine einzige Aktie, mit der man direkt auf diese Entwicklung setzen kann. Die Nachbarinsel Guernsey ist jedoch zu einem guten Teil im Besitz einer börsennotierten Gesellschaft. Die Details darüber verrate ich ebenfalls in meinem Buch. Wobei ich aber trotz aller Liebe zu Aktien sagen muss: Wer einmal die kristallklaren, sauberen Strände von Sark genossen und anschließende einen Teller lokaler Jakobsmuscheln verspeist hat, wird sich auch für Immobilieninvestments erwärmen. Auf Sark kann man Eigennutzung mit hervorragenden Wertsteigerungsperspektiven kombinieren.

Wie schaffen Sie es eigentlich, in so vielen Orten gleichzeitig zu sein?

Dazu hätte ich eine Gegenfrage. Kann man es sich leisten, solche Dinge nicht vor Ort zu recherchieren? In etwas entlegenen Reisezielen finden sich oft die besten Investments, da dort sonst kaum jemand hinschaut. Wobei das durchaus auch einmal eine Reise ins Schwabenland bedeuten kann.

Wie das?

Ich verfolge genau, welche Unternehmen aus „Emerging Markets“ in Westeuropa auf Einkaufstour gehen. Das ist ein neues Phänomen, denn früher war es ja fast immer nur umgekehrt. So fiel mir letztes Jahr auf, dass ein russischer Kosmetikkonzern den schwäbischen Kosmetikhersteller Dr. Scheller mehrheitlich übernahm. Ich setzte von Anfang an darauf, dass die Russen ihre Beteiligungsquote auf 100 Prozent ausbauen wollten. Mithin wäre die Aktie ein Abfindungskandidat. Zunächst leugnete der neue Großaktionär alles und sprach gar davon, dass er seine Beteiligung wieder reduzieren wollte. Vor kurzer Zeit stockte er seinen Anteil dann von 61 Prozent auf über 75 Prozent auf. Wer sich in Russland auskennt und weiß, wie glänzend dort das Kosmetikgeschäft läuft, hat hier einen relativ sicheren und einfachen Gewinn erzielen können. Das wahre Interesse der Russen lag von Anfang an auf der Hand.

Beim Stichwort Russland komme ich auf die in London notierte PGI Group, die Sie ebenfalls ausführlich in Ihrem Buch beschrieben hatten.

Korrekt. Dieses ehemalige Plantagenunternehmen hat seit vergangenem Jahr eine Tochtergesellschaft, die Fonds für russische Immobilien auflegt. Meine Aussage im Buch war, dass PGI alle alten Aktivitäten verkaufen und anschließend zum reinen Spezialisten für russische Immobilienfonds ausgebaut wird. Die Plantagen in Asien wurden bereits letztes Jahr verkauft. Vor zwei Wochen ging dann die Beteiligung an einem britischen Schubkarrenhersteller über den Tisch. Die afrikanischen Plantagen sind nunmehr der letzte „Fremdkörper“ in der Bilanz dieses früheren Gemischtwarenladens. PGI-Aktionäre können meines Erachtens bis Jahresende mit einer vollständigen Bereinigung rechnen. Danach wird die Gesellschaft ein moderner Finanzdienstleister mit klaren Strukturen sein.

Aber wieso russische Immobilien? Moskau gehört doch bereits zu den teuersten Immobilienstandorten der Welt. Ist das Potential nicht längst ausgeschöpft?

Für Moskau ist dies absolut richtig. Die wenigsten Ausländer sind sich jedoch darüber im Klaren, dass Russland neben Moskau noch 13 andere Städte mit mehr als einer Million Einwohnern hat. Zudem gibt es 80 Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern. All diese Standorte haben Nachholpotential. Sogar St. Petersburg ist im Vergleich zu Moskau noch stark unterbewertet, selbst wenn man die unterschiedliche Wirtschaftsstruktur der beiden Städte in Betracht zieht. Mit einer neu entwickelten Büroimmobilie können Sie in St. Petersburg noch immer 20 Prozent Mietrendite erzielen.

Mit dieser Meinung stehen Sie aber so ziemlich alleine da?

Zumindest einer teilt meine Meinung! Lesen Sie einmal „Inside the House of Money“, ein Buch mit Interviews der besten Hedgefundmanager der Welt. Darin wird auch Nick Roditi erwähnt, ein ehemaliger Fondsmanager von George Soros, der heute nur noch sein eigenes, beträchtliches Vermögen verwaltet. Roditi wird in der Londoner City ein einmaliges Talent zugeschrieben, jeweils zwei oder drei große und mehrjährige Trends vorab zu erkennen. Auf diese Weise brachte er seinen eigenen Fonds zwischen 1992 und 1997 um 975 Prozent nach vorne, was ihn zum erfolgreichsten Manager von Soros’ Quantum Gruppe machte. Für seine Erfolge erhielt Roditi alleine 1997 und 1998 umgerechnet rund 200 Mio. Euro Gehalt. Roditi ist heute mit 62,5 Prozent Anteil der größte Aktionär von PGI. Dies ist die einzige Aktie, mittels derer man sich in den Fahrtwind von Roditi hängen kann. Und der frühere Vorstandsvorsitzende von Quantum sitzt auch gleich im Aufsichtsrat von PGI.

Ihr Ratschlag?

Vor sieben Jahren wollte niemand in russische Unternehmen investieren: Zu weit weg, zu riskant, zu wenig transparent. Seither sind die Kurse um das 30 oder 50fache gestiegen. Das alles kam unter großen Schwankungen, aber wer Geduld hatte, erzielte mit russischen Standardaktien enorme Gewinne. Roditi sagte mir im persönlichen Gespräch nach der letzten Hauptversammlung: „Geld wechselt immer von den aktiven Tradern zu den Geduldigen.“ Nach dieser Devise will er auch PGI langfristig ausbauen. Die Gazproms und LukOils sind heute weitgehend fair bewertet, damit wird kein großer Wurf mehr zu machen sein. Jetzt sind russische Immobilien außerhalb Moskaus eine der letzten großen, unterbewerteten Asset-Klassen der Welt. Warten Sie mal ab, wer in weiteren sieben Jahren seine Dukaten zählen wird. Ich setze darauf, dass Roditi hier abermals einen ganz großen Coup vorbereitet.

Wie kann man als Leser Ihrer Werke selbst über solche Sachverhalte recherchieren?

Um beim konkreten Beispiel zu bleiben, kann ich jedem nur zu einer Reise nach St. Petersburg raten. Dort steht eine Welle staatlicher Immobilienverkäufe bevor. In der Stadt an der Neva gibt es eine Vielzahl alter Paläste und Stadthäuser, die von neuen Investoren in Büroimmobilien und Wohnungen umgewandelt werden können. Wer einmal dort war, merkt auch schnell, dass Russland weit weniger wild ist, als die Medien dies gemeinhin darstellen. Man kann das Potential geradezu fühlen, wenn man durch die Stadt läuft.

Zum Schluss noch die obligatorische Frage, was bei Ihnen als Nächstes auf dem Programm steht?

Ich breche morgen zu einer dreiwöchigen Reise durch Asien auf. Hongkong, das alte Kanton inmitten einer der größten Industriegebiete Chinas, die Spielerstadt Macao, Peking, dann das alte Saigon in Vietnam – und anschließend drei Tage am Strand, um das Erlebte aufzuschreiben. In diesem Jahr bin ich mehr unterwegs als je zuvor. Dafür kann ich für 2007 schon wieder ein spannendes, dickeres Buch versprechen. Die alten Geschichten werden fortgesetzt, und ich habe schon eine ganze Reihe neuer Aktien im Köcher.

Vielen Dank für das Gespräch.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Sven Lorenz.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 33/2006.

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