BAINS MER MONACO ...
- DER AKTIONÄR

Gespräch mit einem Weltreisenden - Teil 1

Swen Lorenz ist Autor von „Reisenotizen eines Börsenprofis“, erschienen im April bei der Börsenmedien AG. Lorenz ist auf exotische Sondersituationen spezialisiert und genießt nicht zuletzt dank seiner unterhaltsamen Schreibweise unter seinen Lesern seit Jahren Kultcharakter. DER AKTIONÄR erwischte den Vielschreiber und Aktienspürhund bei einem Zwischenstopp in London.

Swen Lorenz ist Autor von „Reisenotizen eines Börsenprofis“, erschienen im April bei der Börsenmedien AG. Lorenz ist auf exotische Sondersituationen spezialisiert und genießt nicht zuletzt dank seiner unterhaltsamen Schreibweise unter seinen Lesern seit Jahren Kultcharakter. DER AKTIONÄR erwischte den Vielschreiber und Aktienspürhund bei einem Zwischenstopp in London.

DER AKTIONÄR: Herr Lorenz, „Reisenotizen eines Börsenprofis“ ist vor vier Monaten erschienen und enthielt etliche aktuelle Investmenttipps. Sind diese denn noch aktuell?

SWEN LORENZ: Mehr denn je! Es war in der Tat ein Balanceakt, aktuelle Empfehlungen in Buchform zu bringen. Das Buch hätte sich hierdurch schnell überleben können. Ich wählte jedoch bewusst Aktien, bei denen mehrjährige Trends zu erwarten sind. Genau diese
Entwicklungen haben jetzt bei den meisten dieser Titel bereits begonnen.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Die Aufmachergeschichte drehte sich um ein winziges Bankhaus in der Steueroase Isle of Man. Conister Trust ist quasi die Sparkasse der Insel, wird aber als Aktiengesellschaft an der Londoner Börse gehandelt. Das Buch beschrieb, wie nach dem Einstieg eines neuen Großaktionärs damit zu rechnen war, dass der Gesellschaft neues Leben eingehaucht wird. Mittlerweile ist Jim Mellon, mit 900 Mio. Euro Privatvermögen einer der reichsten britischen Fondsmanager, als zweiter Großaktionär eingestiegen.

Was wird dort Ihrer Einschätzung nach als Nächstes passieren?

Die beiden Großaktionäre möchten die Gesellschaft zunächst einmal zur Privatbank für reiche Steueroasenklientel ausbauen. Zudem dürfte das Institut von der bislang wenig bekannten MiFid-Direktive der EU profitieren. Ab 2007 kommt auf Finanzdienstleister im EU-Raum nochmals eine riesige Welle zusätzlicher gesetzlicher Auflagen zu. Vor diesem bürokratischen Albtraum will so manch Finanzunternehmen flüchten. Die Isle of Man gehört nicht zur EU, ist aber bestens ans Finanzzentrum London angeschlossen. Da bietet es sich an, ganze Geschäftszweige von London auf die Isle of Man zu verlagern. Conister könnte als Auffangbecken und externer Dienstleister für solche Firmenverlagerungen dienen. Das Management hat hierzu zwar noch nichts Offizielles verlauten lassen. Aber wer eins und eins zusammenzählt, kommt diesen Perspektiven rasch auf die Spur.

Welche Risiken liegen in einer solchen Neuausrichtung?

Diese Frage würde ich gerne mit einem Blick auf die bisherige Erfolgsbilanz der beiden Großaktionäre beantworten. Aaron Banks, der Conister im Jahr 2005 entdeckte und 23% an der Bank erwarb, hat innerhalb von sechs Jahren aus dem Nichts heraus eine Versicherungsvertriebsgruppe mit 3,5 Mio. Pfund Nettogewinn aufgebaut. Sein Unternehmen schrieb 2005 rund 20 Mio. Pfund Umsatz und soll in diesem Jahr auf über 100 Mio. Pfund Umsatz wachsen. Jim Mellons Fondsgesellschaft Charlemagne Capital wiederum wuchs in nur sieben Jahren von 250 Mio. US$ Kundenvermögen auf 5 Mrd. US-Dollar Kundenvermögen. Bei einer solchen Neuausrichtung gibt es immer Risiken und Herausforderungen. Aber wenn es jemand schaffen kann, aus Conister eine Perle zu machen, dann sicher dieses Duo.

Was gibt es zur Aktie zu sagen?

Bislang hat noch kein einziger Analyst diese neuen Aussichten auf dem Radarschirm. Wer jedoch ein wenig recherchiert, begreift schnell, dass Conister nach 15 Jahren Dornröschenschlaf jetzt eine lange Wachstumsphase vor sich hat. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau ist die Gesellschaft mit lediglich 36 Mio. Euro bewertet. Davon werden 18 Mio. Euro durch Barreserven abgedeckt. Die Gesellschaft ist schuldenfrei. Mehr muss man wohl gar nicht mehr sagen. Eine Kapitalerhöhung brachte den Kurs vorübergehend unter Druck. Im weiteren Jahresverlauf dürfte die Aktie aber wieder neu durchstarten. Das Potential ist enorm groß.

Ganz aktuell möchten wir Sie auch nach der Société des Bains de Mer (SBM) fragen. Der Gesellschaft gehören große Teile von Monaco, unter anderem auch die Kasinos und die besten Hotels. Sie waren der erste Analyst, der die Aktie im Detail untersuchte und weithin bekannt machte.

Es gibt keine andere Gesellschaft, zu der mich mehr E-Mails von Lesern erreichen. Die Faszination des Fürstentums Monaco hat definitiv auch etliche Börsianer infiziert. Letzte Woche wurde nun endlich offiziell bestätigt, dass Monaco seine geringe Landmasse durch den Bau einer künstlichen Insel erweitern wird. Vor zwei Jahren wurde ich für diese Prognose noch als Hochstapler beschimpft. Die Regierung hat nun den Bau einer 275.000 Quadratmeter großen Insel vor der Küste des Fürstentums angekündigt. Sogar meine Prognose, dass der Formel-1-Parcours durch das Meer und über die Insel führen wird, könnte sich den jüngsten Verlautbarungen zufolge bestätigen.

Steht schon fest, was Monaco mit diesen neuen Flächen plant? Und wo genau kommt die SBM ins Spiel?

Noch ist alles im Frühstadium der Planung. Aber nachdem sich Monaco im Wettbewerb gegen Standorte wie Dubai behaupten muss, dürfte schon heute feststehen, dass auf der neuen Fläche etliche publikumsträchtige Prestigeobjekte entstehen werden. Einige davon dürften auch von der SBM gebaut und betrieben werden. Ein neues Hotel auf dieser Insel dürfte eine Lizenz zum Gelddrucken darstellen.

Der eigentliche Reiz liegt doch aber in einem neuen Kasino, wenn man Ihren früheren Aussagen folgt?

Ein neues Kasino wäre ein weiterer wichtiger Baustein, sowohl für Monaco als auch die SBM. Ich spekulierte von Anfang an, dass der amerikanische Kasinomilliardär Steve Wynn auf einer solchen Fläche ein neues Kasino bauen will. Dies wäre wahrscheinlich ein Gemeinschaftsprojekt mit SBM, denn nur SBM darf in Monaco Kasinos betreiben. Und wie jeder weiß, gewinnt das Kasino immer. Noch ist aber alles reine Spekulation.

Die SBM-Aktie ist gerade wieder neu angesprungen. Ein Strohfeuer, das durch die Meldung über die künstliche Insel geschürt wurde?

Kurzfristige Prognosen sind bei diesem Papier extrem schwierig. Es gibt nur relativ wenige Umsätze in dieser Aktie, da sehr viele der ausstehenden Aktien in den Händen von loyalen Altaktionären liegen. Sicher ist jedoch, dass bereits der Wert des vorhandenen Immobilienvermögens den Kurs deutlich übertrifft. Die Fantasie neuer Projekte gibt es also umsonst. Langfristig ist SBM eine risikoarme Anlage, die durch den eigentlich ja kaum aufzuhaltenden Erfolg von Monaco Stück für Stück im Wert steigen wird. Seit ich vor zwei Jahren erstmals auf die Aktie hinwies, ist der Kurs unter Schwankungen um rund 100 Prozent gestiegen. In den kommenden zwei Jahren dürfte sich die Aktie ähnlich gut entwickeln.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews mit Sven Lorenz.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 33/2006.

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