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Geschafft!

Der amerikanisch-französische Mischkonzern Vivendi Universal hat den Turnaround vollzogen. Die Zeichen stehen auf steigende Umsätze und Gewinne.

Der amerikanisch-französische Mischkonzern Vivendi Universal hat den Turnaround vollzogen. Die Zeichen stehen auf steigende Umsätze und Gewinne.

Von Anja Weingran

Vivendi Universal hat, salopp ausgedrückt, "die Kurve gekriegt". Vorbei sind die mageren Zeiten, in denen die Aktie des Medien- und Telekommunikationskonzerns nur eine Richtung kannte, nämlich die gen Süden. Der Übernahmeeifer von Ex-Chef Jean-Marie Messier führte das Unternehmen vor knapp drei Jahren in eine tiefe Krise. Insgesamt gab er 77 Milliarden Euro für Akquisitionen aus, hinterließ nach seinem Weggang einen Schuldenberg von rund 19 Milliarden Euro.

Neue Gewinnbringer

Bei Vivendi Universal hat sich seitdem viel getan. Der Konzern ist in die Oberklasse der Medien- und Telekommunikationsunternehmen aufgestiegen. Ein Großteil des Erfolges ist dabei dem derzeitigen Unternehmenschef Jean-Bernard Lévy zuzuschreiben. Zuletzt landete der Konzern mit seiner Spielesparte Vivendi Universal Games einen Volltreffer. Das einstige Sorgenkind brach mit dem Computer-Spiel "World of Warcraft" sämtliche Rekorde und trug entscheidend zur jüngsten Ergebnisverbesserung bei. Innerhalb des ersten Halbjahres 2005 wies die Spielesparte von Vivendi Universal einen Gewinn von 13 Millionen Euro aus, nachdem noch im Vergleichzeitraum des Vorjahres ein Verlust von 168 Millionen Euro in den Büchern stand. Der Umsatz verbesserte sich gleichzeitig um 61 Prozent auf 238 Millionen Euro. Ein herausragendes Ergebnis, denn für die weitere Sanierung tätigte das Unternehmen außerdem Abschreibungen und Rückstellungen in Höhe von 90 Millionen Euro. Ausgenommen der Unternehmenssparte Canal Plus - infolge der hohen Gebühren für die Fußballübertragungsrechte fiel der Gewinn des Pay-TV-Senders im ersten Halbjahr 2005 um zwölf Prozent auf 198 Millionen Euro - trugen auch die verbleibenden vier Unternehmensbereiche nur Positives zu den Zahlen zum ersten Halbjahr 2005 bei.

Starke Unternehmensbereiche

Besonders die Musiksparte Universal Music glänzte mit einer Verdreifachung des Gewinns gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 142 Millionen Euro, der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 2,01 Milliarden Euro. Die Telekommtochter SFR legte beim Umsatz um acht Prozent auf 4,24 Milliarden Euro und beim Gewinn um zwölf Prozent auf 1,34 Milliarden Euro zu. Schließlich konnte auch Maroc Telekom mit einem Umsatzplus von 13 Prozent auf 877 Millionen Euro und einer Gewinnverbesserung um acht Prozent auf 341 Millionen Euro punkten. Angeblich will die marokkanische Telefongesellschaft eine Sonderdividende ausschütten.

Gelungenes Halbjahr

Unterm Strich hat Vivendi Universal von Januar bis einschließlich Juni 2005 einen Umsatzanstieg von 8,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 9,1 Milliarden Euro erzielt. Der Nettogewinn lag mit 1,26 Milliarden Euro deutlich über den Analystenprognosen von 965 Millionen Euro. Grund genug für Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy die Messlatte noch ein Stück höher zu legen: "Wir werden unser ursprüngliches Gewinnziel von mindestens 1,8 Milliarden Euro übertreffen", so seine Prognose für das Gesamtjahr.

Fantasie vorhanden

Für konservative Anleger hat die Erfolgsstory Vivendi Universal gerade erst begonnen. Der Konzern steht so gut da wie lange nicht mehr. Das zeigt auch der Aktienkurs: Die Vivendi-Universal-Papiere gewinnen seit Jahresbeginn rund 14 Prozent. Der Wert ist mit einem 2006er KGV von 14 außerdem nicht zu teuer. Zudem dürften auch Übernahmegerüchte ein guter Nährboden für weiter steigende Kurse sein. Eine Aufspaltung des Konzerns würde Sinn machen, zumal die einzelnen Unternehmensbereiche mehr wert als das gesamte Konglomerat sein dürften. Vodafone hat schon lange ein Auge auf den Mischkonzern geworfen und hätte sicher nichts dagegen.

Artikel aus Ausgabe 42/2005

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