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Geschafft!

Nach monatelanger Suche hat Siemens mit BenQ nun einen Käufer für die defizitäre Handy-Sparte gefunden. Der Deal scheint für beide Seiten sinnvoll zu sein. Doch wer profitiert mehr? Gerade im Hinblick auf die Aktienkurse beider Unternehmen stellt sich dem Anleger diese Frage.

Nach monatelanger Suche hat Siemens mit BenQ nun einen Käufer für die defizitäre Handy-Sparte gefunden. Wer wird von diesem Deal profitieren?

Von Marion Schlegel

Der Deal ist perfekt. Der kleine taiwanische Elektronikkonzern BenQ übernimmt per Ende September die Handy-Sparte von Siemens. Monatelang hatten die Siemens-Manager Ausschau nach potenziellen Partnern gehalten. Lange ohne Erfolg - doch nun hat es geklappt. Gespräche mit BenQ liefen schon länger. Das Unternehmen schied jedoch zunächst aus dem Rennen aus, weil es nicht genügend eigene Patente besaß. Doch dies hat sich nun geklärt. Siemens hat einen Teil der eigenen Handy-Patente an BenQ abgetreten und BenQ beim Zukauf weiterer Patente bei Wettbewerbern unterstützt. Im Gegenzug willigten die Asiaten ein, ihre künftige Mobilfunkzentrale in München zu errichten sowie die Jobs der Siemens-Mitarbeiter am Standort Kamp-Lintfort zumindest bis Ende Juni 2006 zu erhalten. Aber wer ist der Gewinner dieser Transaktion?

Siemens - Sorgenkind abgegeben

Siemens ist durch diesen klaren Schnitt nun endlich die finanzielle Belastung aus dem Handygeschäft los. Zuletzt schlug die Sparte mit einer Million Euro Miese am Tag zu Buche. Der seit Ende Januar amtierende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld trauert der Sparte somit auch nicht hinterher - auch wenn man für die Abspaltung des Bereichs letztendlich sogar noch draufzahlen musste. Die Trennung drückt das Siemens-Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 350 Millionen Euro. Weitere 250 Millionen Euro fließen an BenQ zur Erlangung der Patente. 100 Millionen Euro resultieren aus Abschreibungen auf das Siemens-Warenlager. Kleinfeld sah das Mobilfunkgeschäft als eine Belastung für das Image des Elektronikriesen, das den Erfolg im restlichen Geschäft überschattet hat. Der Siemens-Chef möchte in Zukunft die Effizienz im Konzern weiter vorantreiben. Alle Unternehmensbereiche sollen ihre Margenziele erreichen. Demnach lautet das Ziel für die nächsten anderthalb bis zwei Jahre, dass Siemens doppelt so schnell wachsen soll wie das weltweite Bruttosozialprodukt.

BenQ - Klare Zielsetzung

Eine Spur spekulativer, dafür aber mit deutlichem Kurspotenzial versehen, ist die Aktie von BenQ. Vorbild ist Samsung. Der koreanische Rivale hat es geschafft, innerhalb der letzten zehn Jahre vom namenlosen Zulieferer zu einem der schlagkräftigsten Elektronikkonzerne der Welt zu avancieren. BenQ steht dagegen noch ganz am Anfang. Als eigenständige Marke ist BenQ erst gut drei Jahre alt. Damals spaltete sich das Unternehmen von dem Computerhersteller Acer ab. Bisher arbeitete BenQ überwiegend als Auftragshersteller für große Weltmarken wie Motorola oder Handelskonzerne wie Tchibo und beliefert diese unter anderem mit Handys, Laptops und Bildschirmen. Unter dem eigenen Label BenQ erwirtschaftet das Unternehmen momentan jedoch lediglich rund 40 Prozent seines Umsatzes. Erklärtes Ziel ist es aber, die Quote schon bald auf 50 Prozent zu erhöhen und damit Schritt für Schritt das Billigimage des Konzerns abzustreifen. Großer Vorteil für BenQ ist, dass man zunächst den Markennamen von Siemens auf den Handys weiterverwenden kann. Dadurch sollte sich die Übergangsphase deutlich leichter gestalten.Mit dem Siemens-Deal steigt BenQ zum viertgrößten Hersteller nach Nokia, Motorola und Samsung auf. Bis 2006 will der BenQ-Chef in der Mobilfunksparte bis zu 410 Millionen Euro sparen und die Gewinnschwelle erreichen. Dabei sollen die Kostenvorteile in China und Taiwan voll ausgenutzt werden. Außerdem will BenQ das richtig machen, was Siemens zuletzt verschlafen hatte. Die Asiaten wollen neue Techniken schneller auf den Markt bringen und die Kundenwünsche gezielt erfüllen. Das Augenmerk soll verstärkt auf Handys mit anspruchsvollen Funktionen gelegt werden. Der Deal ermöglicht BenQ des Weiteren in Europa verstärkt Fuß zu fassen. Bislang macht der Umsatz in Europa rund ein Drittel des Geschäfts aus. In diesem Jahr sollen die Einnahmen um 50 Prozent zulegen. Bei allem Optimismus dürfen jedoch die Risiken nicht übersehen werden. Zunächst einmal hat BenQ mit erheblichen Schwierigkeiten infolge der Neuausrichtung zu kämpfen. Jüngst ist beispielsweise ein Motorola-Auftrag geplatzt. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Rückgang der gesamten Handylieferungen um fünf Millionen auf zehn Millionen Stück.

Chancenreich

Ein alleiniger Gewinner des Deals ist nicht auszumachen. Wenn Siemens und BenQ die sich bietenden Chancen nutzen, können sogar beide Profit daraus ziehen. Siemens ist endlich sein Sorgenkind los und macht sich nun mit vollem Tatendrang an neue Ziele. BenQ hat durch die Übernahmen die Chance zu einem der führenden Anbieter von Hightech-Konsumgeräten zu werden. Das Konzept scheint stimmig. Deutliche Einsparungen durch Produktion in der Heimat sollen den Druck von der Kostenseite nehmen, gleichzeitig soll vermehrt auf die Kundenbedürfnisse eingegangen werden. Der eher konservativ agierende Anleger sollte sich ein paar Stücke von Siemens ins Depot legen. Der spekulative Investor kauft BenQ-Aktien. Denn gelingt die geplante Neuausrichtung, sollten getreu dem Vorbild Samsung bald erheblich höhere Notierungen auf den Kurszetteln zu lesen sein.

Artikel aus DER AKTIONÄR 26/05

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